Börsen: Das Warten auf die EZB

Der Schweizer Aktienmarkt hat die Sitzung vom Donnerstag leicht im Plus eröffnet.
22.10.2015 10:29
Die Aktien von Actelion sind am Donnerstag gesucht.

Insgesamt würden sich die Anleger vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am frühen Nachmittag allerdings kaum gross aus dem Fenster lehnen, heisst es in Handelskreisen. Dabei dürften die Währungshüter nach nahezu einhelliger Einschätzung von Ökonomen zunächst noch mit weiteren geldpolitischen Massnahmen zuwarten.

Präsident Mario Draghi werde auf der Sitzung in Malta jedoch vermutlich deutlich machen, dass die EZB falls nötig handlungsbereit sei. Börsianer werden vor allem auf Hinweise auf eine künftige Ausweitung des milliardenschweren Wertpapierkaufprogamms achten. Hierzulande ragen vor allem die Pharmawerte, die zuletzt stark unter Druck gestanden hatten, mit Avancen heraus.

SMI startet höher

Der Swiss Market Index (SMI) steht um 09.30 Uhr 0,42% höher bei 8'637,86 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in welchem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, avanciert um 0,21% auf 1'288,16 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,39% auf 8'844,75 Zähler. Von den 30 Blue Chips stehen aktuell 18 im Plus und zehn im Minus, zwei (Schindler, Geberit) notieren unverändert.

Klar im Spitzenfeld sind zu Handelsbeginn die GS von Roche (+1,1%), wenn auch die Gewinne deutlich kleiner sind als vorbörslich angezeigt. Die Basler haben die Umsatzschätzungen in der Periode von Januar bis September knapp übertroffen und entgegen den Erwartungen von Analysten ihren Umsatz-Ausblick für das Gesamtjahr 2015 etwas angehoben. Schlüsselmedikamente wie Rituxan, Avastin oder Xeloda hätten sich überdurchschnittlich gut verkauft, heisst es etwa.

Darauf hingewiesen wird allerdings auch, dass die (Pharma)-Titel in den letzten zwei Tagen stark unter Druck gestanden hätten und eine (technische) Erholung daher nicht überraschend sei. Auch bei Novartis (+0,6%) sind die Käufer entsprechend in der Überzahl. Allein am Vortag hatten die beiden Titel je rund 1,5% an Wert eingebüsst. Freundlich präsentiert sich mit Nestlé (+0,5%) auch das dritte SMI-Schwergewicht.

Syngenta weiter im Fokus

Weiter im Fokus stehen Syngenta (-0,1%), wenn auch mit eher negativen Vorzeichen. Nachdem es am Vortag im Zusammenhang mit dem Rücktritt von CEO Mike Mack auf Ende Oktober zu Avancen von über 6% gekommen war, hat Verwaltungsratspräsident Michel Demaré den Investoren bereits wieder etwas Wind aus den Segeln genommen. So sagte er gegenüber dem "Wall Street Journal", es sei nicht geplant, die Übernahmegespräche mit Monsanto neu aufzunehmen.

Zu Abgaben kommt es auch bei den Grossbanken, wobei CS (-1,1%) sich erneut deutlich schwächer zeigen als UBS (-0,4%). Die CS-Papiere hatten bereits am Vortag mit einem Minus von 3,6% im Zusammenhang mit der neu präsentierten Strategie für wenig Freude gesorgt, nun sind sie erneut grösster Verlierer im SMI. Betont wird in Analystenkreisen im Nachgang, dass sich der neue CEO Tidjane Thiam bei der Präsentation sehr vorsichtig zum Geschäftsumfeld im vierten Quartal bzw. im neuen Jahr 2016 geäussert habe. Ausserdem seien die neuen Ziele zum Teil sehr ambitiös.

Am Berichtstag dürften aber auch die neuen Kapitalvorschriften für Grossbanken für leichte Abgaben sorgen. Der Bundesrat will die Anforderungen für systemrelevante Banken verschärfen, wobei die bis 2019 geforderte Leverage Ratio auf 5% (von aktuell gut 3%) angehoben wurde. Die CS meinte, dass sie die "sehr anspruchsvollen Anpassungen" erfüllen werde. Auch die UBS will ihnen nachkommen, werde aber die vierjährige Übergangsfrist nutzen, wie sie mitteilte.

ABB (-0,1%) präsentieren sich unauffällig. Angesichts der schwierigen Situation bei den Endmärkten habe der Konzern ein gutes drittes Quartal abgeliefert, meinen etwa die Analyst von JPMorgan am Tag nach der Ergebnisveröffentlichung. Bereits am Vortag hatten sich die Aktien zum Schluss kaum bewegt.

Die grössten Gewinner neben den bereits erwähnten Titel sind bei den Blue Chips nachrichtenlos Lonza (+1,3%), Swisscom (+0,8%) und Clariant (+0,6%), am hinteren Ende sind Sika (-0,8%), Adecco (-0,5%) sowie Kühne+Nagel (-0,2%) zu finden.

Im breiten Markt werden vor allem Logitech (+4,8%) stark nachgefragt. Der Hersteller von Computerzubehör hat laut Analysten bei den Gewinnzahlen im zweiten Quartal stark abgeschnitten. Unter Druck stehen dagegen Micronas (-3,6%) nach schwachen Zahlen.

(AWP)