Chinesischer Billigflieger sagt der Schweiz ade

Nach nur zwei Jahren kappt die chinesische Hainan Airlines ab Oktober die Direktverbindung zwischen Peking und Zürich. Nun hat die Swiss ein Monopol.
08.04.2013 16:38
Von Pascal Meisser
Am 29. September wird zum letzten Mal ein Flugzeug der Hainan Airlines den Flughafen Zürich verlassen.
Am 29. September wird zum letzten Mal ein Flugzeug der Hainan Airlines den Flughafen Zürich verlassen.
Bild: iNg

In Internetforen ist in den letzten Tagen darüber spekuliert worden, ob sich der chinesische Billigflieger Hainan Airlines aus der Schweiz zurückzieht. Nun herrscht Gewissheit: Am Montag bestätigt eine Sprecherin der Airline auf Anfrage von cash, dass die Strecke Zürich-Peking ab dem Winterflugplan nicht mehr angeboten werde. Somit wird der Airbus A330 der Hainan Airlines am 29. September zum letzten Mal in Zürich-Kloten in Richtung Peking abheben.

Für Aviatik-Experte Max Ungricht kommt dieser Rückzug überraschend. "Eigentlich ist Peking eine Destination, die boomen sollte", sagt Ungricht. Es zeige aber, dass europäische Passagiere auf den Flügen nach China europäischen Fluggesellschaften den Vorzug gäben.

Unklar ist, ob sich Hainan Airlines definitiv von Zürich verabschiedet. Die Unternehmenssprecherin will nicht ausschliessen, dass die Fluggesellschaft ab Sommer 2014 den Direktflug nach Peking wieder anbietet. Allerdings sprechen derzeit fast alle Vorzeichen dagegen.

2012 unter Druck geraten

Hainan Airlines, die grösste nichtstaatlich organisierte Fluggesellschaft Chinas und die Nummer vier der Airlines in der Volksrepublik, erwuchs ab Mai 2012 erhöhte Konkurrenz, als die Swiss nach zehn Jahren die Verbindung nach Peking wieder in den Flugplan aufnahm. Im Gegensatz zur Swiss gehört Hainan Airlines keiner internationalen Allianz an. Deshalb können in Zürich keine koordinierten Umsteigeverbindungen angeboten werden.

Seit letztem Winter mussten die Chinesen den anfänglich dreimal pro Woche durchgeführten Flug auf zwei reduzieren. Einzelne Flüge mussten sogar aus kommerziellen Gründen gestrichen werden. Offenbar ist der Airline auch nicht gelungen, mehr einheimische Gruppen in die Schweiz zu fliegen. Nur so sei die Strecke rentabel zu betreiben, sagte ein Hainan-Manager vergangenes Jahr.

Auch die Swiss hat laut Ungricht auf der Strecke Zürich-Peking den Break-Even noch nicht erreicht. "In der Regel benötigt eine Fluggesellschaft zwei Jahre, bis sie eine neue Strecke etablieren kann. Es braucht also einen langen Atem", sagt der Airline-Experte. Auf Anfrage von cash will sich die Swiss-Medienstelle nicht zur Rentabilität der Peking-Strecke äussern. "Wir machen prinzipiell keine Angaben über die Auslastung und Ergebnisse einzelner Strecken", so eine Sprecherin.

Swiss im Winter mit reduziertem Angebot

Allerdings wird auch die Swiss die Frequenz nach Peking im Winterflugplan leicht herunterfahren. Während bis im September Peking noch täglich angeflogen wird, sind ab Oktober noch fünf wöchentliche Verbindungen geplant. Der Grund für diese Anpassung sei die Auslastung, die "saisonal stark variiere", so die Swiss-Sprecherin. Fakt ist: Die Swiss hat von Zürich ab Oktober eine Monopol-Verbindung nach Peking.Und auf solchen Strecken steigen in der Regel auch die Preise.

Hainan Airlines hatte am 31. Mai 2011 die seit 2003 tote Direktverbindung Zürich-Peking mit mehreren wöchentlichen Direktflügen wieder zum Leben erweckt. Zum Markteintritt hatte der Billigflieger Tiefpreisangebote lanciert, die für rund 500 Franken den Flug sowie drei Übernachtungen beinhalteten.  Letztes Jahr setzte auch die Swiss wieder auf die Verbindung Zürich-Peking, die sie vor zehn Jahren fallengelassen hatte.

Die Fluggesellschaft begründete die Wiederaufnahme Pekings in das Streckennetz mit der grossen Nachfrage aus Wirtschaft und Tourismus. Für die Schweiz ist China nach wie vor der wichtigste Handelspartner in Asien. Zudem ist die Schweiz bei chinesischen Touristen beliebter denn je. 2012 reisten fast 600‘000 Chinesen in die Schweiz – viermal so viel wie noch vor sechs Jahren.