Branchenkenner fordert radikale Veränderungen bei Apple

Ein bekannter Technologieanalyst übt überraschend Kritik am Geschäftsmodell von Apple. Nur wenn dieses grundlegend überdenkt wird, sieht er das Kultunternehmen wieder zu Wachstum zurückfinden.
19.12.2016 08:23
Von Lorenz Burkhalter
Kann Apple an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen? Im Bild: Konzernchef Tim Cook.
Kann Apple an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen? Im Bild: Konzernchef Tim Cook.
Bild: Bloomberg

Der für Piper Jaffray tätige Technologieanalyst gilt als ein profunder Branchenkenner. Berühmt wurde der Experte insbesondere mit seiner Kaufempfehlung für die Aktie von Apple, als noch kaum jemand an ein Comeback des kultigen amerikanischen Unternehmens aus dem kalifornischen Cupertino glaubte.

Bevor er seinen langjährigen Arbeitgeber nun verlässt um einen eigenen Risikokapital-Fonds zu gründen, schlägt der Analyst in einer letzten Unternehmensstudie überraschend kritische Töne an. Er sieht die Erfolgsgeschichte von Apple nur dann eine Fortsetzung nehmen, wenn der Hersteller von Smartphones und Tablet-PCs sein Geschäftsmodell grundlegend überdenkt und an die neuen Gegebenheiten anpasst.

Radikale Veränderungen gefordert

Tatsächlich bekundet das Kultunternehmen nach wachstumsreichen Jahren sichtlich Mühe. Erst Ende Oktober musste es erstmals seit langer Zeit einen gegenüber dem Vorjahr rückläufigen Quartalsumsatz einräumen. Im Schlussquartal des am 30. September beendeten Fiskaljahres 2016 erzielte Apple einen Umsatz von 46,9 Milliarden Dollar und konnte den Analystenerwartungen damit knapp gerecht werden. Im Jahresvergleich resultiert damit ein Rückgang um 9 Prozent, gegenüber dem vorangegangenen Quartal sogar einer um 11 Prozent. Folglich tauchte der Kurs der bei vielen Anlegern beliebten Aktie innerhalb weniger Tage um gut 5 Prozent.

Kursseitige Achterbahnfahrt der Apple-Aktie während den letzten 12 Monaten; Quelle: www.cash.ch

Für den Technologieanalyst von Piper Jaffray steht fest: Apple muss dieser Umsatzflaute mit einer grundlegenden Anpassung des Geschäftsmodells entgegentreten, will das Unternehmen an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen. Seines Erachtens liegt die Zukunft des Herstellers von Smartphones und Tablet-PCs im Servicegeschäft.

Apple für Aktienanalysten ein klarer Kauf

Erhebungen der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge trägt dieser Geschäftsbereich trotz eines Wachstums von zuletzt 25 Prozent nur gerade 14 Prozent zum Quartalsumsatz bei. Der Experte rät dem Unternehmen, diesen Anteil über Preisnachlässe auf den Geräten oder aus Geräten und den dazugehörenden Dienstleistungen bestehende Kombinationsangebote auf über 50 Prozent des Umsatzes wachsen zu lassen.

Für die meisten Analysten bleibt Apple ein klarer Kauf. Auf Erhebungen von Factset abgestützt haben 13 von 48 Experten eine starke Kaufempfehlung und 27 zumindest eine Kaufempfehlung für die Aktie ausstehend. Nur gerade 8 Vertreter dieser Berufsgruppe schätzen die Aktie neutral oder gar negativ ein. Mit knapp 132 Dollar liegt das durchschnittliche Kursziel um knapp 14 Prozent über dem Schlussstand vom vergangenen Freitag.

Trotz dieser unmissverständlich optimistischen Haltung wird auch aus dem Aktionariat immer öfter Kritik an Apple laut. Das Kultunternehmen habe an Innovationskraft eingebüsst und habe schon eine ganze Weile nicht mehr mit bahnbrechenden Produktneuheiten aufwarten können, so lautet der Tenor. Apple gelang es bisweilen jedoch immer, den Kritikern mit einer grosszügigen Dividendenpolitik den Wind aus den Segeln zu nehmen - mit Erfolg, wie die zahlreichen Kaufempfehlungen zeigen.