Chronik - Die gescheiterten Fusionspläne der Deutschen Börse

Die Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange ist geplatzt, wie letzte Woche bekannt wurde. Deutschlands grösster Börsenbetreiber scheint diesbezüglich zum Scheitern verurteilt. Ein Überblick.
02.04.2017 02:02
Blick in den Handelssaal der Börse Frankfurt.
Blick in den Handelssaal der Börse Frankfurt.
Bild: ZVG

Die EU-Kommission hat die gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion vergangene Woche untersagt, weil die Dominanz im Clearing-Geschäft zu gross gewesen wäre. Die deutsch-britische Börsenhochzeit scheitert damit bereits zum fünften Mal. Zweimal wurden Sondierungsgespräche bereits beendet, bevor die Öffentlichkeit davon Wind bekam. Auch bei anderen Deals hatte Deutschlands grösster Börsenbetreiber bislang kein glückliches Händchen. Ein Überblick:

Juli 2000: Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung der iX International Exchange zusammen mit der LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Doch das Projekt scheitert an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003: Der damalige Deutsche-Börse-Boss Werner Seifert trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Aber die Gespräche über eine Fusion werden beendet, weil sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004: Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie jedoch abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004: Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

Dezember 2004: Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro. Der Deal scheitert 2005 am Widerstand des Hedgefonds TCI, der damals massgeblich an der Deutschen Börse beteiligt ist.

Februar 2006: Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und löst damit Konsolidierungsfieber in der Branche aus. Später dient er Euronext-Chef Theodore die Führung der vereinten Börse an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Grossteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006: Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoss kommt zu spät: Die Euronext schliesst sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008: Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011: Die Deutsche Börse wagt einen weiteren Versuch, um durch eine Fusion mit der Nyse Euronext eine neue Grössenordnung zu erreichen. Doch im Februar 2012 platzt der Fusionstraum erneut. Die EU-Wettbewerbshüter untersagen den Milliardendeal, weil sie ein Monopol der fusionierten Börse im Handel mit europäischen Finanzderivaten fürchten. Später wird die Nyse vom US-Konkurrenten ICE geschluckt.

Februar 2016: Der neue Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter strebt einen "Zusammenschluss unter Gleichen" mit der LSE an. Doch nach dem Brexit-Votum ist die Ansiedlung der Megabörse in London für das Land Hessen nicht akzeptabel. Die LSE wiederum ist nicht kompromissbereit und zieht deshalb den Stecker: sie erfüllt eine Forderung der EU-Wettbewerbshüter zur Freigabe der Fusion nicht. Die Behörde verbietet den Zusammenschluss daraufhin am 29. März.

(Reuters)