Brexit-Sorgen halten die Anleger im Klammergriff

Die Brexit-Sorgen werden die Aktionäre auch in der neuen Woche nicht loslassen.
09.07.2016 17:08
Die aufkeimende Krise bei britischen Immobilienfonds werden Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, vor Herausforderungen stellen.
Die aufkeimende Krise bei britischen Immobilienfonds werden Mark Carney, Gouverneur der Bank of England, vor Herausforderungen stellen.
Bild: wef

Zwar prasseln einige Konjunkturdaten, vor allem aus den USA, auf die Finanzmärkte ein. Börsianer glauben aber nicht daran, dass diese von den vielen Baustellen in Europa ablenken können. So fordern in Großbritannien immer mehr Anleger von Immobilienfonds ihr Geld zurück, was die Sorge vor einer Abwärtsspirale nährt. Zudem ist in Italien kein Ende der Kreditkrise der Banken in Sicht.

"Der Brexit bleibt aber das beherrschende Thema", zeigt sich Marktstratege Tobias Basse von der NordLB überzeugt. Anleger sollten sich daher erneut auf stärkere Schwankungen einstellen. In der alten Woche verlor der Swiss Market Index 0,6 Prozent, der Dow Jones gewann 1,1 Prozent, der Nikkei in Japan verlor 3,8 Prozent und der deutsche DAX anderthalb Prozent.

Mit Spannung blicken Investoren am Donnerstag auf die Bank of England (BoE). Es ist das erste Mal, dass die Währungshüter nach dem Votum der Briten für den Ausstieg aus der Europäischen Union zusammenkommen. Sie schlugen bereits vor ein paar Tagen Alarm und warnten vor gravierenden Folgen für die Finanzstabilität des Landes. Die aufkeimende Krise bei britischen Immobilienfonds dürfte BoE-Chef Mark Carney vor zusätzliche Herausforderungen stellen. Die Analysten der DZ Bank halten es für möglich, dass Carney bei der Sitzung am 14. Juli die Zinsen senken wird. Auch das derzeit ruhende Anleihe-Kaufprogramm könne wieder zum Leben erweckt werden.

Basse rechnet dagegen nicht mit einem größeren Zinsschritt. "Die Situation für die britische Notenbank ist ziemlich schwierig." Eine deutliche Zinssenkung könne den Abwärtsdruck beim Pfund Sterling verschärfen, das seit dem Brexit-Votum auf ein neues Rekordtief nach dem anderen rutscht. Zuletzt notierte es knapp unter 1,30 Dollar, so tief wie seit 31 Jahren nicht mehr.

US-Banken kommen mit Quartalszahlen

Mit Argusaugen blicken Börsianer am Freitag auf die andere Seite des Atlantiks. In den USA stehen unter anderem Daten zu den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion im Kalender. "Die Daten dürften zeigen, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal wieder stärker gewachsen ist", schreiben die Ökonomen der Commerzbank in einer Studie. Von Reuters befragte Experten rechnen mit einem leichten Anstieg beider Werte gegenüber dem Vormonat. Im Mai hatten die US-Firmen vor allem wegen schwacher Zahlen von Autobauern ihre Produktion überraschend deutlich gedrosselt. Ebenfalls am Freitag berichtet China als erste große Volkswirtschaft über die Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartals.

Neu gemischt werden könnten die Karten an den Börsen durch den Beginn der Berichtssaison in den USA, deren Auftakt der Aluminiumkonzern Alcoa am Montag macht. Die Großbanken JP Morgan (Donnerstag), Wells Fargo und Citigroup (beide am Freitag) dürften Anleger vor allem auf Einbußen durch das Börsenbeben nach dem Brexit-Votum abklopfen. Zudem steht die Frage im Raum, welche Folgen das Referendum für ihr Geschäft haben wird.

Generell dürften die Quartalszahlen der US-Firmen positiv ausfallen, voraussichtlich aber hinter dem Niveau des Vorjahresquartals zurückbleiben, sagt LBBW-Analyst Uwe Streich. "Dies wäre bereits das vierte Quartal in Folge mit einem negativen Jahreswachstum und dürfte daher kaum dazu geeignet sein, die Anleger zu begeistern." 

(Reuters)