BörsenvorschauTrump und Yellen halten Anleger auf Trab

Die Hoffnungen auf einen Wirtschaftsboom unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump werden den Aktienmärkten Experten zufolge in der neuen Woche erneut Auftrieb geben.
29.01.2017 12:33
Janet Yellen, Chefin US-Notenbank Federal Reserve.
Janet Yellen, Chefin US-Notenbank Federal Reserve.
Bild: Bloomberg

"Jetzt beginnt der Übergang vom zinsgetriebenen zu einem von Unternehmensgewinnen getriebenen Bullenmarkt", betont Fondsmanager Till Budelmann von der Berenberg Bank. Unter Börsianern steht der Bulle für die Optimisten.

In der alten Woche legte der Swiss Market Index (SMI) um 0,9 Prozent auf 8422 Punkte zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones übersprang sogar erstmals die psychologisch wichtige 20.000er Marke. Im Wochenvergleich ergab sich für den Dow ein Plus von 1,3 Prozent, für den S&P ein Aufschlag von einem Prozent und den Nasdaq einen Zuwachs von 1,9 Prozent.

"Die Hoffnung, dass Steuersenkungen und Infrastrukturmassnahmen das US-Wirtschaftswachstum befeuern und dann den Rest der Welt mitziehen, ist wieder da", schreiben die Analysten der Essener National-Bank in einem Kommentar. "Die protektionistischen Anwandlungen des US-Präsidenten spielen (noch) keine Rolle." Trump hat in den ersten Tagen seiner Amtszeit unter anderem den Bau zweier umstrittener Öl-Pipelines vorangetrieben. Ausserdem soll der Bau der geplanten Mauer an der Grenze zu Mexiko rasch beginnen.

Wie reagiert die Fed auf den neuen US-Präsidenten?

Am Mittwoch könnte Fed-Chefin Janet Yellen Investoren allerdings Wasser in den Wein giessen, wenn sie die Geldpolitik der US-Notenbank erläutert. "Die uns bekannte Ausrichtung ist auf moderate Wachstumsraten um 1,5 Prozent eingestellt", sagt Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Die neue, noch völlig unbekannte geldpolitische Ausrichtung wird wahrscheinlich aber eine sein, die schnellere Zinsanhebungen vorsieht, bevor zu viel Inflation in einem wachstumsstarken Umfeld überhaupt entstehen kann." Im Dezember hatte die Fed für 2017 drei Zinserhöhungen signalisiert. Börsianer rechnen bislang meist mit zwei Schritten.

Die Befürworter einer restriktiveren Notenbankpolitik könnten am Freitag Rückenwind bekommen. An diesem Tag stehen die US-Arbeitsmarktdaten auf dem Terminplan. Zwei Tage zuvor liefern die Daten der privaten US-Arbeitsagentur ADP bereits einen Vorgeschmack darauf. Analysten rechnen mit einem beschleunigten Stellenaufbau. Darüber hinaus werden zum Wochenauftakt die Zahlen zu den Ausgaben der US-Verbraucher veröffentlicht. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft.

Nächste Welle von Firmenbilanzen rollt an

Neben der Fed beraten auch die Bank von Japan (Dienstag), die Europäische Zentralbank (Mittwoch) und die Bank von England (Donnerstag) über ihre Geldpolitik. Experten erwarten aber bei keiner der drei Veränderungen. Allerdings könnten die europäischen Inflationszahlen am Dienstag den Spekulationen um einen Ausstieg aus der ultra-lockeren EZB-Geldpolitik neue Nahrung geben, betont Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Notenbank-Direktorin Sabine Lautenschläger hatte in der alten Woche eine Debatte darüber gefordert.

Unterdessen steuert die Bilanzsaison auf ihre nächsten Höhepunkte zu. Am Mittwoch öffnen unter anderem Roche und Julius Bär ihre Bücher. Am Donnerstag Emmi und Bucher. Auch die Deutsche Bank legt Geschäftszahlen vor. Analysten rechnen mit einem Verlust von knapp einer Milliarden Euro - unter anderem wegen der Strafzahlungen im Zusammenhang mit Tricksereien am US-Hypothekenmarkt. Firmenchef John Cryan wird sich wohl auch Fragen zum möglichen Teil-Börsengang der Vermögensverwaltung stellen müssen.

(Reuters)