Börsen-Talk: «Exportwerte sind die Fed-Profiteure»

Die unverändert lockere Geldpolitik der USA ist vor allem für die Aktien von Schweizer Exportwerten positiv, sagt cash-Guru Alfred Herbert im cash-Börsen-Talk. Und sein Optimismus für Edelmetalle bleibt ungebrochen.
20.09.2013 10:31
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im jüngsten cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Die Antwort der Börsen war klar. Noch am Mittwochabend, als die US-Notenbank überraschend die Weiterführung ihrer ultralockeren Geldpolitik bekanntgab, stiegen sowohl der US-Leitindex Dow Jones wie auch der breiter gefasste S&P-500-Index auf Rekordhöhen. Auch andere wichtigen Börsenplätze konnten zulegen. Die Aussicht auf eine ungebremste Fortsetzung der Fed-Wertpapierkäufe gab auch Anleihekursen und den Preisen zahlreicher Rohstoffe Auftrieb.

Allerdings waren die Börsen-Zuwächse nicht überwältigend hoch, und am Donnerstag wich die Freude im Lauf des Tages schon wieder einer gewissen Nüchternheit. Für cash-Guru Alfred Herbert kam der Fed-Entscheid zwar ebenfalls überraschend, das Abflauen der Anleger-Euphorie hingegen nicht. "Die nervösen Börsen gehen weiter", prophezeit Herbert im cash-Börsen-Talk. Er sieht mittelfristig kaum nachhaltig steigende Börsen.

Warum? Einerseits sei der Fed-Entscheid bloss verschoben, aber nicht aufgehoben worden. Es werde nun weiterhin jeden Monat vor einer Sitzung der US-Notenbank gerätselt werden, ob die Zentralbank nun die Ankäufe von langfristigen Staatsanleihen und mit Hypotheken besicherten Wertpapieren im Wert von monatlich 85 Milliarden US-Dollar nun drosseln werde oder nicht. Das sorge für Unsicherheit.

"Der Geld-Tsunami läuft weiter"

Herbert gibt andererseits auch zu bedenken: "Der Geld-Tsunami läuft weiter, aber die Investoren beginnen langsam, vermehrt auf die wirtschaftlichen Fakten zu achten." Nach wie vor steht die Arbeitslosenzahl mit 7,3 Prozent auf einem hohen Niveau. Die Fed sieht offenbar selber die Konjunkturaussichten zu trübe, um ihren Geldhahn schon zuzudrehen.

Die hohe US-Verschuldung ist zudem seit dieser Woche wieder ein grosses Thema. Den USA droht nach Einschätzung der Haushaltsbehörde des Kongresses zwischen Ende Oktober und Mitte November die Zahlungsunfähigkeit, sollte das Parlament keiner Erhöhung der Schuldenobergrenze zustimmen.

Die Volatilität an den Börsen, so Herbert, "ist zwar gut für Trader, nicht aber für Anleger". Denn für Anleger sei die Volatilität ein "Quell der Irritationen". Herbert ändert seine vor drei Wochen im Börsen-Talk geäusserte Meinung nicht, dass es für die Börsen einen heissen Herbst gebe.

Auch fünf Jahre nach dem Lehman-Kollaps und bei einem seit langem anhaltenden Aufwärtsdrall der Aktien will Herbert nichts von Grossbankentiteln wissen. "Die Probleme der Banken sind noch lange nicht gelöst", so Herbert. Die Gründe: Neue Vorschriften und Regulierungen, die magere Ertragslage wegen des Tiefzinsumfelds, dann auch die anhaltenden Bussen. "Das geht alles zu Lasten der Anleger."

Dass heisst aber nicht, dass man Aktien aus den Augen verlieren sollte. Bei den Titeln des Swiss Market Index steht Herbert auf Titel von Unternehmen, die in einer Nische mit grossem Wachstum tätig sind. Als Beispiele nennt er SGS und Givaudan. Die Aktie des Aroma- und Duftstoffherstellers lag Ende 2011 noch auf einem Niveau von 700 Franken, heute ist es fast das Doppelte.

Exportwerte profitieren

Desweiteren dürfte die anhaltende Tiefzinspolitik auch die Schweizer Exporte befeuern. "Profiteure des billigen Geldes sind in der Schweiz die Exportwerte. Sie haben eine Absicherung bei 1,20 Franken pro Euro, und sie können sich nebenbei billig finanzieren." Unternehmen mit traditionell hohem Exportanteil kommen aus der Pharma-, der Lebensmittel- und der Uhrenbranche.

Weiter positiv ist Herbert für Edelmetalle gestimmt, trotz des zwischenzeitlichen Abfalles des Goldpreises Anfang Woche auf das tiefste Niveau seit über zwei Monaten. Der cash-Guru, vor allem ein Silber-Fan, sieht, dass die Gold-Nachfrage in Asien, speziell in Indien und in China, weiterhin vorhanden ist. Dies gebe eine breite Absicherung nach unten.

Auf den Goldpreis, der nach dem Fed-Entscheid am Mittwoch wieder anzog, drückt allerdings auch die jüngste Steuererhöhung Indiens auf den Import von Gold. Am Dienstag erhöhte die indische Zentralbank den Einfuhrzoll für Goldschmuck auf 15 Prozent. Damit wird nicht nur der Import gedämpft. Zugleich wollen die Behörden die heimischen Juweliere schützen.

Langfristig könnte sich der Goldpreis laut Goldman Sachs jedoch auf der Höhe der Produktionskosten grösserer Goldproduzenten bei 1200 Dollar die Unze stabilisieren. Mittelfristig könnte der aber bald unter 1000 Dollar die Unze fallen.