Clariant-Deal ist einer von vielen - Die grössten Übernahmen in der Chemie-Branche

In kaum einer Branche dreht sich das Übernahmekarussell so schnell wie in der Chemie. Jüngstes Beispiel ist der milliardenschwere Schulterschluss zwischen Clariant und Huntsman. Doch andere Deals waren noch grösser.
25.05.2017 05:59
Der globale Konzernsitz von von «HuntsmanClariant» wird in der Schweiz sein.
Der globale Konzernsitz von von «HuntsmanClariant» wird in der Schweiz sein.
Bild: ZVG

In der Chemiebranche erfasst das Übernahmefieber erneut die Schweiz: Clariant will mit dem US-Wettbewerber Huntsman einen der weltweit führenden Spezialchemiekonzerne schmieden. Der Wert des neuen Unternehmen wird auf rund 20 Milliarden Dollar beziffert.Für die Schweiz wäre es der zweite Mega-Deal in der Chemiebranche nach der Übernahme des Pflanzenschutzspezialisten Syngenta durch den chinesischen Staatskonzern ChemChina für 43 Milliarden Dollar.

Es folgt ein Überblick über die grössten Transaktionen seit Anfang 2015: (Käufer/Ziel, Kaufpreis plus Nettoschulden des Ziels):

Dow Chemical/DuPont - 68 Milliarden Dollar

Die beiden US-Riesen kündigten Ende 2015 ihre Fusion an. Es wäre in der Branche der grösste Zusammenschluss aller Zeiten. Nach dem Deal soll der neue Chemiegigant in drei verschiedene Unternehmen aufgespalten werden. Die EU-Wettbewerbshüter erteilten bereits grünes Licht, aber insgesamt ist die Transaktion noch nicht in trockenen Tüchern. Bei der Ankündigung lag der kombinierte Börsenwert der Firmen bei 130 Milliarden Dollar.

Bayer/Monsanto - 64 Milliarden Dollar

Angetrieben wird das Karussell auch von der Agrarchemie, in der Bayer für 64 Milliarden Dollar den US-Saatgutriesen Monsanto schlucken will. Bis Ende des Jahres soll der Zukauf, der der bislang teuerste eines deutschen Unternehmens wäre, unter Dach und Fach sein. Gegner der Übernahme fürchten, dass Landwirte noch abhängiger werden von wenigen Grosskonzernen. Monsanto verkauft das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Der Deal ist noch nicht genehmigt.

ChemChina/Syngenta - 47 Milliarden Dollar

Der Kauf des Schweizer Pflanzenschutzspezialisten Syngenta durch ChemChina ist so gut wie perfekt. Der chinesische Staatskonzern hatte die Offerte im Februar vergangenen Jahres auf den Weg gebracht. Die Transaktion zog sich hin, da Wettbewerbsbehörden Bedenken anmeldeten.

Praxair/Linde - 43 Milliarden Dollar

Linde aus München und der US-Rivale Praxair treiben seit dem Winter die Fusion zum weltgrössten Gasekonzern voran. Ein erster Anlauf war wenige Monate zuvor gescheitert. Die Gasebranche ist weltweit stark konsolidiert. Nach einer Fusion von Praxair und Linde wären nur noch drei grosse Anbieter übrig. Ein Knackpunkt ist deshalb die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden.

PPG/Akzo Nobel - 28 Milliarden Dollar

Der US-Farbenhersteller PPG legte im März ein Kaufangebot für den niederländischen Rivalen Akzo Nobel - bekannt für seine Dulux-Farben - vor. Die Offerte wurde bislang drei Mal erhöht, doch ohne Erfolg. Nach Aussagen von Akzo-Chef Ton Büchner von Anfang des Monats ist sein Unternehmen mehr wert.

Potash/Agrium - 18 Milliarden Dollar

Der kanadische Potash-Konzern verhandelt seit vorigen Sommer über den Kauf des Rivalen Agrium. Die beiden Düngemittelhersteller wollen sich zu einem neuen Branchengiganten mit einem Börsenwert von rund 36 Milliarden Dollar zusammenschliessen. Die Düngemittelbranche hat mit Preisdruck vor allem bei Kali (englisch: "potash") zu kämpfen.

Sherwin-Williams/Valspar - 11 Milliarden Dollar

Der Lacke- und Farben-Hersteller Sherwin-Williams aus den USA will den heimischen Rivalen Valspar seit einem Jahr schlucken. Durch die Übernahme will Sherwin seinen Plan zur Ausweitung der Geschäfte in die Regionen Asien-Pazifik, Europa. Nahost und Afrika schneller vorantreiben. Der Deal ist noch nicht abgeschlossen.

(cash/Reuters)