Brexit lastet auf Franken-Euro-Kurs

Der Franken hat sich gegenüber dem Euro in den letzten Tagen deutlich aufgewertet - Brexit «sei Dank».
08.06.2016 11:04
Von Daniel Hügli
Der Franken-Eurokurs rückt wieder in den Fokus der Schweizerischen Nationalbank.
Der Franken-Eurokurs rückt wieder in den Fokus der Schweizerischen Nationalbank.
Bild: Bloomberg

Der Franken notiert seit gestern Dienstag wieder klar unter der Marke von 1,10 pro Euro. Mit einem Eurokurs von derzeit 1,0960 Franken ist die Schweizer Währung so fest wie seit dem 20. April nicht mehr (siehe Chart weiter unten). "Mit ein Grund dürfte die immer mehr ins Zentrum rückende Diskussion um einen möglichen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU sein", schreibt die St. Galler Kantonalbank in einem Anlagekommentar.

Im aufgewerteten Franken, einem traditionellen Anleger-Zufluchtsort in Zeiten von Unruhe an den Märkten, widerspiegelt sich vor allem die Unsicherheit über den Ausgang der Abstimmung, die am 23. Juni über die Bühne geht. 


Kursentwicklung Euro-Franken in den letzten drei Monaten (Quelle: cash.ch)

Die letzten Meinungsumfragen in Grossbritannien sagen den Befürwortern eines Austritts aus der EU einen Vorsprung voraus. Laut einer Gesamtbilanz der letzten sechs Umfragen kämen die Anhänger eines EU-Verbleibs somit auf 51 Prozent, die Gegner auf 49 Prozent. Doch der Ausgang des Referendums wird gemessen an den bisherigen Umfragen bis zum Schluss offen bleiben.

Zentralbanken werden eingreifen müssen

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bleibt im Vorfeld der Abstimmung in Grossbritannien vage, was sie für den Fall einer Zustimmung des EU-Austrittes zu tun gedenkt.

Zur Frage, ob das Instrument der Negativzinsen auf dem aktuellen Niveau ausgereizt sei, dies im Zusammenhang mit einer allfälligen Fluchtbewegung in den Schweizer Franken nach einem möglichen Brexit, meinte SNB-Direktionsmitglied Fritz Zurbrügg am Wochenende in der "Basler Zeitung": "Sie sagen es selber, wir sind mit einem Negativzins von 0,75 Prozent schon sehr weit gegangen. Da es sich beim Negativzins aber um ein neues Instrument handelt, haben wir noch keine Erfahrung, wann und mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist."

Deutlicher ist bei diesem Thema die Europäische Zentralbank: Die EZB ist nach Auskunft von Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau bei einem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union vermutlich zum Handeln gezwungen. Sollten sich die Briten bei dem Referendum dafür entscheiden, die EU zu verlassen, dürfte dies Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen, sagte Villeroy de Galhau am Samstag. Zentralbanken dürften dann zum Einschreiten gezwungen werden, um die Verwerfungen in den Griff zu bekommen.