Börsen steuern auf ruhigen Jahreswechsel zu

Nach den Kursturbulenzen der vergangenen Monate dürften sich Anleger zum Jahreswechsel entspannt zurücklehnen können. Eine Börsenvorschau.
24.12.2016 14:05
Trader an der Börse dürften keine grossen Geschäfte anreissen.
Trader an der Börse dürften keine grossen Geschäfte anreissen.
Bild: Bloomberg

"Es ist beeindruckend, wie gut sich der Markt hält", sagt ein Börsianer. "Derzeit ist keinerlei Abgabedruck zu spüren. Offenbar sind alle glücklich, dass es am Ende doch noch zu einem Plus gereicht hat."

Der Swiss Market Index (SMI) verlor am Freitag 0,06 Prozent auf 8'232,64 Punkte. Auf Wochensicht errechnet sich damit ein 5 Punkte höherer Stand, auf Jahresbasis jedoch ein Minus von 6,6 Prozent. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gab am Freitag um 0,10 Prozent auf 1'300,12 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,02 Prozent auf 8'964,87 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen 17 im Plus, elf im Minus und zwei unverändert.

Der Dow Jones Industrial schloss mit plus 0,07 Prozent auf 19 933,81 Punkten. Auf Wochensicht legte der Leitindex um 0,4 Prozent zu. Es war die siebte Gewinnwoche hintereinander. Der S&P 500 gewann am Freitag 0,13 Prozent auf 2263,79 Punkte. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 0,11 Prozent auf 4940,02 Zähler nach oben.

Korrektur oder Trump-Rally?

Im Vergleich zu Anfang Januar hat der Dax 2016 knapp sieben Prozent zugelegt. Diesen Kursgewinn erarbeitete er sich allerdings erst in den letzten Wochen des ansonsten durchwachsenen Börsenjahres. Damit steht der deutsche Leitindex vor dem fünften Jahresgewinn in Folge. Nur während des Internet-Booms Ende der 1990er Jahre und in den Jahren bis zum Ausbruch der Finanzkrise gab es so lange Serien mit Kurssteigerungen.

Allerdings sei nach dieser Jahresendrally eine Korrektur überfällig, fügt der Aktienhändler hinzu. So ein Rücksetzer könnte den Dax bis auf 10.800 Punkte drücken. Ein Ausverkauf wie Anfang 2016 sei aber nicht zu erwarten, betont Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Zum einen spekulierten Anleger weiterhin auf einen Wirtschaftsboom unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Ausserdem könne mit starken Firmenbilanzen für das vierte Quartal 2016 gerechnet werden.

Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck, verweist zusätzlich auf die vor einigen Wochen angekündigte Verlängerung der Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) bis Ende 2017. Im kommenden Jahr pumpen die Währungshüter 540 Milliarden Euro zusätzlich in die Finanzmärkte, um die heimische Konjunktur anzukurbeln.

US-Arbeitsmarktdaten im Blick

Auf die Geschäftszahlen der Unternehmen müssen Anleger noch etwas warten. Hinweise auf die Aussichten für das Wachstum der Weltwirtschaft liefert aber in der ersten Woche des neuen Börsenjahres eine Flut von Konjunkturdaten. Das Hauptaugenmerk richten Anleger dabei auf die US-Beschäftigtenzahlen am 6. Januar. Von ihnen erhoffen sie sich Rückschlüsse darauf, ob die Notenbank Fed die Zinsen 2017 wie angedeutet drei Mal anheben wird. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten liefern die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Tag zuvor.

Darüber hinaus werden Börsianer am 4. Januar die Worte in den Protokollen der Fed-Sitzung vom Dezember auf die Goldwaage legen, weil sie sich von ihnen Einsichten in die Entscheidungsfindung des Führungsgremiums der Zentralbank erhoffen. In der Schweiz steht am 28. Dezember noch der UBS-Konsumindikator für November auf dem Programm.

Politik wird Börsen 2017 wohl bremsen

Für das Börsenjahr 2017 müssen sich Anleger nach Einschätzung von Experten allerdings auf magere Kursgewinne einstellen. Sie sehen die Börsen in zwölf Monaten auf dem aktuellen Niveau. Gegenwind drohe durch mögliche Wahlsiege populistischer und EU-kritischer Kandidaten bei den anstehenden Wahlen in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Ausserdem sei unklar, ob US-Präsident Trump den erhofften Wirtschaftsboom auslösen könne.

Ein weiterer Risikofaktor sei der Brexit. "Die Attraktivität Grossbritanniens für ausländische Investoren lässt mit dem Wegfall des privilegierten Zugangs zum europäischen Binnenmarkt nach", betont Analyst David Kohl von der Bank Julius Bär. "Mit dem voraussichtlichen Einläuten der Brexit-Verhandlungen im März werden Anleger die Fakten nochmals neu bewerten."

(Reuters)