Börsen-Talk: «Nun auf defensive Aktien setzen»

Die plötzliche Korrektur an den Aktienmärkten ist kein Grund zum Aussteigen, sagt Thomas Steinemann. Der Anlagechef der Bellerive Bank äussert sich im cash-Börsen-Talk zu den Gründen und nennt seine bevorzugten Titel.
25.05.2013 04:05
Von Pascal Meisser
Bellerive-Anlagechef Thomas Steinemann bevorzugt zurzeit defensive Aktien.
Bild: cash

Die Nervosität der Börsianer ist seit Donnerstag wieder deutlich in die Höhe geschnellt. In der Schweiz ist das Angstbarometer VSMI nach dem scharfen Kursrückgang des Swiss Market Index auf den höchsten Stand seit letztem September geklettert.

"Überraschend war nicht der Zeitpunkt, sondern das Ausmass dieser Korrektur", sagt Thomas Steinemann im cash-Börsen-Talk. Allerdings müsse man diese in Relation zum vorgängigen Aufwärtsdrang der Aktien sehen. "Im Mai sind die Aktienmärkte heiss gelaufen, auch in der Schweiz. Da sind solche Zwischenkorrekturen in erster Linie gesund", sagt der Anlagechef der Bellerive Bank. Selbst eine Korrektur von zehn Prozent dürfe die Investoren nicht erschrecken, so Steinemann.

Für ihn stelle sich deshalb nicht die Frage nach einem Ausstieg, sondern vor allem jene, bei welchen Aktien Investoren einsteigen und wo sie sogar noch aufstocken sollen. "Die expansive Geldpolitik der Notenbanken und der andauernde Anlagenotstand werden die Märkte auch in den kommenden Monaten nach oben treiben", sagt Steinemann.

Defensive Bluechips-Aktien werden profitieren

Viele Anleger hätten seit Monaten vergebens auf eine grössere Korrektur gewartet. "Gut möglich, dass nun die breite Masse endlich einsteigt", sagt der Anlagechef der Bellerive Bank. Aber nicht nur die privaten Anleger haben die Rally der letzten Monate grösstenteils verpasst, sondern auch verschiedene grosse Investoren. Gemäss Steinemann fahren Versicherungen noch immer eine tiefe Aktienquote. Eine Erhöhung sei nicht auszuschliessen.

Vom Geldzufluss werden vor allem Aktien von grosskapitalisierten Unternehmen profitieren. Und solange sich an der konjunkturellen Front keine Wende zum Besseren abzeichnet, empfiehlt Steinemann die defensiven Schwergewichte Roche, Novartis oder Nestle - selbst wenn diese nach der monatelangen Rally teuer geworden sind. Roche und Nestle sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2013 von fast 19 bewertet, nur Novartis ist mit einem KGV von 15 deutlich günstiger. Für einen Einstieg in Zykliker und Small-Caps ist es laut Steinemann angesichts der derzeitigen Wirtschaftsnachrichten, die bestenfalls auf eine konjunkturelle Beruhigung hindeuten, noch zu früh.

Die Titel der beiden Pharmaunternehmen Roche und Novartis sind mit ihren Kursgewinnen massgeblich daran beteiligt, dass der Swiss Market Index seit Januar 20 Prozent im Plus liegt und damit europaweit bester Börsenplatz ist. Alleine der Roche-Genussschein hat in diesem Jahr fast 40 Prozent zugelegt. Der Bon ist damit nicht nur bester SMI-Titel, sondern notiert auf Allzeithoch. 

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Steinemann zudem zum nach wie vor verhaltenen Anleger-Sentiment und sagt, wieso Deflation für Anleger das grössere Risiko sei als Inflation.