Chiphersteller im AufwindAMS-Aktie auf höchstem Stand seit Sommer 2015

Das Schlussquartal 2016 lässt bei AMS zwar keine Anlegerwünsche offen. Vom Margenausblick hatten sich Analysten beim Sensorenhersteller jedoch mehr erhofft. Dennoch zieht der Aktienkurs kräftig an.
07.02.2017 15:35
Von Lorenz Burkhalter
AMS gibt einen überraschend vorsichtigen Margenausblick ab.
AMS gibt einen überraschend vorsichtigen Margenausblick ab.
Bild: ZVG

Die Aktionäre des Sensorenherstellers AMS können aufatmen: Umsatz und bereinigter Gewinn liegen im Schlussquartal am oberen Ende von dem, was Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Nach der genauso überraschenden wie einschneidenden Umsatzwarnung des amerikanischen Rivalen Cirrus Logic von vergangener Woche war die Nervosität gestiegen, eine Enttäuschung galt auch bei AMS als wahrscheinlich.

Selbst der Umsatzausblick für das saisonal bedingt schwache erste Quartal kann sich sehen lassen. Das Unternehmen strebt einen Umsatz zwischen 141 und 148 Millionen Euro an. Darin enthalten ist allerdings ein Umsatzbeitrag von geschätzten 12 Millionen Euro aus der Übernahme von Heptagon. Eher vorsichtig fallen zudem die Aussagen zur Gewinnentwicklung aus. Beim bereinigten operativen Gewinn (EBIT) wird mit einem "um die Gewinnschwelle herum" liegenden Quartalsergebnis gerechnet.

An der Schweizer Börse SIX messen die Anleger der ausbleibenden Enttäuschung ein grösseres Gewicht bei. In der Folge steigt die AMS-Aktie zur Stunde um 18,9 Prozent auf 40,35 Franken. Am frühen Nachmittag wurden zeitweise sogar Kurse von bis zu 42,50 Franken bezahlt, dem höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Beobachter berichten von Deckungskäufen aus dem Ausland.

Wie der Analyst der Zürcher Kantonalbank schreibt, liegt das bereinigte operative Resultat bei einem etwas besseren Umsatz leicht unterhalb seiner eigenen Erwartungen.

Hoffnung auf eine bessere zweite Jahreshälfte

Er macht unter anderem höhere Forschungs- und Entwicklungskosten für diesen Umstand verantwortlich. Den stark rückläufigen freien Cash Flow erklärt sich der Experte hingegen mit Vorabinvestitionen in neue Produktionskapazitäten sowie mit dem damit einhergehenden Lageraufbau.

Keine guten Worte findet er hingegen für den Quartalsausblick. Gerade beim bereinigten EBIT könne dieser die Erwartungen nicht erfüllen, so schreibt der Analyst. Er verweist dabei auf die Konsensschätzungen eines EBIT von 13 Millionen Euro, welche nun aufgrund von Verlusten bei der übernommenen Heptagon verfehlt werden. Die AMS-Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank wie bis anhin mit "Marktgewichten" eingestuft.

Übernommene Heptagon gewinnt an Fahrt

Von einem Schlussquartal "ohne Überraschungen" ist in einem Kommentar der Bank Vontobel die Rede. Die Geschäftsentwicklung sei in etwa so bescheiden wie erwartet ausgefallen, so schreibt der Autor. Dasselbe gilt seines Erachtens für den Ausblick, weshalb der Fokus für Anleger eindeutig auf der zweiten Jahreshälfte 2017 liege. Neue Impulse verspricht sich der Analyst von einer massiven Produktionssteigerung beim Schlüsselkunden Apple. Deshalb empfiehlt er die Aktie mit einem Kursziel von 38 Franken zum Kauf.

Bei Bryan Garnier wird hingegen auf ermutigende Aussagen des Sensorenherstellers zur Umsatzentwicklung bei Heptagon verwiesen. Firmeneigenen Angaben zufolge dürften die erworbenen Geschäftsaktivitäten in diesem Jahr mit 300 Millionen Dollar (umgerechnet 278 Millionen Euro) zum Gruppenumsatz beitragen. Das liegt selbst über den optimistischsten Annahmen. Dennoch wird die AMS-Aktie bei Bryan Garnier nur mit "Neutral" eingestuft. Der faire Wert von 30 Franken dürfte allerdings steigen.

Auch der für die UBS Investmentbank tätige Experte findet sichtlich Gefallen am in diesem Jahr zu erwartenden Umsatzbeitrag von Heptagon. Es mache ganz den Anschein, als ob deren neue Produkte auf eine gute Nachfrage stossen würden, so lautet das Fazit. Auch bei der Schweizer Grossbank wird die Aktie zum Kauf empfohlen. Das Kursziel lautet 43 Franken.

Klare Worte findet sein Berufskollege bei der amerikanischen Investmentbank Stifel Nicolaus. Erst vergangene Nacht stufte er die AMS-Aktie mit einem Kursziel von 45 Franken von "Hold" auf "Buy" herauf. Seines Erachtens hat der Sensorenhersteller mit den jüngsten Grossübernahmen den Grundstein für ein hohes und prozentual zweistelliges Umsatzwachstum gelegt. Der cash Insider berichtet in seiner Kolumne darüber.