Börsen-Talk: «Wir haben die Aktienquote reduziert»

Die Bank Sarasin glaubt an fallende Märkte für das Restjahr und realisierte kürzlich Aktien-Gewinne, wie Chefstratege Philipp Bärtschi im cash-Börsen-Talk sagt. Die Statistik der letzten drei Börsenjahre spricht dafür.
12.04.2013 01:00
Von Daniel Hügli
Philipp Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin, im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Die Aktienmärkte weltweit haussieren weiter - auch ausserhalb Europas. In Japan stieg der Leitindex Nikkei diese Woche auf dem höchsten Stand seit Juli 2008. In den USA erreichten die Indizes Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 neue Höchststände. Auch der Swiss Market Index (SMI) ist wieder in Form. Nach einem kurzen Absacker zu Monatsbeginn erholte sich der Schweizer Leitindex im Wochenverlauf und zielt wieder in Richtung der 8000-Punkte-Marke.

Philipp Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin, tritt indes als Warner auf den Plan. Zwar könne der SMI im April durchaus die Marke von 8000 Punkten knacken. "Doch die nächste Bewegung an den Börsen im Rahmen zwischen fünf und zehn Prozent wird eher nach unten gehen", prophezeit Bärtschi im cash-Börsen-Talk.

Die Bank Sarasin sieht das zweite Quartal denn auch als Übergangsquartal, weil die globale Konjunktur eine Zenitbildung erreiche. "Dann korrigieren in der Regel auch die Börsen", so Bärtschi. In den letzten Wochen habe es bereits einige negative Wirtschaftsdaten gegeben wie zum Beispiel der deutsche Ifo-Index. Nach zuletzt vier Anstiegen in Folge ging der Geschäftsklimaindex im März überraschend von 107,4 auf 106,7 Punkte zurück.

Das Negativ-Szenario der Bank Sarasin für die Börsen hat durchaus statistische Fundamente. So haben Aktien seit 2010 weltweit im dritten Quartal durchschnittlich 5,2 Prozent verloren, wie Bloomberg-Daten zeigen. "Wir glauben in diesem Jahr an ein ähnliches Muster", sagt Bärtschi. "Es könnte sich lohnen, in diesem Quartal Gewinne mitzunehmen. Wir selber haben in der letzten Woche die Aktienquote reduziert und Gewinne mitgenommen", verrät Bärtschi.

Tiefere Kurse bis Jahresende

Damit nicht genug. Schon vor einigen Wochen veröffentlichte die Bank Sarasin eine Studie, wonach der Schweizer Leitindex das Jahr unter 7'000 Punkten beenden wird. Das Szenario gründe auf einer Wachstumsverlangsamung in der zweiten Jahreshälfte. Auch für die übrigen Aktienmärkte sieht die Bank gegen Ende Jahr tiefere Kurse.

Bärtschi empfiehlt Anlegern, defensive Werte wie Roche, Novartis oder Nestle zu halten, obwohl auch diese Aktien in den letzten Monaten massiv zulegen konnten. "Solche Werte sollte man eigentlich nie verkaufen, ausser die Zentralbanken erhöhen die Zinsen. Doch davon sind wir wohl noch einige Jahre entfernt".

Attraktiv seien auch grosskapitalisierte Versicherungsaktien, da diese über ein stabiles operatives Geschäft verfügten, eine hohe Dividendenrendite hätten und relativ tief bewertet seien, so Bärtschi weiter. Von zyklischen Werten gerade im Swiss Performance Index rät Bärtschi für das zweite Halbjahr ab.

Der Chefstratege hat aber auch eine gute Nachricht: Die zuletzt weltweit ergriffenen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen, die sich in einer finanziellen Repression ausdrückten, könnten den SMI in zwei Jahren in Richtung 10'000 Punkte hieven. 

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