Brexit fordert erste «Opfer» an der Schweizer Börse

Nach dem Ausstieg Grossbritanniens aus der Europäischen Union hagelt es für die Aktien von Adecco, Credit Suisse, UBS & Co erste Herunterstufungen und Kurszielreduktionen.
27.06.2016 11:51
Von Lorenz Burkhalter
Die Analysten von J.P. Morgan empfehlen die Aktie der Credit Suisse neuerdings unmissverständlich zum Verkauf.
Die Analysten von J.P. Morgan empfehlen die Aktie der Credit Suisse neuerdings unmissverständlich zum Verkauf.
Bild: cash

Auch zu Wochenbeginn herrscht nach dem Brexit Katerstimmung an den europäischen Aktienmärkten. Mit einem Minus von 0,7 Prozent kommt der Swiss Market Index (SMI) allerdings noch gut davon.

Wie schon am Freitag haben vor allem die Aktien von UBS und Credit Suisse Kursverluste zu beklagen. Öl ins Feuer giessen die Strategen von Barclays. Die steigenden politischen Risiken veranlassen sie zu einer Herunterstufung des europäischen Bankensektors von "Übergewichten" auf "Neutral". Der Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union werde die heute schon schwache Ertragslage weiter schmälern, so warnen sie.

Aufgrund der starken Eigenkapitalbasis zählen die Experten die UBS-Aktie aber zu den Sektorfavoriten.

UBS und Credit Suisse mit einem schweren Stand

Noch einen Schritt weiter gehen die Berufskollegen der Credit Suisse. Sie senken nicht nur die Bankaktien, sondern sämtliche Finanzwerte von "Positiv" auf "Neutral". Im Gegenzug heben sie den als weitestgehend konjunkturunabhängig geltenden Gesundheitssektor von "Neutral" auf "Positiv" an.

J.P. Morgan nimmt im europäischen Bankensektor die Herunterstufungen gezielt vor. Die Aktie der Credit Suisse empfehlen die Amerikaner neuerdings mit "Untergewichten" und einem Kursziel von 11 (15) Franken zum Verkauf, genauso wie jene der UBS. Das Kursziel für Letztere lautet 13 (16) Franken.

Adecco für hohen Gewinnbeitrag aus Grossbritannien abgestraft

Schon am Freitag hatten die Valoren der beiden Schweizer Grossbanken prozentual zweistellige Kursrückschläge zu verkraften. Seit Anfang Jahr hat die Aktie der UBS gut 30 Prozent. Die der Erzrivalin Credit Suisse notiert mittlerweile sogar knapp 50 Prozent unter dem damaligen Stand. Dennoch rät J.P. Morgan der eigenen Anlagekundschaft, in Julius Bär umzuschichten.

Unter den betroffenen Aktien ist auch Adecco. Der Stellenvermittler erzielt geschätzte 9 Prozent des Jahresgewinns in Grossbritannien. Das veranlasst die Experten von Goldman Sachs nun dazu, ihr Anlageurteil von "Kaufen" auf "Neutral" herunterzustufen. In Erwartung, dass der Brexit 2 bis 3 Prozent an organischem Umsatzwachstum ausradiert, beziffern sie das 12-Monats-Kursziel neu nur noch auf 53 (87) Franken. Auch Adecco büsste am Freitag prozentual zweistellig an Börsenwert ein.

Zyklische Aktien besonders stark betroffen

Schon am Freitag senkte Baader Helvea die Anlageempfehlungen für die beiden Luxusgüterhersteller Swatch Group und Richemont von "Kaufen" auf "Halten". Bei der Swatch Group lautet das Kursziel neu 300 (370) Franken, bei Richemont 60 (67) Franken. Zuvor wurden die beiden Aktien über Monate hinweg zum Kauf empfohlen.

Der Ausstieg Grossbritanniens setze dem sonst schon fragilen Wirtschaftsumfeld weiter zu, so ist sich der verantwortliche Analyst sicher. Zusammen mit dem erstarkten Franken setze das den Westschweizer Luxusgüterherstellern besonders stark zu.

Seine Kollegen aus der Strategieabteilung raten neben den Aktien von Richemont und der Swatch Group aus denselben Gründen auch jene von Arbonia-Forster, Forbo und Zehnder zu meiden.

Einen schweren Stand hat auch LafargeHolcim. Der unangefochtene Weltmarktführer unter den Zementkonzernen erwirtschaftet rund 7 Prozent des Gewinns in Grossbritannien. Ein geringeres Wachstum in diesem Schlüsselmarkt und Währungsturbulenzen könnten ihm deshalb zusetzen. Bisweilen reduziert nur Exane BNP Paribas das Kursziel leicht auf 48 (49) Franken. Die französische Grossbank stuft die Aktie mit "Neutral" ein. Weitere Kurszielsenkungen oder gar Herunterstufungen könnten folgen, so sind sich Händler einig.

Wie Adecco, Richemont oder Swatch Group zählt in der Schweiz auch LafargeHolcim zu den zyklischen, sprich konjunkturabhängigen Unternehmen.