Börse senkt Daumen für Übernahmepläne von Lonza

Lonza wird in den USA wohl einen milliardenschwerer Firmenkauf tätigen. Trotz starkem Leistungsausweis aus früheren Jahren überwiegt die Angst vor einer Kapitalerhöhung. Das wiederum setzt der Aktie zu.
12.12.2016 13:05
Von Lorenz Burkhalter
Lonza-Konzernchef Richard Ridinger verfügt über einen starken Leistungsausweis bei Firmenzukäufen.
Lonza-Konzernchef Richard Ridinger verfügt über einen starken Leistungsausweis bei Firmenzukäufen.
Bild: ZVG

Die letzte Grossübernahme liegt bei Lonza schon ein paar Jahre zurück, sie darf jedoch als Erfolg bezeichnet werden. Nun bestätigt der Life-Sciences-Konzern aus Basel eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters, wonach er am amerikanischen Kapselhersteller Capsugel interessiert sei. Im Raum steht gerüchteweise ein Kaufpreis von rund fünf Milliarden Dollar.

An der Börse kommen diese Pläne zunächst gar nicht gut an. An der Schweizer Börse SIX lässt die Angst vor einer Kapitalerhöhung die Lonza-Aktie zur Stunde um 7,3 Prozent auf 165,10 Franken tauchen. Beobachter berichten von grösseren Verkäufen aus dem Ausland.

Für die Analystin der Zürcher Traditionsbank Vontobel käme eine Grossübernahme nicht überraschend. Die Firmenvertreter von Lonza hätten in der jüngeren Vergangenheit mehrfach eine solche Firmentransaktion in Aussicht gestellt, wenn der Zeitpunkt stimme, so schreibt sie in einem Kommentar.

Starker Leistungsausweis bei grossen Firmenzukäufen, aber...

Allerdings zeigt sich die profunde Branchenkennerin überrascht, was das angebliche Übernahmeziel betrifft. Ihres Erachtens würden Zukäufe in anderen Geschäftszweigen mehr Sinn als der Kauf von Capsugel machen. Ähnlich äussert sich die Berufskollegin der Zürcher Kantonalbank. Ihres Erachtens würde das amerikanische Unternehmen im Rahmen einer Vorwärtsintegration durchaus in die von Lonza verfolgte Strategie passen. Dennoch sieht sie nur geringe technologische Synergien zwischen den beiden Firmen.

Schon seit Tagen bekundet die Lonza-Aktien sichtlich Mühe; Quelle: www.cash.ch

Bei Baader Helvea heisst es hingegen, dass die Attraktivität einer solchen Grossübernahme aus heutiger Sicht nur schwer abschätzbar sei. Um diese beurteilen zu können, bedürfe es weiterer Zusatzinformationen, beispielsweise finanzielle Eckdaten für Capsugel.

Unter Konzernchef Richard Ridinger kann Lonza in der jüngeren Vergangenheit auf erfolgreiche Firmenzukäufe zurückblicken. Insbesondere die im Frühsommer 2011 übernommene amerikanische Arch Chemicals gilt in Expertenkreisen bis heute als grosser Erfolg.

Finanzierung nur mittels einer Kapitalerhöhung möglich

Erst vor wenigen Monaten wurde Lonza ein Interesse am amerikanischen Pharmazulieferer Catalent nachgesagt. Wie es heisst, scheiterten die Verhandlungen damals an zu unterschiedlichen Preisvorstellungen.

Eine 5-Milliarden-Dollar schwere Übernahme, wie sie Lonza nun am Montag früh nachgesagt wird, ist Analysten zufolge allerdings noch einmal von einem anderen Kaliber - und finanziell wohl kaum ohne eine umfassende Kapitalerhöhung zu stemmen.

Die Vontobel-Analystin schätzt das Volumen einer Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Capsugel-Übernahme auf rund 2,3 Milliarden Franken. Bankeigenen Berechnungen zufolge würde die Anzahl ausstehender Aktien dadurch um einen Viertel steigen. Auch bei der Zürcher Kantonalbank heisst es, dass eine solche Transaktion nicht ohne Kapitalerhöhung zu stemmen wäre. Die davon ausgehenden Unsicherheiten werden im hiesigen Handel als auf kurze Sicht kursbelastend bezeichnet.