Börsen: Ab Mitte Oktober solls besser werden

Gemäss Serge Ledermann, Leiter Asset Management bei der Bank J. Safra Sarasin, wird an den Aktienmärkten bald wieder Ruhe einkehren. Ein Einstieg lohnt sich bei Aktien, auch bei risikoreichen Obligationen.
02.10.2015 13:06
Von Pascal Züger, Genf
Serge Ledermann, Leiter Asset Management bei der Bank J. Safra Sarasin
Bild: cash

"Es gab zwar ein paar Tage mit viel Volatilität, aber von Panik kann man nicht sprechen." So umschreibt Serge Ledermann, Leiter Asset Management bei der Bank J. Safra Sarasin im cash-Video-Interview die turbulenten Zeiten, die der Aktienmarkt jüngst durchmachen musste. Aber auch ohne Panik habe es grosse Bewegungen gegeben, und die Märkte seien inzwischen auf einem Niveau, wo ein Einstieg für verschiedene Assetklassen wieder interessant sei.

Eine überraschende Aussage, zumal Anleger derzeit pessimistisch eingestellt sind und die Volatilität der Aktienkurse aussergewöhnlich hoch ist. Es gibt durchaus plausible Gründe, weshalb diese Volatilität noch weiter anhalten könnte: Die Unsicherheit über die Zinswende der US-Notenbank, die Wachstumsschwäche in China, Währungsturbulenzen in den Schwellenländern und die tiefen Rohstoffpreise.

Ledermann erwartet entgegen der gängigen Marktmeinung ab Mitte Oktober bis Ende November eine Besserung an den Märkten. Diese befinden sich gerade im Zeitraum von September bis Mitte Oktober, welcher statistisch gesehen am Aktienmarkt jeweils die schlechteste Periode des Jahres darstellt. Dass die Börse derzeit unten durch muss, verdeutlicht folgende Grafik:

Entwicklung des SMI im 3. Quartal 2015, Quelle: cash.ch

Nach dem Börsensturz Mitte August kam es letzte Woche erneut zu einer stärkeren Korrektur, welche den SMI auf unter 8300 Punkte spülte. Doch in den letzten Tagen setzte der Schweizer Börsenindex wieder zu einer leichten Gegenbewegung an und notiert aktuell um die 8600 Punkte.

Dank Wirtschaftswachstum ein stabiles viertes Quartal?

Ledermanns Hoffnung auf eine stabileres viertes Quartal 2015 fusst auf besseren Wachstumszahlen, welche aus Europa, den USA und auch China kommen sollen: "Dies wird die Unsicherheit betreffend Konjunktur vermindern und als Konsequenz zu einer gewissen Erholung im Markt führen."

Dank dieser erwarteten Konjunkturverbesserung könnte der SMI gegen Ende des Jahres gar wieder einen neuen Anlauf starten, sein Allzeithoch von 9531 Punkten aus dem Jahre 2007 zu überbieten - oder zumindest das Jahreshoch von 9428 zu toppen. "Ich kann mir ein SMI zwischen 9000 und 9500 Punkten vorstellen, vielleicht sogar auf dem Jahreshöchststand", sagt Ledermann dazu.

Aktuelle Daten zeigen allerdings noch kein Bild der Erholung, im Gegenteil: In China mehren sich Hinweise auf eine deutliche Abkühlung der Wirtschaft. Die Industrie in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt schrumpfte im September so stark wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht.

Risikoreiche Obligationen als weitere Anlagemöglichkeit

Ledermann sieht nicht nur Aktien in Europa und der Schweiz als kaufenswert, auch im Obligationenbereich gäbe es "besonders interessante" Anlageoptionen. Er empfiehlt europäische und amerikanische Unternehmensanleihen, aber auch selektiv High-Yield-Bonds, hauptsächlich in Europa. In diesem Bereich hat es in den letzten drei bis sechs Monaten eine historische Korrektur gegeben, "inzwischen sind die Preise aber wieder interessant für Anleger, die eine zwei- bis dreijährige Perspektive haben", meint Ledermann.

Für Privatanleger ist es jedoch ratsam, nicht direkt in solche risikoreiche Bondmärkte zu investieren, sondern über Anlagefonds. Oftmals erhält ein Investor nur so überhaupt Zugang zu diesen globalen Märkten. Ausserdem sind die Risiken so breiter diversifiziert. Natürlich fallen dabei Verwaltungskommissionen an, die sich in der Regel auf 1,0 bis 1,5 Prozent pro Jahr belaufen. Es bietet dem Kleinlager aber den Vorteil, dass die Risiken des Fonds, wie die Bonität der Schuldner sowie das Zinsänderungs- und Wàhrungsrisiko, professionell überwacht werden.

Ausserdem erläutert Serge Ledermann im cash-Video-Interview, was einerseits an den sogenannten "Dark Pools" - in welchen Grossinvestoren anonym mit Aktien handeln - problematisch ist und inwiefern sie andererseits dem Aktienhandel dienlich sind.

Das Interview fand am Rande der Invest15-Messe in Genf statt.