Börsenvorschau - Zinsanstieg verliert für Anleger langsam den Schrecken

Spekulationen über die Inflation und steigende Zinsen werden die Anleger auch in der neuen Woche nicht loslassen. Nach den jüngsten Turbulenzen sehen Experten für die Aktienmärkte allerdings wieder etwas Luft nach oben.
18.02.2018 11:33
Swiss Re werden am Freitag die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 vorlegen.
Swiss Re werden am Freitag die Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 vorlegen.
Bild: Bloomberg

"Zwar können die Zinsen längerfristig das Ende des Börsenaufschwungs einläuten, jetzt ist es dazu aber noch zu früh", sagt Christian Heger, Chef-Anlagestratege für Deutschland bei der Vermögensverwaltung der Grossbank HSBC.

Auch sein Kollege Luca Paolini vom Vermögensverwalter Pictet äussert sich optimistisch über die Kursaussichten: "Nach der jüngsten Korrektur erscheinen die Aktienmärkte weltweit bereit für eine Fortsetzung ihrer Rally." Im Vergleich zu seinem Rekordhoch im Januar hatte der Swiss Market Index (SMI) bis Anfang Februar zeitweise rund 1000 Punkte eingebüsst. In der vergangenen Woche gewann er 3,5 Prozent auf 8987 Zähler. In den USA legte der Dow Jones auf Wochensicht um 4,25, der breiter aufgestellte S&P um 4,3 und die Technologiebörse Nasdaq um 5,3 Prozent zu.

Anleger hatten zuletzt darauf spekuliert, dass die US-Notenbank Fed in diesem Jahr stärker als bislang gedacht die Zinsen erhöhen könnte. Diese Befürchtung sorgte weltweit für starke Kursrückgänge am Aktienmarkt, denn seit der Finanzkrise vor zehn Jahren hängen die Börsen am Tropf der Notenbanken, die bislang nur vereinzelt und behutsam die Geldflut verringert haben.

Vor diesem Hintergrund fiebern Börsianer dem ersten grossen Auftritt des neuen US-Notenbankchefs Jerome Powell am Freitag entgegen. Sie erhoffen sich von dem turnusgemässen Auftritt vor dem US-Kongress Hinweise auf die Geldpolitik der Fed. Besonders interessiert sie die Frage, wie Powell eine Überhitzung der weltgrössten Volkswirtschaft verhindern will.

Erst EZB-Zinserhöhung würde Konjunktur in Gefahr bringen

Wie es um die Stimmung der Börsianer in Deutschland bestellt ist, dürfte der ZEW-Index am Dienstag zeigen. Am gleichen Tag stehen auch die Zahlen für den Aussenhandel und die Uhrenexporte der Schweiz an. Einen Tag später folgen die Einkaufsmanager-Indizes für Deutschland und die Euro-Zone. Am Donnerstag steht dann der viel beachtete Ifo-Index auf der Agenda, der die Stimmung in den Chef-Etagen der Firmen misst. "Alles andere als ein Rückgang der Einkaufsmanager-Indizes im Euro-Raum und des Ifo-Geschäftsklimas in Deutschland wären eine Überraschung," prognostiziert Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Ein Ende des Konjunkturaufschwungs im Euro-Raum bedeutet das laut Weil aber nicht. Dieser geriete nur bei Zinserhöhungen der EZB in Gefahr, die vorerst allerdings nicht in Sicht seien.

Schweizer Anleger werden in der neuen Woche zahlreiche Firmenbilanzen genauer unter die Lupe nehmen. Es sind dies am Dienstag Castle Private, CPH, Thurgauer KB und Walter Meier, am Mittwoch die Bank Linth, am Donnerstag Cembra und die Fribourger KB sowie am Freitag Swiss Re, Sika und Also. Aus dem Ausland kommen Geschäftszahlen des US-Einzelhändlers Wal-Mart (Dienstag), der britischen Lloyds Bank (Mittwoch) und Berkshire Hathaway (Freitag), der Investment-Gesellschaft des Börsengurus Warren Buffett.

Spannend wird es auch beim Thema Cyber-Devisen. Am Dienstag beginnt der Vorverkauf für die erste staatliche Kryptowährung, den venezolanischen Petro. Sie soll mit Ölreserven des südamerikanischen Landes besichert werden und Venezuela aus seiner Wirtschaftskrise helfen. Staatspräsident Nicolas Maduro will den Petro zum Preis eines Fasses US-Rohöl - also etwa 60 Dollar - verkaufen. Regierungsberater plädieren jedoch für einen Abschlag von 60 Prozent.

(cash/Reuters)