Börsenvorschau - SMI dürfte sich bei Herbstrally eine Verschnaufpause gönnen

Die Börse wird nach Einschätzung von Experten in der neuen Woche eine Verschnaufpause einlegen.
11.11.2017 17:06
Der Bulle und der Bär vor der Börse in Frankfurt.
Der Bulle und der Bär vor der Börse in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

"Einigen Investoren scheint aufgefallen zu sein, dass der Aktienmarkt mit dem jüngsten Anstieg für die Jahresendrally zu früh dran gewesen ist", sagt Analyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. Innerhalb weniger Tage war der deutsche Leitindex Dax um rund 700 Punkte auf ein Rekordhoch von 13.525 Zähler marschiert, bevor es gegen Ende der alten Woche einen deutlichen Rückschlag gab. Auf Wochensicht stand ein Verlust von 2,6 Prozent zu Buche. Auch der Swiss Market Index (SMI) gab vergangene Woche 2 Prozent nach.

Viele Analysten rechnen schon länger mit einer Korrektur und sehen nun die Zeit dafür gekommen. "Die jüngsten Kurseinbrüche waren mit gestiegenem Handelsvolumen verbunden", sagt Finanzmarktexperte Jörg Haldorn vom Vermögensberater Zaldor. "Möglicherweise liefert dieser Verkaufsdruck in der neuen Woche erst einmal eine weitere Konsolidierung." Spekulationen auf einen Wirtschaftsboom trieben die Börsen weltweit in den vergangenen Monaten von einem Gipfel zum nächsten. Der japanische Leitindex Nikkei erklomm den höchsten Stand seit 26 Jahren, der Dow-Jones-Index an der Wall Street markierte mit 23.602 Punkten ein Rekordhoch. Auf Wochensicht gab aber auch der Dow nach, auch wenn das Minus mit 0,5 Prozent nicht so stark ausfiel wie beim SMI oder Dax.

Im Fokus bleibt das Ringen um die US-Steuerreform. "Das Thema könnte als Bremsklotz wirken, sollte es hier zu Verzögerungen in der Umsetzung kommen", so Fondsmanager Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer. Börsianer hoffen seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump auf milliardenschwere Steuererleichterungen für Firmen und Privatleute. "Die Tatsache, dass die Aktienmärkte in Erwartung all der Versprechen von Trump gestiegen sind und sie jetzt womöglich nicht umgesetzt werden, könnte zu Kursverlusten führen", warnt Chefhändler Ken Polcari vom Brokerhaus O'Neil Securities in New York.

Signale zum künftigen Zinskurs könnte am Dienstag die Elite der internationalen Notenbanker-Szene in Frankfurt liefern. Bei einer Konferenz der Europäischen Zentralbank sprechen EZB-Präsident Mario Draghi, die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, Bank-of-England-Präsident Mark Carney sowie der japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda. Bereits am Montag beginnt in der Main-Metropole die alljährliche "Euro Finance Week". Reden werden dort Vorstände von Deutsche Bank, Commerzbank, Santander und ING.

Nur vereinzelt schneien noch Quartalsberichte herein

Am Dienstag erfahren Anleger zudem mehr über das Wachstum der deutschen Wirtschaft im dritten Quartal. Experten rechnen mit einem zum Vorquartal stabilen Plus von 0,6 Prozent.  Wie es um die Wirtschaft Japans bestellt ist, zeigt sich am Mittwoch mit der Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal. Ebenfalls am Mittwoch stehen in den USA die Einzelhandelsumsätze und die Verbraucherpreise im Oktober auf der Agenda. Commerzbank-Experte Christoph Balz erwartet einen Anstieg der Inflation um 0,1 Prozent zum Vormonat. "Die Fed wird damit kaum zufrieden sein, aber trotzdem an der avisierten Zinserhöhung im Dezember festhalten."

Die Bilanzwelle flacht unterdessen in der neuen Woche ab. Aus Montag legen Sonova Zahlen vor, am Dienstag PSP Swiss Property und am Mittwoch Bâloise, Datacolor sowie Orascom, Ausserdem plant Poenina am Donnerstag den Gang an die Börse.

(cash/Reuters)