Börsenstar klettert von Rekord zu Rekord

In diesem Jahr stellt die Cosmo-Aktie an der Schweizer Börse alle anderen Titel in den Schatten. Am Mittwoch kommen die Halbjahreszahlen - und die dürften die Aktie auf ein neues Rekordhoch hieven.
30.07.2013 00:50
Von Pascal Meisser
Ein Blick ins Cosmo-Forschungslaber in Lainate bei Mailand.
Ein Blick ins Cosmo-Forschungslaber in Lainate bei Mailand.
Bild: ZVG

Cosmo entpuppt sich immer mehr zur Goldgrube für mutige Anleger. Wer Anfang des letzten Jahres Aktien des an der SIX Swiss Exchange kotierten Mailänder Pharma-Unternehmens investiert hatte, konnte sein Kapital in der Zwischenzeit beinahe verdreifachen. Und selbst wer erst verspätet auf diesen Zug aufgesprungen ist, strich bislang satte Buchgewinne ein. Alleine zwischen Januar 2013 und heute haben die Aktien ihren Wert mehr als verdoppelt.

Dieser Kurssprung hat nicht nur die Bewertung der Aktie auf ein stolzes Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2014 von 37 getrieben, sondern auch die Börsenkapitalisierung des Unternehmens an die Milliarden-Marke gerückt. Damit wird Cosmo von der Börse wertvoller eingestuft als beispielsweise der Versicherer Nationale Suisse, die Genfer Kantonalbank oder die Baufirma Implenia.

Klettert die Kapitalisierung über eine Milliarde Franken, rückt der Titel auch vermehrt in den Fokus internationaler Fondsmanager - was wiederum dem Aktienkurs zusätzlichen Auftrieb verleihen würde. Positiv zu werten ist auch, dass das Management selbst 50 Prozent aller Aktien hält.

Die Milliarden-Marke könnte bereits an diesem Mittwoch fallen, wenn der Finanzchef von Cosmo, Chris Tanner, über das erste Halbjahr berichtet. Jefferies-Analyst Peter Welford, der als einer von wenigen seiner Zunft die Aktie überhaupt abdeckt, rechnet für das Gesamtjahr 2013 mit einem Umsatz von 57 Millionen Euro und einem Ebit von 17 Millionen Euro. Die firmeneigene Prognose geht von 67 Millionen Euro Umsatz und 31 Millionen Euro Betriebsgewinn aus. Im Mai stellte Tanner allerdings ein besseres Ergebnis in Aussicht. Die operativen Geschäfte würden besser laufen als geplant, sagte er gegenüber der Finanz und Wirtschaft.

Vergebliche Hoffnung auf Kurskorrektur

Die Anleger gehen offenbar davon aus, dass die Ergebnisse über den Erwartungen ausfallen werden. Bereits am Montag zieht der Aktienkurs um über 4 Prozent auf ein neues Allzeithoch bei 69,90 Franken an. Wer in den vergangenen Monaten auf eine Korrektur innerhalb des steilen Kursanstiegs gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Abgesehen von kurzen Konsolidierungsphasen zog der Titel unentwegt nordwärts. Marktbeobachter gehen allerdings davon aus, dass sich der Anstieg in den nächsten Monaten etwas abflachen wird, da der Nachrichtenfluss im zweiten Semester deutlich abebben dürfte.

Treiber des Aktienkurses ist das Medikament Uceris, das gegen die chronische Darmerkrankung Colitis ulcerosa eingesetzt wird. Alleine in Deutschland sind von dieser Krankheit rund 168'000 Personen betroffen. Weltgesundheitsorganisationen gehen davon aus, dass insbesondere in Schwellenländern die Zahl der Erkrankungen in den nächsten Jahren noch zunehmen wird, während in Europa die Entwicklung stagniert. Seit Mitte Januar ist die Gesellschaft im Besitz einer US-Zulassung für Uceris.

Cosmo selber sieht für dieses Medikament ein Umsatzpotenzial im hohen zweistelligen Millionenbereich. Im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten setzt das italienische Pharmaunternehmen auf die Eigenentwicklung MMX. Diese ermöglicht dank verlangsamter Tablettenauflösung, dass die Wirkstoffe nicht bereits im Magen, sondern erst im Darm aufgenommen werden.

Erprobte Technologie

Diese Technologie der verzögerten Freisetzung von Wirkstoffen setzt Cosmo bereits seit mehreren Jahren erfolgreich bei anderen Medikamenten ein. So ist ein erstes Präparat gegen Darmkrankheiten seit 2007 unter der Bezeichnung Lialda auf dem Markt. Vertrieben wird dieses Produkt vom irischen Partner Shire, wobei Cosmo eine Umsatzbeteiligung von 90 Millionen Dollar erhält. Gemäss Analysten dürfte deshalb dem Pharma-Unternehmen ab 2015 kein Geld mehr zufliessen.

Ein noch grösseres Potenzial weist eine andere Anwendung der MMX-Technolgie auf, und zwar im Bereich der Darmspiegelungen. Cosmo geht von jährlich 200 Millionen Darmspiegelungen aus, sofern jeder über 50-Jährige alle fünf Jahre eine solche Spiegelung über sich ergehen lässt. Der Vorteil der Cosmo-Technologie besteht darin, dass nicht wie bisher der Darm mit einem Katheter mit Meythlen-Blau eingefärbt wird, sondern mittels einer blau färbenden Tablette. Zugleich reduziert sich der Zeitaufwand um die Hälfte auf 15 Minuten. Allerdings ist dieses Verfahren noch nicht auslizenziert. Cosmo wird die Phase-III-Versuche in eigener Regie durchführen.

Trotz der günstigen Aussichten ist ein Engagement in diesem Titel mit überdurchschnitttlichen Risiken verbunden. Sollten die Umsatz- und Gewinnerwartungen verpasst werden, sind grössere Kursverluste möglich. Ein Einstieg ist deshalb Anlegern empfohlen, die mit dem entsprechenden Risikoprofil umgehen können.