Chem China will Syngenta übernehmen

Was lange gemunkelt wurde, ist jetzt Tatsache: Der grösste chinesische Chemiekonzern ChemChina will den Basler Agrochemie-Konzern Syngenta für 43 Milliarden Dollar übernehmen.
03.02.2016 08:21
Syngenta wird bald chinesisch.
Syngenta wird bald chinesisch.
Bild: Bloomberg

Das Übernahmeangebot von ChemChina besteht demnach aus 465 Dollar in bar und einer Sonderdividende von 5 Franken pro Aktie, wie Syngenta am Mittwoch mitteilte. Die Sonderdividende wird vorbehältlich der Annahme des Angebots, aber vor dessen Abschluss ausbezahlt. Das Angebot entspricht einem Wert von 480 Franken je Aktie. Zusätzlich würden die Aktionäre von Syngenta im Mai die beantragte ordentliche Dividende von 11 Franken erhalten.

Das Übernahmeangebot in der Schweiz und in den USA werde in den kommenden Wochen veröffentlicht. Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Der Deal muss noch von den Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden.

Syngenta bleibt ein weltweit tätiges Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz, wie es im Communiqué heisst. Das derzeitige Management von Syngenta wird das Unternehmen weiterhin leiten. Nach Abschluss der Übernahme wird Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident von ChemChina, dem zehnköpfigen Verwaltungsrat vorstehen. Vier der aktuellen Verwaltungsräte werden dem Aufsichtsgremium weiterhin angehören.

Aktie klettert

Die Syngenta-Aktie klettert nach Übernahmeangebot vorbörslich 20 Prozent.

Es wäre die bisher grösste chinesische Übernahme im Ausland. Die staatliche China National Chemical Corporation, kurz ChemChina. Gerüchte über die Verhandlungen verhalfen der Aktie am Dienstag schon zu einem Kurssprung. Die Übernahme würde das chinesische Staatsunternehmen zu einem wichtigen Mitspieler in der weltweiten Agrochemie-Branche für Insektenvernichtungsmittel und auch genetisch verändertes Saatgut machen.

Eine Einigung müsste allerdings einen möglicherweise langwierigen Genehmigungsprozess in der EU und den USA durchlaufen. Eine Kernfrage ist, ob das amerikanische Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) zustimmen muss. Das Aufsichtsgremium, das Übernahmen auch unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit prüft, gilt als nicht besonders chinafreundlich. Syngenta macht schätzungsweise ein Viertel seines Umsatzes in den USA, wo es der grösste Pestizidverkäufer ist.

Wichtiger Schritt in der Strategie Chinas

Der Kauf von Syngenta wäre ein wichtiger Schritt in der Strategie Chinas, die Entwicklung seiner Landwirtschaft durch moderne Methoden wie Biotechnologie und eine Konsolidierung der Branche voranzubringen. Erst im August hatte Syngenta einen Übernahmeversuch durch den US-Rivalen Monsanto abgewehrt.

ChemChina hat im Januar schon den deutschen Spezialmaschinenbauer KraussMaffei für 925 Mio EUR übernommen. Es war die bisher grösste chinesische Übernahme in Deutschland. Vor knapp einem Jahr hatte ChemChina auch die traditionsreiche italienische Reifenfirma Pirelli für mehr als 7 Mrd EUR gekauft. Nach eigenen Angaben hat ChemChina 140'000 Mitarbeiter.

Ebenfalls am Mittwoch legte Syngenta das Ergebnis für 2015 vor. Demnach ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation um fünf Prozent gesunken auf 2,78 Mrd. Dollar. Analysten in einer Umfrage von Bloomberg hatten auf dieser Basis mit 2,76 Mrd. Euro gerechnet. Der Umsatz sank um elf Prozent auf 13,41 Mrd. Dollar.

(cash/AWP/Bloomberg)