Bond-Investoren erhalten neues Futter

Euro-Staaten werden in dieser Woche Obligationen im Volumen von etwa 15 Milliarden Euro herausgeben. Die Nachfrage wird hoch sein.
24.10.2016 14:28
Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Während der Countdown bis zur nächsten Ratssitzung der Europäischen Zentralbank im Dezember beginnt, bekommen die auf eine Ausweitung des Bondkaufprogramms setzenden Anleihehändler in dieser Woche die Chance, sich mit weiteren Staatsanleihen aus dem Euroraum einzudecken.

Staaten, darunter Deutschland und Italien, planen Anleihe-Auktionen im Volumen von etwa 15 Mrd. Euro, ergaben Berechnungen der Commerzbank.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte vergangenen Donnerstag gesagt, der EZB-Rat habe keine Drosselung der Anleihekäufe ("Tapering") diskutiert. Das schürte Spekulationen, dass das Programm zur quantitativen Lockerung verlängert wird, und rückt die Sitzung des EZB-Rats im Dezember in den Fokus. Die Mehrheit der Teilnehmer an einer Bloomberg-Umfrage, die vom 7. bis 14. Oktober durchgeführt wurde, erwartet an dem Tag die Ankündigung von Änderungen durch die EZB.

Spekulationen, dass die in Frankfurt angesiedelte Zentralbank eine schrittweise Rücknahme ihres 1,7 Billionen Euro schweren Kaufprogramms vorbereite, hatten Anfang des Monats zu Kursverlusten bei den Anleihen aus dem Euroraum geführt. Das QE-Programm der EZB läuft nach derzeitigem Stand mindestens bis März 2017.

Emission von fünf- und zehnjährigen Anleihen in Italien

Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit verzeichneten zuletzt ihren ersten Wochengewinn seit dem 30. September. Am 26. Oktober will Deutschland am Primärmarkt 3 Mrd. Euro über eine Bundesobligation mit fünf Jahren Laufzeit aufnehmen. Italien plant am selben Tag die Emission von fünf- und zehnjährigen Anleihen. Auch Belgien, Finnland und Portugal wollen in dieser Woche Staatsanleihen am Markt platzieren.

"Es dürfte eine ziemlich solide Nachfrage nach diesen Papieren geben, weil wir wissen, dass die Nachfrage von Seiten der EZB in absehbarer Zeit nicht gedrosselt wird", erklärte Matthew Cairns, Stratege der Rabobank International in London. "Tatsächlich hat Draghi in etwa angedeutet, dass die Notwendigkeit bestehen wird, das Programm weiter zu verlängern."

Portugal bringt am 26. Oktober Bonds mit Fälligkeit April 2021 im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro an den Markt. Die Anleihen des Landes wiesen vergangene Woche die beste Entwicklung unter den Staatspapieren aus der Euro-Region auf, wie die Bloomberg World Bond Indizes zeigen. Grund waren Spekulationen, DBRS würde die Bonitätsnote des Landes im Qualitätsbereich Investment Grade belassen - womit die Ratingagentur allein dasteht - und somit gewährleisten, dass die Staatsanleihen weiterhin für einen Ankauf der EZB infrage kommen. DBRS bestätigte das Rating am späten Freitagabend.

Da die Jahresteuerung im Euroraum noch immer nur einen Bruchteil des EZB-Zielwerts von knapp zwei Prozent ausmacht, bleiben die Aussichten "ziemlich bullish", was die Unterstützung für Staatsanleihen angeht, erklärte Cairns von der Rabobank.

Rund 80 Prozent aller Staatsanleihen aus Deutschland mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr rentieren derzeit im negativen Bereich. Dieser Anteil beträgt bei den Anleihen der Eidgenossenschaft gar 90 Prozent.

(Bloomberg/cash)