Börse zum Jahresbeginn zwischen Zweiflern und Optimisten

Nach den Kursturbulenzen der vergangenen Monate können sich Anleger nach Einschätzung von Experten auf einen entspannten Jahresbeginn einstellen.
01.01.2017 12:53
Gebäude der Schweizer Börse SIX in Zürich.

"Es wird keiner mit grossem Risiko in der ersten Januarwoche starten", sagt Anlagespezialist Robert Halver von der Baader Bank. So träge wie über weite Strecken der abgelaufenen Woche dürften die Börsen allerdings nicht sein. In der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester waren viele Händler in den Ferien, die Umsätze lagen deutlich unter den Volumina normaler Börsentage.

Die Schweizer Börse hat am Freitag, dem letzten Handelstag des Jahres, nach einem leichteren Start die Verluste nahezu wettgemacht. Innert Jahresfrist hat der SMI damit rund 6,5 Prozent verloren. Der SMI notierte mit 8225 Punkten. Am Montag, 2. Januar bleibt die Schweizer Börse noch geschlossen.

Nun spekulierten Anleger auf einen Wirtschaftsboom unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Mit Spannung verfolgen Anleger deshalb, wann der Dow-Jones-Index die bisher noch nie erreichte Marke von 20.000 Punkten übertrifft. Ausserdem rechnet Experte Ruland mit starken Firmenbilanzen für das vierte Quartal 2016. 2016 gewann der Dow-Jones-Index 13,4 Prozent auf 19.763 Punkte.

Robert Greil, Chef-Anlagestratege der Bank Merck Finck, verweist zusätzlich auf die vor einigen Wochen angekündigte Verlängerung der Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) bis Ende 2017. Im kommenden Jahr pumpen die Währungshüter 540 Milliarden Euro zusätzlich in die Finanzmärkte, um die Konjunktur anzukurbeln.

"Es wird im Januar eine Art Wettkampf zwischen Zweiflern und Optimisten geben, die den neuerlichen Kursanstieg einzuordnen versuchen", sagte Analyst Konstantin Oldenburger vom Brokerhaus CMC Markets.

US-Arbeitsmarktdaten im Blick

Hinweise auf das Wachstum der Weltwirtschaft liefert in der ersten Woche des neuen Börsenjahres eine Flut von Konjunkturdaten. Das Hauptaugenmerk richten Anleger auf die US-Beschäftigtenzahlen am Freitag. Von ihnen erhoffen sie sich Rückschlüsse darauf, ob die US-Notenbank (Fed) die Zinsen 2017 wie angedeutet drei Mal anheben wird.

Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten geben die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Donnerstag. Bereits am Mittwoch werden Investoren die Worte in den Protokollen der Fed-Sitzung vom Dezember auf die Goldwaage legen, weil sie sich von ihnen Einsichten in die Entscheidungsfindung des Führungsgremiums der Zentralbank erhoffen.

Risikofaktoren der Politik bremsten 2017

Für 2017 müssen sich Anleger nach Einschätzung von Experten allerdings auf magere Kursgewinne einstellen. Sie sehen die Börsen in zwölf Monaten auf dem aktuellen Niveau. Gegenwind drohe durch mögliche Wahlsiege populistischer und EU-kritischer Kandidaten bei den anstehenden Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Ausserdem sei unklar, ob US-Präsident Trump den erhofften Wirtschaftsboom auslösen könne.

Ein weiterer Risikofaktor sei der Brexit. "Die Attraktivität Grossbritanniens für ausländische Investoren lässt mit dem Wegfall des privilegierten Zugangs zum europäischen Binnenmarkt nach", betonte Analyst David Kohl von Julius Bär. "Mit dem voraussichtlichen Einläuten der Brexit-Verhandlungen im März werden Anleger die Fakten nochmals neu bewerten."

(Reuters/cash)