Brexit- und Konjunktursorgen belasten SMI

Die Angst vor den Folgen eines EU-Austritts Grossbritanniens und einer Verlangsamung des Wirtschafswachstums hat die Stimmung an der Schweizer Börse am Donnerstag merklich eingetrübt.
16.06.2016 17:30
Die Aktien von Syngenta legen am Donnerstag gegen den Trend zu.
Die Aktien von Syngenta legen am Donnerstag gegen den Trend zu.
Bild: Bloomberg

Der Leitindex SMI, der am Vortag nach fünf schwachen Tagen noch zu einer leichten Erholung angesetzt hatte, nahm die Talfahrt wieder auf und sank um 0,6 Prozent auf 7632 Punkte.

Die Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) waren wie erwartet ausgefallen. Beide Zentralbanken fahren mit ihrer Politik fort. "Nun steht wieder der Brexit im Fokus", sagte ein Händler. Sollten sich die Briten für einen Austritt aus der EU entscheiden, erwarten Experten ein weltweites Börsenbeben und eine Abkühlung der Weltwirtschaft.

Händler sagten, die Einschätzung der US-Notenbank Fed, wonach das Wirtschaftswachstum etwas schwächer ausfallen könnte und bei einen möglichen EU-Abschied Grossbritanniens zusätzliche Gefahr drohe, habe die Marktteilnehmer erschreckt und zu Verkäufen auf breiter Front geführt.

UBS und CS verlieren

Kurzzeitige Erholungsversuche seien rasch abgeebbt, weil Anschlusskäufe ausblieben. "Die Leute sind nervös. Bis zum Brexit-Referendum in einer Woche wird sich daran nicht viel ändern", sagte ein Händler. Das Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex stieg um 12,5 Prozent auf 31,8 Punkte nahe zu dem im Februar markierten Jahreshoch.

Die Brexit-Angst machte laut Händlern vor allem Banken zu schaffen. Europaweit büssten die Geldhäuser an Wert ein. Der Branchenindex notierte kurzzeitig auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren.

Besonders unter Druck standen die Aktien der Grossbank Credit Suisse. Sie sanken um 1,3 Prozent ab auf 11,45 Franken. Kurzzeitig markierte der Titel ein neues Rekordtief bei 11 Franken. UBS verloren 0,4 Prozent und fanden sich vorübergehend auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren. Nach Einschätzung der SNB müssen die beiden Geldhäuser ihre Verschuldungsquoten (Leverage Ratios) verbessern. Die ab 2020 gültigen regulatorischen Vorgaben erforderten Massnahmen. Beide benötigten zusätzliches Kapital von jeweils rund zehn Milliarden Franken.

Die UBS erklärte, sie stimme einer Reihe von Einschätzungen in dem Stabilitätsbericht nicht zu; der Bericht enthalte allerdings keine relevanten, neuen Erkenntnisse. Die Kapitalpläne der Bank entsprächen den Vorgaben der SNB, nahm die Credit Suisse Stellung.

Die Anteile der Versicherer konnten sich dem Trend nicht entziehen und verbuchten Abschläge von bis zu 2,5 Prozent.

Der Pharmawert Novartis schlossen unverändert, und der Lebensmitteltitel Nestle hielt sich mit einem Minus von 0,4 Prozent knapp besser als der Markt. Roche verloren 0,8 Prozent.

Bei den zyklischen Werten büssten LafargeHolcim 2,4 Prozent ein. Die Titel der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch und der Anteil des Elektrotechnikkonzerns ABB ebenfalls nach.

Syngenta gegen den Trend stärker

Einzig die Aktien von Syngenta trotzten dem Trend und stiegen leicht an. Die Aktien des Pflanzenschutzherstellers würden durch das 43 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot von ChemChina unterstützt, hiess es am Markt.

Am breiten Markt trennten sich Anleger einmal mehr von Papieren, die seit einiger Zeit einen schweren Stand haben. Dazu zählten die Aktien des Solarzulieferers Meyer Burger, der Derivat-Boutique Leonteq und des Nahrungsmittelzusatzherstellers Evolva.

Gesucht waren die Anteile von Dätwyler. Der Titel erhole sich von den Abgaben, die der Industriezulieferer nach Bekanntgabe einer milliardenschweren Übernahme in England verbucht hatte.

(Reuters)