CICC - Deutscher Banker startet Europa-Standort für chinesische Bank

Eine der grössten Investmentbanken Chinas setzt bei der Gründung ihres Kontinentaleuropa-Sitzes in Frankfurt auf einen deutschen Banker mit rund 20 Jahren Erfahrung in der Main-Metropole.
29.09.2018 19:11
Blick auf das Stadtzentrum von Frankfurt.
Blick auf das Stadtzentrum von Frankfurt.
Bild: cash

Michael Müller, der im Sommer von B. Metzler Seel. Sohn & Co. zur China International Capital Corporation (CICC) gewechselt war und das deutsche Geschäft von Null an aufbauen wird, stellt für seinen neuen Arbeitgeber nun zunächst ein M&A-Team zusammen. "Dieses soll eine kleine schlagkräftige Truppe sein und bis 2019 vollzählig sein", erklärte er in einem Interview mit Bloomberg.“ Ziel sei es, Mandate eigenständig betreuen zu können. "Erste Projekte haben wir bereits gewonnen."

Das Team wird sich seinen Worten zufolge ausschliesslich auf europäische Mandate mit China-Bezug konzentrieren und sich dabei eng mit dem M&A-Team von CICC in London abstimmen. Als Konkurrent deutscher Banken sehe er CICC nicht, sondern als ein Unternehmen, das eine Nische besetze.

Personal als limitierender Faktor

Inzwischen hat Müller erste Mitarbeiter eingestellt. Insgesamt sei es allerdings nicht so leicht, geeignete Leute in Frankfurt zu finden.

"Das liegt gar nicht so sehr an den Sprachkenntnissen, wie man meinen könnte. Wir suchen nicht nur deutsch-chinesisch sprechende Banker, sondern Kandidaten, die weltoffen sind und sich in beiden Kulturräumen bewegen und vertrauensvoll agieren können", sagte Müller. “Das Personal ist im Moment der limitierende Faktor in Frankfurt.”

Auch die Suche nach Büros bringe gewisse Herausforderungen mit sich. “In Frankfurt wird zwar viel gebaut, geht aber schnell weg. Viele Immobilien sind bereits reserviert”, erklärte er. “Wir haben uns jetzt eine Handvoll verfügbarer Standorte angeguckt und überlegen uns unsere Optionen. Fest steht, dass wir ins Bankenviertel wollen.” Derzeit arbeitet CICC in Frankfurt noch in einem Übergangsbüro.

Das knappe Angebot an Immobilien könnte daran liegen, dass derzeit viele Finanzdienstleister auf Grund des Brexit von London nach Frankfurt kommen und ihre Mitarbeiter unterbringen müssen.

"Wir gehen davon aus, dass in den nächsten zwei Jahren von den 20 Instituten, die im Brexit Geschäft verlagern werden, circa 3000 bis 5000 neue Arbeitsplätze in Frankfurt aufgebaut werden", sagte Oliver Wagner, Geschäftsführer des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland, gegenüber Bloomberg.

Deutscher Standort nicht wegen Brexit

Im Falle von CICC hat das neue Büro laut Müller jedoch nichts mit dem Brexit zu tun. “Im Rahmen der internationalen Wachstumsstrategie von CICC gab es schon seit Jahren das Bestreben, im Frankfurt einen Standort zu eröffnen”, erklärte er. "In China gehören wir zu den Marktführern. In Europa sind wir noch nicht da, wo wir sein wollen.” Das Londoner Büro bleibe erhalten.

Müller hatte von 2013 bis Juli 2018 beim Bankhaus Metzlers gearbeitet. Davor war er 6 Jahre für Nomura Holdings im Frankfurter Raum tätig, zeitweise als Investmentbanking-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Auch Citigroup zählte zu seinen beruflichen Stationen.

Bei CICC wird er nun möglicherweise mehr als nur ein M&A-Team aufbauen. Müller kann sich vorstellen, weitere Bereiche im Investmentbanking zu erschliessen. “Das hängt ganz von den Chancen ab, die sich im Markt ergeben”, sagte er. "Zunächst konzentrieren wir uns aber auf M&A."

(Bloomberg)