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Bringt Baselworld Uhren-Aktien in Schwung?

Auf der grössten Uhrenmesse der Schweiz lancieren die Hersteller neue Modelle. Ob der Zeitpunkt da ist, trotz schwelender Absatzkrise nun in Luxus-Aktien zu gehen, zeigt ein Blick auf die Swatch- und Richemont-Aktien.
17.03.2016 14:41
Von Marc Forster
Auch in Europa lahmt der Absatz: Geschäft für Schweizer Luxusuhren in der Londoner Regent Street.
Auch in Europa lahmt der Absatz: Geschäft für Schweizer Luxusuhren in der Londoner Regent Street.
Bild: cash

Mit der Baselworld richten sich die Augen auf die Schweizer Uhrenbranche. Die glanzvolle Welt der Schweizer Qualitätsuhren ist der richtige Ort, an dem die Branche Optimismus verbreiten kann. Doch die Stimmung hat sich seit der letzten Uhrenmesse vor einem Jahr im Zuge von Chinas Wirschafts- und Börsenschwäche eingetrübt. Die Aussichten für das Jahr 2016 schätzt die Bank Vontobel schwierig ein. Die wichtigen Verkaufspunkte für Uhren Hongkong und Macau leiden darunter, dass sie von weniger Chinesen vom Festland besucht werden.

Nach den Terroranschlägen von Paris leidet auch das Geschäft mit Reisenden in Europa, zumal Chinesen neuerdings einen biometrischen Pass brauchen, wenn sie die EU-Länder bereisen wollen. Die Uhrenexporte dürften laut Vontobel-Schätzung dieses Jahr bei 21,5 Milliarden Franken liegen, immerhin nur eine Stagnation. 2015 sind sie um 3,3 Prozent gesunken.

Von den beiden Schweizer Luxusgüterkonzernen Swatch und Richemont wird nach wie vor Richemont als in der besseren Position gesehen - wobei, am Rande erwähnt, die Swatch Group aus Biel unter anderem mit den Marken Omega, Breguet, Blancpain, Longines, Tissot oder Swatch zu den Schwergewichten der Baselworld gehört, während der Genfer Richemont-Konzern (u.a. IWC, Panerai, Cartier und Jaeger-LeCoultre) seine Marken an der Messe gar nicht zeigt.

Zweites Standbein Schmuck

Richemont geniesst ungeachtet dessen den Vorteil, dass rund die Hälfte des Umsatzes im hochmargigen und offensichtlich krisenresistenteren Schmuckgeschäft erzielt wird. Ausserdem verfügt die Gruppe über eine sehr solide Bilanz. Die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16,4 bewertete Aktie vereint mehr Buy-Empfehlungen auf sich als Swatch. Die Anleger sind mit einem in Jahresfrist um ein Viertel gesunken Kurs allerdings nicht glücklich.

Was die traditonsreichen Schweizer Anbieter an der Baselworld wenig zeigen, sind Smartwatches. Eine der wenigen dieser Alleskönneruhren, die für Aufsehen sorgt und reissenden Absatz findet, ist ein Modell von Tag Heuer, allerdings gehört diese Marke zum französischen LVMH-Konzern. Die Branchen zeigt Zuversicht, dass Kunden weiterhin auf hochwertige, prestigeträchtige traditionelle Uhren setzten werden.

Analysten sind kritischer. Vor allem Swatch gilt mit einem Anteil von 90 Prozent Umsatz mit in der Schweiz hergestellten Uhren – und keiner richtigen Smartwatch im Sortiment – als besonders verwundbar. Die jüngere Kundschaft der niedrig- und mittelpreisigen Swatch-Marken ist smartwatchaffiner als die Kunden der durch das Band teuren und sehr teuren Richemont-Zeitmessern.

Der Ruf ist immer noch gut

Swatch muss es auch gelingen, mit den Schmuckmarken Marktanteile zu gewinnen. Bei der derzeit schwierigen Lage ist die Aktie, die mit 343 Franken 20 Prozent tiefer liegt als vor einem Jahr und 40 Prozent unter ihrem Langzeithoch von Mitte 2013 liegt, noch keine Einstiegs-Aktie, selbst mit einer ähnlich tiefen Bewertung wie Richemont. Wenn einsteigen, dann sind die Genfer immer noch die bessere Wahl.

Der Markt in Hongkong, der wichtigsten Uhrenexport-Destination der Schweiz, muss weiter beobachtet werden. Was den Schweizer Uhrenkonzernen angesichts der China-Schwäche aber längerfristig helfen kann, ist der Umstand, dass ihre Kreationen fast überall auf der Welt verkauft werden, gerade auch an Touristen. Zudem, und auch das ist ein Aspekt der Baselworld, hat kein Land ausserhalb der Schweiz ernsthafte Ambitionen im weltweiten Uhren-Hochpreisgeschäft. Der gute Ruf und das unerreichte Prestige der Marken verfallen auch bei der China-Absatzkrise nicht so schnell.