Britisches Industriebarometer steigt unerwartet kräftig

Die britische Industrie blickt trotz der Brexit-Unsicherheit optimistisch nach vorne. Dank des schwachen Pfunds haben sich die britischen Waren im Ausland verbilligt. Davon konnte besonders die Exportbranche profitieren.
22.11.2016 13:55
Volle Auftragsbücher für die britische Industrie (im Bild Alstom in Stafford, England).
Volle Auftragsbücher für die britische Industrie (im Bild Alstom in Stafford, England).
Bild: Bloomberg

Das Konjunkturbarometer kletterte im November überraschend kräftig um 14 Zähler auf minus 3 Punkte, wie die Confederation of British Industry (CBI) am Dienstag bekanntgab. Das ist der beste Wert seit Juni, als die Briten in einem Referendum für einen EU-Austritt ihres Landes stimmten.

Ökonomen hatten lediglich einen Anstieg auf minus 9 Punkte erwartet. "Es ist schön zu sehen, dass sich die Auftragsbücher auf einem gesunden Niveau bewegen", sagte CBI-Chefökonomin Rain Newton-Smith. "Die Produktionsaussichten bleiben solide." Die kräftige Abwertung des britischen Pfunds hilft den Exporteuren, macht er doch Waren im Ausland billiger.

Brexit-Schock gut weggesteckt

"Allerdings hinterlässt das schwache Pfund auch anderswo Spuren, denn die Preise beginnen zu steigen - vor allem im Lebensmittel- und Getränkebereich", sagte Newton-Smith.

Bislang hat die Wirtschaft den Brexit-Schock überraschend gut weggesteckt. Das trifft auch auf die Staatsfinanzen zu. Das Defizit schrumpfte im Oktober binnen Jahresfrist um ein Viertel auf 4,8 Milliarden Pfund, wie das Statistikamt mitteilte.

Die Staatsverschuldung erreichte mit 1,642 Billionen Pfund allerdings einen Rekordwert. Sie entspricht knapp 84 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Finanzminister Philip Hammond stellt am Mittwoch seinen Haushaltsplan vor.

Privathaushalte pessimistischer

Laut der November-Umfrage des Finanzdatenanbieters Markit wächst bei der britischen Bevölkerung derweil die Furcht vor den negativen Folgen durch das Brexit-Votum. 49 Prozent der Privathaushalte rechnen inzwischen mit trüberen Aussichten für das nächste Jahrzehnt. Im August waren es 47 und im Juli - einen Monat nach der Referendumsentscheidung für einen EU-Ausstieg - 42 Prozent.

"Für viele Wähler waren bei der Abstimmung im Juni andere Fragen als die Wirtschaft wichtiger", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Aber nun habe die Annahme zugenommen, dass der Brexit teurer werden könnte als zunächst gedacht.

(AWP/SDA/REU)