Breite Verkaufswelle an der Schweizer Börse

Der Schweizer Aktienmarkt ist auch am Dienstag von einer breiten Verkaufswelle erfasst worden. Damit setzt der Leitindex SMI den Mitte vergangener Woche eingeleiteten Sinkflug unvermindert fort.
14.06.2016 12:55
Die Aktien der Credit Suisse verlieren am Dienstag weiter an Wert und stehen am Mittag am SMI-Tabellenende.
Die Aktien der Credit Suisse verlieren am Dienstag weiter an Wert und stehen am Mittag am SMI-Tabellenende.
Bild: Bloomberg

Die aufgelaufenen Verluste summieren sich seitdem auf knapp 550 Punkte bzw. etwa 6,5%. Die Ursachen für den Kursrutsch am Dienstag sind die gleichen wie an den vorangegangenen Tagen: "Brexit"-Angst und Unsicherheiten bezüglich der in dieser Woche anstehenden geldpolitischen Entscheide der Notenbanken in den USA am Mittwoch sowie in Japan und der Schweiz am Donnerstag.

Es schienen alle Dämme zu brechen, hiess es im Handel. Charttechnische Widerstände würden förmlich überrannt. Die Kursverluste gehen einher mit einer stark anziehenden Volatilität. So schiesst der hiesige VSMI weiter in die Höhe und notiert auf einem Niveau wie zuletzt im Februar, als die Finanzmärkte ebenfalls im Krisenmodus waren. Im Gegenzug sind sicherheitsversprechende Anlagehäfen wie die Staatsanleihen Deutschlands und der Schweiz gesucht. Auf der Währungsseite ist auch der Schweizer Franken und der japanische Yen bei Investoren momentan sehr begehrt.

SMI fällt unter 7700 Punkte

Der Swiss Market Index (SMI) verliert gegen 12 Uhr 1,33% auf 7'678,69 Punkte. Zwischenzeitlich war der Kurs bis auf 7'663 abgerutscht. Damit rückt das Jahrestief vom Februar bei 7'425 Punkten in den Blick. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst 1,46% auf 1'156,39 Punkte ein und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,33% auf 8'323,94 Punkte. Von den 30 Blue Chips stehen bis auf Galenica alle im roten Bereich.

Einen schweren Stand haben einmal mehr Credit Suisse (-2,6%). In der Vorwoche waren die Titel mit einen Kursrücksetzer von mehr als 7% die grössten Verlierer bei den SMI-Werten. Auch mit Blick auf die bisherige Jahresentwicklung ist die Aktie mit rund -45% das Schlusslicht. Die seit etwa zehn Jahren investierte US-Fondsgesellschaft Harris Associates hat indes ihren Anteil auf über 5% ausgebaut. Dies allerdings vor der jüngsten Kursschwäche. Auch Julius Bär (-2,4%) und UBS (-2,3%) werden von den Anlegern gemieden.

Auch diverse Zykliker wie Richemont (-2,7%), Schindler (-2,4%), LafargeHolcim (-2,0%), Adecco (-1,0%) und Kühne+Nagel (-1,9%) geben klar überdurchschnittlich nach.

Keine Stütze sind die defensiven Schwergewichte Novartis, die den Gesamtmarkt nach Produktnews mit Abgaben von 1,7% erheblich belasten. Das Multiple-Sklerose-Medikament Gilenya der Basler kann in seltenen Fällen progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) auslösen. Das bei MS-Patienten gefürchtete Virus, das das Gehirn zerstören kann, war bislang von offizieller Seite nicht in Zusammenhang mit Gilenya gebracht worden.

Die einzigen Gewinner sind Galenica (+0,2%). Konkrete News liegen zum Titel allerdings nicht vor. Auch die beiden Assekuranzwerte Zurich (-0,2%) und Bâloise (-0,5%) schneiden relativ gut ab.

GAM-Aktien brechen ein

Am breiten Markt fallen die GAM-Aktien nach einer happigen Gewinnwarnung um 17% zurück. Die Vermögensverwalterin stellt für das erste Halbjahr einen Rückgang des operativen Gewinns um ungefähr 50% in Aussicht. In Analystenkreisen werden die Aussagen zur Gewinnentwicklung mehrheitlich überrascht aufgenommen und negativ ausgelegt. Bereits am Vortag hatte der Titel knapp 5% eingebüsst.

Im Blick sind nach einer Grossübernahme auch die Aktien des Innerschweizer Industriekonzerns Dätwyler, welche die frühen Verluste auf mittlerweile 2,9% eingedämmt haben. Mit der Akquisition der britischen Premier Farnell wird der Umsatz auf 2,5 Mrd CHF mehr als verdoppelt. Dätwyler bietet 165 Pence in bar für jede Aktie, womit das Unternehmen auf 1,09 Mrd CHF bewertet wird. Ein hoher Preis, heisst es bei der Bank Vontobel. Die strategische Logik der Transaktion wird aber begrüsst.

Zu den wenigen Gewinnern gehören die Titel der VP Bank (+1,9%) nach Angaben zur Geschäftsentwicklung. Sie rechnet für das erste Halbjahr 2016 unter Ausklammerung des im Vorjahr verbuchten positiven Einmaleffekts durch die Integration der Centrum Bank mit einer deutlichen Steigerung des operativen Konzerngewinns.

(AWP)