Bossard-CEO David Dean - «Tesla ist eine Klumpenchance»

Bossard legt für 2016 ein Rekordergebnis vor – auch dank der Zusammenarbeit mit Tesla. Wie geht diese Kooperation weiter, und wie gestaltet Bossard seine Dividendenpolitik? Antworten von CEO David Dean im cash-Interview.
08.03.2017 12:08
Von Ivo Ruch
Bossard-CEO David Dean im Gespräch mit cash.
Bild: cash

15 Prozent mehr Reingewinn, 6 Prozent mehr Umsatz: Der Schraubenhändler und Logistikspezialist Bossard hat ein Rekordjahr hinter sich. Massgeblich daran beteiligt war der amerikanische Absatzmarkt, insbesondere der Elektroauto-Hersteller Tesla. Der Tesla-Anteil im Bossard-Umsatz beträgt im abgelaufenen Geschäftsjahr 47 Millionen Franken. Das sind knapp 7 Prozent des Gesamtumsatzes.

Zwar konnte Tesla unlängst seinen Verlust halbieren, doch es gibt etliche Stimmen, welche die Zukunft des Konzerns kritisch sehen. Kommt der Elektroauto-Markt erst richtig in Fahrt, so die Vermutung, werden etablierte Hersteller Tesla verdrängen. Ist Tesla für Bossard also zum Klumpenrisiko geworden?

Bossard-CEO David Dean verneint: "Tesla ist eine Klumpenchance. Tatsache ist, dass sie rekordhohe Bestellungen für ihre Fahrzeuge haben." Tesla sei Vorreiter im Elektroauto-Markt und habe drei Milliarden Bargeld in der Bilanz, sagt er im Video-Interview mit cash im Anschluss an die Medienorientierung von Bossard am Mittwoch in Zürich.

Nächstes Grossprojekt ist die Produktion des Tesla Model 3. Man sei auf Kurs, die Produktion des ersten Mittelklasse-Stromers im Juli anlaufen zu lassen, teilte das Unternehmen des Tech-Milliardärs Elon Musk kürzlich mit. Auf den Markt kommen soll der Kompakt-Tesla dann Mitte 2018. Auch für dieses Modell wird Bossard wieder zu den Zulieferern gehören.

Weitere Dividendenerhöhungen in Sicht?

Aufgrund des erfolgreichen Zahlensets im Geschäftjahr 2016 schlägt Bossard eine Dividendenerhöhung um 10 Prozent auf 3,30 Franken vor. Bleibt Bossard in der Erfolgsspur liegen solche Erhöhungen auch in Zukunft drin. "Wir verfolgen eine Ausschüttungsquote von 40 Prozent des Konzerngewinns. Solange dieser steigt, wächst auch die Dividende", so David Dean. Die Logik dahinter sei, dass so ein jährliches Wachstum von 7 Prozent möglich sei, ohne die Bilanzrelationen zu verändern."

Ein wichtiger Wachstumstreiber von Bossard sind Zukäufe. Der Zuger Konzern ist immer wieder in der Lage, die eigene Rentabilität durch Akquisitionen zu steigern. Zuletzt baute Bossard durch die Übernahme von Arnold Industries seine Präsenz in den USA aus. Das soll so weitergehen. "Wir wollen weiter wachsen mit Akquisitionen", sagt Dean. Das Wachstum solle sich zu einem Drittel aus Zukäufen und zwei Dritteln aus organischem Wachstum zusammensetzen. "Wir halte Augen und Ohren offen, für Möglichkeiten, die passen."

Bossard-Aktie steigt weiter

Mit den aktuellen Geschäftszahlen kommt Bossard an der Börse gut an. Die Aktie steigt am Mittwoch um mehr als 2,5 Prozent auf bis zu 180 Franken. Das ist ein neues Allzeithoch und im laufenden Jahr ein Plus von 24 Prozent. Allerdings hat die Beliebtheit unter Anlegern dafür gesorgt, dass die Bossard-Aktie nicht mehr ganz günstig ist. Für das laufende Geschäftsjahr wird der Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 bewertet.

Ist da bereits zu viel Erwartung im Aktienkurs eingepreist? "Wenn jemand nachhaltig und langfristig denkt, dann ist er bei Bossard auch auf diesem Niveau am richtigen Ort.", sagt Dean, der seit 2005 Gruppen-CEO von Bossard ist.