Charttechnik - Wie lange dauert die Euro-Rally noch?

Der Euro ist gegenüber Franken, Dollar und anderen Währungen deutlich stärker geworden. Geht es nach technischen Analysten, ist die Rally noch nicht zu Ende.
07.08.2017 03:25
Die Euro-Zone erholt sich, die Währung wird stärker.
Die Euro-Zone erholt sich, die Währung wird stärker.
Bild: Pixabay

Der Euro ist am Mittwochmorgen bei über 1,18 Dollar gehandelt worden und hielt sich damit über der wichtigen Marke von 1,1714 Dollar, die am 26. Juli erstmals seit August 2015 durchbrochen wurde. Analysten, die mit Hilfe von Charttechnik abschätzen wollen, wie weit die Gemeinschaftswährung noch steigen kann, blicken zurück auf das Jahr 2010.

Die Euro-Rally läuft bereits seit fünf Monaten - die längste Phase seit 2013. Zins-Differentiale, die sich zugunsten des Euro bewegen, und die breite Dollar-Schwäche sind die Treiber.

Analysten der Canadian Imperial Bank of Commerce und von JPMorgan Chase & Co. sehen Raum für einen weiteren Euro-Anstieg bis auf 1,1877 Dollar beziehungsweise 1,2043 Dollar - die niedrigsten Kurse der Jahre 2010 und 2012 - denn technische Niveaus zeigen diese Werte als kurzfristige Ziele an. Auch der Optionsmarkt zeigt, dass sich die Händler auf eine weitere Euro-Stärke einstellen: Die Nachfrage nach Calls mit dem Recht, Euro zu kaufen, wächst.

Wie lange schaut die EZB noch zu?

"Die Binnen-Fundamentaldaten der Eurozone sind robust und der Markt preist das schrittweise in die Währung ein", sagte Bipan Rai, Stratege bei der CIBC in Toronto.

Niall O’Connor, ein technischer Analyst bei JPMorgan in New York, blickt über die Tiefs von 2010 und 2012 hinaus und nennt 1,2167 Dollar als nächstes Niveau, das es zu beobachten gilt. Dieser Wert markiert ein 50-Prozent-Retracement der Euro-Talfahrt ausgehend vom Hoch kurz vor 1,40 Dollar im Jahr 2014.

Eine weitere Euro-Aufwärtsbewegung könnte sich allerdings als schwierig erweisen, da die Währung aus technischer Sicht "so überkauft wie nur irgend möglich" sei, sagte O’Connor.

Im Juli hatte der Euro 3,6 Prozent zum Dollar aufgewertet - so stark wie seit März 2016 nicht mehr, und seit Anfang April summiert sich der Anstieg auf elf Prozent. Und es gibt ein weiteres Risiko, denn die Europäische Zentralbank könnte der Aufwertung überdrüssig werden, die den Inflationsdruck im Euroraum vermindert.

Prognosen werden angehoben

Nichtsdestotrotz sind die Euro-Bullen voller Zuversicht. Risk-Reversals, ein Massstab für die Nachfrage nach Euro-Calls im Verhältnis zu Puts, befinden sich in der Nähe eines Acht-Jahres-Hochs bei den dreimonatigen Laufzeiten. In dem Zeitraum finden Zinsentscheide sowohl der Federal Reserve als auch der Europäischen Zentralbank statt.

Die Netto-Longpositionen auf einen Euro-Kursanstieg von Hedgefonds und anderen grossen spekulativen Investoren befinden sich in etwa auf dem höchsten Niveau seit 2011, zeigen Daten der Commodity Futures Trading Commission.

Auch andere Banken haben ihre Prognosen für den Euro in den letzten Wochen angehoben. Credit Suisse erhöhte die 12-Monatsschätzung von 1,15 Dollar auf 1,22 Dollar. Und Société Générale hält einen Sprung auf 1,20 Dollar in den nächsten Monaten für möglich.

(Bloomberg)