Börsen Anleger hoffen auf frühe Weihnachtsgeschenke von Draghi

Brexit, US-Wahl, «Renzirendum»: Zum Abschluss eines turbulenten Börsenjahres sehnen sich Anleger nach Balsam für ihre aufgewühlten Seelen.
03.12.2016 13:00
Chistbaum im Einkaufszentrum Sihlcity in Zürich.
Chistbaum im Einkaufszentrum Sihlcity in Zürich.
Bild: sihlcity.ch

Diesen wird Experten zufolge die Europäische Zentralbank (EZB) liefern, wenn sie in der neuen Woche die Fortsetzung ihres Wertpapier-Ankaufprogramms verkündet. "Dr. Draghi verlängert die Therapie", sagt Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. EZB-Chef Mario Draghi werde am Donnerstag wohl verkünden, das sogenannte Quantitative Easing (QE), das bislang bis "mindestens März 2017" laufen soll, weitere sechs Monate laufen zu lassen. Das Volumen von monatlich 80 Milliarden Euro werde voraussichtlich unverändert bleiben.

Die Massnahme der EZB könnte Börsianern zufolge die Grundlage für eine Jahresendrally des deutschen Leitindex Dax legen, der in der alten Woche 1,7 Prozent auf 10'513 Punkte verlor. "Es bleibt zu hoffen, dass das Referendum in Italien nicht nur eine Ausrede für die wochenlange Zurückhaltung war", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Denn langfristig ist die Abstimmung in Italien nur eine von vielen lauernden Unsicherheitsfaktoren in der Politik der Euro-Zone. Die Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und auch in Deutschland werfen jetzt schon einen langen Schatten auf die Börse."

In der neuen Woche müssen Investoren erst einmal das Ergebnis des Verfassungsreferendums in Italien sowie der Bundespräsidentenwahl in Österreich verdauen. "Beide Abstimmungen könnten den Rechtspopulisten und Europakritikern auf ihrem Weg in die Parlamente und Regierungen Auftrieb verleihen und damit das schon fragile Gebilde Europäische Union weiter beschädigen", warnt CMC-Experte Stanzl. Die EZB will eventuelle Kursturbulenzen allerdings mit verstärkten Stützungskäufen italienischer Staatsanleihen abfedern.

Zahlreiche Stimmungsbarometer

Ob ein möglicher, von der Europäischen Zentralbank stimulierter Aufschung an den Börsen auch auf den SMI abstrahlt, ist ungewiss. Aufgrund der schlechten Performance der Schwergewichte Nestlé, Roche und Novartis erwarten Experten eher eine Seitwärtsbewegung.

Auf dem Programm für nächste Woche stehen in der Schweiz nur wenige Ereignisse an. Am Mittwoch führt die Credit Suisse ihren Investorentag durch. Am Freitag wartet das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco mit den Arbeitslosenzahlen vom November auf (zur 4-Wochen-Vorschau auf cash.ch)

Die neue Woche steht auf der Konjunkturseite ganz im Zeichen der Stimmungsindikatoren. So stehen am Montag die Barometer für die Laune der Einkaufsmanager in den chinesischen, deutschen, europäischen und US-amerikanischen Unternehmen auf dem Terminplan.

Am Freitag folgt der von der Universität Michigan ermittelte Index des US-Konsumentenvertrauens. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft. An der Wall Street gab sich in der abgelaufenen Woche für den Dow-Jones -Index ein Plus von 0,1 Prozent und für den S&P-500 ein Minus von einem Prozent. Der Nasdaq-Composite musste im Wochenvergleich einen Abschlag von 2,65 Prozent hinnehmen.

(Reuters/cash)