Cat Bonds - Was «katastrophale» Investments bringen können

Mit Katastrophenanleihen oder Cat Bonds setzen vor allem grosse Investoren seit Jahren auf die Wahrscheinlichkeit von Naturereignissen. Privatanleger können inzwischen mittels Fonds mitinvestieren – lohnt sich das?
22.05.2017 21:16
Von Marc Forster
Die Risiken in Cat Bonds konzentrieren sich auf Wirbelstürme in Nordamerika.
Die Risiken in Cat Bonds konzentrieren sich auf Wirbelstürme in Nordamerika.
Bild: Pixabay

Dreimal hat es nicht geklappt: Mit dem Hurrikan Katrina von 2005, dem Hurrikan Ike von 2008 und der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 traten Ereignisse ein, gegen die Anleger von Cat Bonds – Katastrophenanliehen - gewettet hatten. Die Folge waren Verluste. Diese Gross-Katastrophen überstiegen in ihrem Umfang das, was Anleger erwartet hatten. Unter weniger unglückseligen Umständen sind Cat Bonds aber ein renditeträchtiges Geschäft. Das Instrument der Cat Bonds, die in den Bereich der "Insurance Linked Securities" (ILS) fallen, sind beliebt.

Angestossen wurde die Verbreitung von Cat Bonds vor allem von Rückversicherern. Nachdem diese Risiken von Kunden übernommen haben, verteilen sie diese Risiken über diese Obligationen weiter an den Finanzmarkt. Die in Cat Bonds enthaltenen Risiken beziehen sich vor allem auf Naturereignisse wie Orkane, Erdbeben oder Überflutungen oder dann auf die Luft- und Seefahrt, Ölplattformen, Satelliten, oder wirtschaftliche Ereignisse wie Ernteausfälle oder Unfälle an Industrieanlagen. 

Gewisses Klumpenrisiko

Damit werden Anleger im Grunde genommen selbst zum Rückversicherer. Die wagemutigen Anleger werden mit ansehnlichen Coupons belohnt. Die Swiss Re hat anhand eines Index errechnet, dass im vergangenen Jahr mit Cat Bonds 6,63 Prozent Rendite erzielt wurden.

Bei Cat Bonds werden in der Regel zwei Vorteile genannt:

  • Weil das Risiko bei diesen Anleihen auf das Eintreten von Ereignissen gerichtet ist, haben sie keine grosse Korrelation mit anderen Anlageklassen wie Aktien oder Regierungs- bzw. Unternehmensobligationen.
  • Vom Zinsänderungsrisiko, das vor allem bei herkömmlichen Anleihen in letzter Zeit gestiegen ist, sind sie praktisch ausgeschlossen.
     

Als Nachteile gelten folgende Punkte:

  • Die Abhängigkeit von einem Einzelereignis.
  • Ein kleiner Markt, wo Liquidität eng werden kann, gerade nach Ereignissen. Das heisst, sie können nicht unbedingt zu einem gewünschten Zeitpunkt verkauft werden.
  • Ein grosser Teil, schätzungsweise 70 Prozent der Risiken, konzentriert sich auf Wirbelstürme in Nordamerika.

 

Cat Bonds sind grösstenteils ein Investment für Grossinvestoren, die durchaus dreistelligen Millionenbeträgen in den Markt tragen. Allerdings hat sich der Markt zumindest ein Spalt weit auch für Privatanleger geöffnet. Einige Vermögensverwalter haben Fonds aufgelegt bzw. vertreiben diese: In der Schweiz gehören zu den wichtigen Anbietern die Credit Suisse, Lombard Odier, die Liechtensteiner Fürstenbank LGT oder der Asset Manager Twelve Capital.

Beispiele von in der Schweiz oder Luxemburg vertriebenen Cat-Bond-Fonds:

Fonds ISIN TER
LGT (CH) Cat Bond Fund - A CHF CH0012115249 1,75 Prozent
Twelve-Falcon Cat Bond Fund (CHF) A CH0019572533 1,77 Prozent
Lombard Odier Funds - CAT Bonds SH (CHF) PA LU1349277399 1,73 Prozent

Quelle: Morningstar.ch

Der Cat Bond Fund von LGT Capital Partners mit einem Inventarwert von 144,5 Millionen Franken beispielswiese enthält 48 Positionen. Die sieben grössten Risiken betreffen Hurrikane oder Erdbeben in Nordamerika. Der erwartete Schaden wird mit 0,78 Prozent beziffert. Die Verwaltungsgebühr (Total Expense Ratio, TER) ist mit 1,75 Prozent eher hoch. Die Wertentwicklung ist im laufenden Jahr mit -0,5 Prozent rückläufig. Es gab aber Jahre, wo diese fast 5 Prozent betrug.

Dieser Fonds ist ein auschüttender Fonds, das heisst, die Erträge werden an die Anteilseigner ausbezahlt. Das Gegenstück dazu wäre ein thesaurierender Fonds, der Erträge reinvestiert.

Risikoprofil muss stimmen

Wie geeignet sind Cat Bond Fonds nun für Privatanleger? "Bei Katastrophen-Anleihen kann es zu einem echten Ausfall kommen", sagt Portfoliomanager Sandro Kriesch von Twelve Capital. Zwar seien Cat Bonds ein guter Weg zur Diversifizierung von Portfolios, aber dennoch nur begrenzt für Privatanleger geeignet: "Anleger müssen sehr gut informiert sein", sagt Kriesch.

So kann beispielsweise der Zeitpunkt des Eintretens einer Naturkatastrophe nicht vorausgesagt werden, aber die Wahrscheinlichkeit lässt sich anhand von Modellen aufzeichnen. Das Erstellen solcher Modelle gehört zum Kerngeschäft der Rückversicherer - Anleger müssen es aber verstehen können, wenn sie sich mit Cat Bond Fonds beschäftigen wollen.

Wenn Privatanleger in Cat Bonds investieren sollten, dann solche mit grösseren Vermögen und einer hohen Risikofähigkeit. Das Asset Management Unternehmen Twelve Capital, das sich auf Versicherungsanleihen spezialisiert, setzt bei seinen Fonds auf eine Mindestzeichnung von 125‘000 Franken.