Büro und Gewerbe - Deutschlands neue Immobilien-Macht

In Deutschland entwickelt sich eine neue Macht auf dem Markt für Gewerbe-Immobilien.
21.04.2018 08:06
Teures Pflaster: Büro- und Wohnbauten beim «Spittelmarkt» im Zentrum von Berlin.
Teures Pflaster: Büro- und Wohnbauten beim «Spittelmarkt» im Zentrum von Berlin.
Bild: Pixabay

Investoren aus Asien stehen davor, die Nordamerikaner als zweitgrösste Käufergruppe nach den Europäern abzulösen. Während China und Südkorea den deutschen Markt als sicheren Anlagehafen entdecken, genügen US-Investoren nach Meinung von Beobachtern die zuletzt gesunkenen Renditen nicht mehr.

Die Bedeutung asiatischer Investoren spiegelt sich in den auf 320 Millionen Euro geschätzten Verkauf des Allianz Campus in Berlin an einen Fonds aus Südkorea wieder. Er gilt als einer der grössten Deals in 2017.

"Für 2018 ist damit zu rechnen, dass noch mehr asiatisches Geld in den hiesigen Gewerbemarkt kommt. Die deutsche Wirtschaft boomt, und die politischen Rahmenbedingungen sind stabil", erklärt Marcus Lemli, Deutschland-CEO beim Immobilien-Dienstleister Savills.

Ähnlich sieht das auch Helge Scheunemann, Head of Research Germany beim Konkurrenten Jones Lang LaSalle: "Insbesondere bei asiatischen Investoren ist die Allokation in Immobilien noch immer vergleichsweise gering, die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien dürfte insofern auch 2018 anhalten."

Viel Geld trifft auf wenig Produkt

Doch das Angebot an Objekten in Deutschland ist knapp. "Der Bieterwettstreit intensiviert sich", sagt Lemli. "Generell trifft hierzulande viel Geld auf wenig Produkt – wer bei der daraus resultierenden Preisrally nicht mitspielen möchte, könnte sich womöglich aus dem Markt zurückziehen."

Genau dieser Trend ist offenbar bei den Nordamerikanern zu beobachten. "Investoren aus dieser Region haben höhere Rendite-Anforderungen als Investoren aus anderen Teilen der Welt. Solche Anforderungen sind in Deutschland nur noch schwer zu erreichen", sagt Matthias Leube, der das deutsche Geschäft beim Immobilienberater Colliers International Group leitet.

Der Anteil der Asiaten am deutschen Transaktionsvolumen war 2017 auf 10 Prozent gestiegen, nach 5 Prozent zwei Jahr zuvor, zeigen Daten von BNP Paribas Real Estate. Bei den Nordamerikanern ging es von 20 Prozent auf 11 Prozent nach unten.

Rund 58,2 Milliarden Euro waren 2017 insgesamt in deutsche Gewerbe-Immobilien investiert worden, das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten nach 2007 laut BNP. Ausländische Investoren kamen auf einen Anteil von 48 Prozent.

Wettbewerb drückt auf Renditen

Der harte Wettbewerb der Investoren schlägt sich unter anderem bei Büros nieder, sagt Piotr Bienkowski, CEO von BNP Paribas Real Estate in Deutschland. Die Netto-Spitzenrenditen in grossen Städten sank 2017 demnach um 37 Basispunkte auf 3,24 Prozent. Am teuersten sei Berlin mit 2,90 Prozent, gefolgt von München mit 3 Prozent. Gemeinsam auf dem dritten Platz liegen den Daten zufolge Frankfurt und Hamburg mit jeweils 3,15 Prozent.

Die stärksten Käufergruppen unter den asiatischen Investoren sind Leube zufolge Chinesen und Südkoreaner. "Neu hinzugekommen sind zuletzt Anleger aus Japan und Australien, die erstmals stärker auf dem deutschen Markt aktiv werden", sagt er.

Scheunemann: "Zwar sind auch hierzulande die Preise gestiegen, dennoch erscheint Deutschland im Vergleich zu anderen globalen Hot Spots noch vergleichsweise attraktiv."

(Bloomberg)