Börsen-Talk: «Die Wüste wurde durchschritten»

Laut cash-Guru Alfred Herbert sind die Voraussetzungen für ein weiteres gutes Börsenjahr gegeben, wie er im cash-Börsen-Talk sagt. Doch die Gefahrenherde bleiben gross. Und er verteilt ein Weihnachtsgeschenk an die SNB.
22.12.2012 07:45
Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk.
Bild: cash

Eine richtig satte Jahresendrally war es nicht, welche der Swiss Market Index in diesem Jahr hingelegt hat. Das Plus seit Anfang Dezember beträgt etwa 1 Prozent, die Performance in den letzten 30 Tagen immerhin etwas über 4 Prozent. 

Es passiert oft, dass sich Dezember-Kursanstiege von Leitindizes bis weit in den Januar verlängern. Das könnte auch jetzt passieren, sagt cash-Guru Alfred Herbert. "Es ist kein Gesetz, aber sehr gut möglich, dass die Börse im Januar nochmals galoppiert", so Herbert im letzten cash-Börsen-Talk des Jahres 2012. Doch die grosse Gefahr bleibt nach wie vor der "Fiscal Cliff in den USA.

Sollten die Republikaner und Demokraten im US-Kongress keine Einigung im Haushaltsstreit erzielen, drohen zum Jahreswechsel automatische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Volumen von etwa 600 Milliarden Dollar. Experten befürchten, dass die konsumabhängige US-Wirtschaft damit in eine Rezession gestürzt werden könnte. 

Herbert glaubt nicht, dass der Einfluss des "Fiscal Cliff" von den Märkten überschätzt wird. "Das ist eine echte Gefahr. Aber es wird sicher einen Kompromiss geben, bei welchem keiner das kriegt, was er am Anfang gewünscht hatte". 

Applaus für die SNB

Herbert ist relativ optimistisch für den Verlauf der Börsen im nächsten Jahr. Konjunkturell sei zwar noch kein Boom in Sicht, "aber die Wüste wurde durchschritten". Im Euroraum habe es durch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) zudem eine erhebliche Erleichterung gegeben. Doch "die Gefahr besteht immer, dass der Einfluss der Politik auf die Börsen wieder zunimmt und dass wir eine politische Börse haben werden", so Herbert.

Die geldpolitischen Massnahmen der Zentralbanken weltweit, insbesondere der EZB, waren Hauptgrund dafür, dass die Börsen in diesem Jahr nach oben schossen. Für den Schweizer Markt sieht Herbert einen weiteren Grund: "Die Schweizerische Nationalbank hat die Einhaltung der Kursuntergrenze brillant durchgezogen. Ich war ja selber einer, der dies angezweifelt hatte. Ich kann da nur sagen: Applaus". 

Die Schweizer Industrie habe den Gürtel enger geschnallt und sich auf die neuen Gegebenheiten eingestellt. Interessant würden dann die Jahresabschlüsse im Frühling, die alle auf der im September 2011 eingeführten Kursuntergrenze basierten. Herbert geht davon aus, dass die Mindestgrenze von 1,20 Franken pro Euro auch im nächsten Jahr Bestand haben wird. 

Etwas positiver als in den letzten sechs Jahren beurteilt der cash-Guru die Entwicklung der Banken. "Sie machen sich", urteilt Herbert. Dennoch sind die Institute für ihn noch kein Investment wert. "Sie haben noch für Jahre einen steinigen Weg vor sich." Und gerade mit Blick auf die UBS sagt er: "Ich will keine Aktien von Unternehmen, die rechts und links gebüsst werden". Banken wie die UBS müssten mit Sammelklagen rechnen und sind "von den Behörden als Honigtopf entdeckt worden". 

Im Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert detailliert zur Entwicklung der Börsen und den Leitzinsen.

Hinweis: Der nächste cash-Börsen-Talk erscheint am 11. Januar 2013.