Clariant noch immer keine Renditeperle

Clariant erleidet im Schlussquartal einen Gewinnrückgang. Auch von der Dividende hatten sich viele Analysten einiges mehr erhofft. Die Aktie sackt ab.
17.02.2016 11:41
Von Lorenz Burkhalter
Muss auf ein durchzogenes Schlussquartal zurückblicken: Clariant-Chef Hariolf Kottmann.
Muss auf ein durchzogenes Schlussquartal zurückblicken: Clariant-Chef Hariolf Kottmann.
Bild: cash

Am Hauptsitz von Clariant in Basel hat man sich im letzten Jahr einer deutlichen Steigerung des freien Cash Flow verschrieben. Mit Erfolg: Zwar verfehlt der Spezialitätenchemiehersteller im saisonal schwierigen vierten Quartal die Erwartungen an den EBIT und den Reingewinn aus dem fortgeführten Geschäft teilweise ziemlich deutlich. Dank Fortschritten beim Umlaufvermögen kann er den operativen Cash Flow auf das Gesamtjahr betrachtet jedoch um  über 50 Prozent steigern.

Davon bleibt aber nichts bei den Aktionären hängen, wird der Generalversammlung doch eine im Jahresvergleich stabile Dividende von 0,40 Franken je Aktie vorgeschlagen. Analysten hatten durchschnittlich mit einer Erhöhung auf 0,42 Franken gerechnet, einige sogar mit einer auf 0,50 Franken. Ausserdem war dem Unternehmen in den letzten Wochen gerüchtehalber die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms nachgesagt worden. Zur Renditeperle steigt die Aktie damit nicht auf.

An der Schweizer Börse SIX wird die Clariant-Aktie zur Stunde noch mit einem Minus von 3,9 Prozent auf 15,50 Franken abgestraft. Zuvor wurden im Zuge von Abgaben aus dem Ausland Kurse von bis zu 15,37 Franken bezahlt.

Schlussquartal von Sonderfaktoren belastet

Wie einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank zu entnehmen ist, lag das im vergangenen Quartal erzielte Ergebnis beim Umsatz über und bei der Margenentwicklung unter den Konsensprognosen. Trotz des um 50 Prozent höheren operativen Cash Flows sei die Nettoverschuldung im Jahresverlauf gestiegen, wobei höhere Investitionen für den Anstieg verantwortlich gemacht werden. Den deutlich tiefer als erwarteten Reingewinn führt der Verfasser des Kommentars auf einen höheren Sonder- und Nettofinanzaufwand zurück.

Keine Probleme scheint der Analyst mit der etwas tiefer als erhofften Jahresdividende zu haben. Er empfiehlt die Aktie nämlich unverändert mit "Übergewichten" zum Kauf.

Unterdurchschnittliche Dividendenrendite

Etwas vorsichtiger äussert sich der für die Deutsche Bank tätige Berufskollege. Seines Erachtens liegt die Gewinnentwicklung auf den Stufen EBITDA, EBIT und Reingewinn hinter seinen jeweiligen Erwartungen zurück. Darüber hinaus stösst er sich an der im Jahresvergleich höheren Nettoverschuldung sowie an der im Jahresvergleich nur gerade gehaltenen Dividende. Auf Basis des Ausblicks sieht er bei den diesjährigen Konsensschätzungen Raum für leichte Abwärtsanpassungen. Der Analyst stuft die Aktie vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 20 Franken ein.

Auch der Experte von J. Safra Sarasin kann seine Enttäuschung über die Dividendenpolitik nicht verbergen. Er erachtet sowohl die Gewinnentwicklung als auch die geplante Ausschüttung als leicht verhalten. Darüber hinaus decke sich der Ausblick weitestgehend mit den Erwartungen, so schreibt er weiter. Bei J. Safra Sarasin lautet das Anlageurteil für die Aktie wie bis anhin "Neutral".

Für den Experten der Citigroup liegt die Dividendenrendite mit 2,4 Prozent unter dem europäischen Branchendurchschnitt. Er erklärt sich die im Jahresvergleich nur gerade stabile Ausschüttung mit dem hohen Investitionsbedarf, der dadurch höheren Nettoverschuldung und dem insgesamt etwas tieferen Gewinn. Dennoch empfiehlt der Analyst die Clariant-Aktie mit einem optisch hohen Kursziel von 24 Franken zum Kauf.