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«Börsen würgen sich weiter empor»

Trotz eines verbreiteten Unbehagens über die Rekordjagd der Börsen glaubt cash-Guru Alfred Herbert an weiter steigende Kurse, wie er im cash-Börsen-Talk sagt. Er empfiehlt einen zuletzt gebeutelten SMI-Titel.
29.11.2013 16:00
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk.
Bild: cash

Neue Börsenrekordstände in Deutschland, neue Aktienhochs in den USA - bloss die Schweiz will nicht so recht auf den Zug aufspringen. Der Swiss Market Index (SMI) hat in den letzten acht Handelstagen einen Verlust von fast zwei Prozent hinnehmen müssen. Dies ausgerechnet in einer Zeit, in welcher die Anleger auf eine Jahresendrally hoffen.

Für cash-Guru Alfred Herbert hat die Zeit des "Window Dressings", auf welcher die Jahresendrallyes beruhen und in der Fondsmanager ihre Portfolios bereinigen, sowieso an Bedeutung verloren. Und unabhängig davon glaubt er, dass die Aktienmärkte weiter steigen werden. "Wir haben zwar weiterhin politische Börsen", sagt Herbert im cash-Börsen-Talk. "Falls auf politischer Ebene aber nicht zu viel passiert, werden sich die Börsen wohl noch weiter hinaufwürgen".

Herbert begründet seine Meinung mit der Politik der US-Notenbank. Diese kauft derzeit weiterhin Anleihen im Wert von 85 Milliarden US-Dollar im Monat. Die Fed hatte dieses dritte Anleihekaufprogramm (QE3) im Dezember 2012 beschlossen. Im Mai hatte aber Fed-Chef Ben Bernanke zum ersten Mal angedeutet, dass die Federal Reserve das Programm herunterfahren könnte - was prompt zu Kursstürzen an den Aktienmärkte führte.

Seither wird pausenlos gerätselt, wann die Fed mit dem Rückzug beginnen könnte. Noch im September hatte die US-Notenbank einen ersten Schritt zur Verminderung der Käufe in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Dies scheint aber nach dem amerikanischen Budgetstreit und der voraussichtlichen Wahl der Bernanke-Nachfolgerin Janet Yellen, einer erklärten Anhängerin einer sehr lockeren Geldpolitik, aber eher unwahrscheinlich. "Bernanke und Yellen wissen wahrscheinlich selber nicht, wann sie das Anleiherückkaufprogramm herunterfahren sollen", so Herbert.

Mahnung von Investoren

Wegen des deftigen Anstiegs der Börsen seit Mitte 2012 warnen aber immer mehr Börsenexperten von einem Rückschlag. So sprach Laurence Fink, Chef des weltweit grössten Vermögensverwalters Blackrock, auf einer Konferenz von einer Rückkehr "blasenartiger Märkte". Als Beispiel führte er die gemäss eigenen Aussagen "übereifrigen Kursgewinne" von Aktien an. Und der als aggressiver Investor bekannte Carl Icahn sagte kürzlich: "Ich bin derzeit vorsichtig bei Aktien. Dieser Markt könnte locker stark abstürzen".

Der starke Anstieg der Schweizer Börse hinterliess auch im hiesigen Leitindex SMI fast nur Gewinner-Aktien. Allerdings gab es auch negative Überraschungen. So endete der Höhenflug der Syngenta-Aktie, die sich von Ende 2011 bis Anfang 2013 fast verdoppelt hatte, im Januar dieses Jahres abrupt. 2013 steht die Performance bei minus 3 Prozent, die Aktie befindet sich beinahe auf dem tiefsten Stand seit zwölf Monaten.

"Syngenta war lange Zeit Liebling der Anleger. Das Problem des Saatgutherstellers waren nun die grossen Dürren in Brasilien, Argentinien und anderen Orten. Das hat die Aktie zurückgeworfen", sagt Herbert. Zu unrecht, wie er meint. "Wer bei Syngenta langfristig dabei sein will, ist mit einem Kauf der Aktie gut bedient. Ich höre auch aus dem Handel, dass institutionelle Anleger auf dem Niveau von heute wieder zukaufen."

Treue bei Schmolz+Bickenbach

Ein anderer Tipp von Herbert bei seinem letzten Besuch im cash-Börsen-Talk vor vier Wochen ist die Aktie von Schmolz+Bickenbach. Der Titel des gebeutelten Stahlherstellers musste in der Zwischenzeit aber einen herben Taucher verkraften. Die Drittquartalszahlen, die letzte Woche veröffentlicht wurden, goutierten die Anleger gar nicht. Schmolz erzielte weniger Umsatz, das Reinergebnis bleibt tief rot, der Ausblick auf das Gesamtjahr musste gesenkt werden.

Die Aktie von Schmolz+Bickenbach notierte nach der Kapitalerhöhung Ende des vorletzten Monats auf dem Niveau von unter einem Franken, stieg dann bis 1,31 Franken und notiert derzeit wieder bei 1,14 Franken. Die Gründerfamilie des Unternehmens hält nach der Kapitalerhöhung rund 15 Prozent des Kapitals, Renova - die Beteiligungsgesellschaft von Viktor Vekselberg - rund 26 Prozent. Die beiden Parteien sind durch einen Aktionärsbindungsvertrag liiert.

"Ich bin immer noch totaler Fan dieser Aktie", wirft Herbert im cash-Börsen-Talk ein. "Ich bin überzeugt, dass sich der Titel in zwei Jahren verdoppeln wird." Herbert geht davon aus, dass das vierte Quartal bei Schmolz auch "grauenhaft rot" sein wird. "Aber was kann man besseres machen, als im alten Jahr noch aufzuräumen und Werte abschreiben?" Gerade bei einer Aktie wie Schmolz+Bickenbach sei es "sinn- und brotlos, wenn man jeden Tag den Aktienkurs anschaut", so Herbert.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Herbert auch zu den Aktien von Novartis und zur Entwicklung des Goldpreises.