Claude Kurzo im Interview - «Die Krise beschleunigt den strukturellen Wandel der Fondsbranche»

Die weltweit grössten Fondsmanager werden weiter Marktanteile gewinnen, während mittelgrosse Anbieter ohne klaren Fokus verlieren, sagt Claude Kurzo, CEO von J.P. Morgan Asset Management Schweiz, im cash-Interview.
26.06.2020 14:31
Interview: Daniel Hügli
Claude Kurzo ist CEO von J.P. Morgan Asset Management Schweiz.
Claude Kurzo ist CEO von J.P. Morgan Asset Management Schweiz.
Bild: ZVG

cash.ch: Herr Kurzo, wie beurteilen Sie den Fitness-Zustand der Schweizer Fondsbranche?

Claude Kurzo: Die Fondsbranche befindet sich in einem strukturellen Wandel, der durch die Krise beschleunigt wird. Wir erwarten, dass die Preise weiter sinken und der ökonomische Druck auf die Vermögensverwalter steigt. Dies führt dazu, dass die weltweit grössten Fondsmanager mit den entsprechenden Ressourcen weiter Marktanteile gewinnen werden, und sich Unternehmen mit einem klaren geographischen oder einem Anlageklassen-Fokus behaupten können. Verlieren werden die Mittelgrossen ohne klare Fokussierung. Die Schweiz hat beides, also auch zukünftige Gewinner. 

Eben: Auch hierzulande sinkt die Profitabilität der Fondsindustrie, viel Geld fliesst in Indexprodukte. Wie reagieren Sie von J.P. Morgan Asset Management Schweiz?

Wir sind in der vorteilhaften Lage, dass wir auch in schwierigen Zeiten über die Ressourcen verfügen, um weiter in unsere Investmentfähigkeiten zu investieren. Damit können wir uns oft über die Qualität unserer Lösungen differenzieren. Somit fühlen wir den Druck für Preissenkungen nicht ganz so stark. Aber auch wir überprüfen unsere Preise laufend, um unseren Kunden einen sehr guten Gegenwert zu bieten. Zusätzlich bauen wir unser Angebot an ETFs weiter aus. J.P. Morgan Asset Management ist einer der zehn weltweit am schnellsten wachsenden ETF-Anbieter.

Wie beurteilen Sie die Anlegerstimmung im institutionellen Bereich in der Schweiz?

Der institutionelle Markt ist aufgrund der von uns verwalteten Assets und der Marktgrösse für J.P. Morgan Asset Management ein wichtiges Segment. Obwohl der Regulator pro-zyklisches Verhalten fördert, blieben bei den Pensionskassen panikartige Entscheide aus. Die langfristige Ausrichtung der Anlagestrategie blieb im Vordergund. Allokation in alternative Anlagen, insbesondere in reale Anlagen wie Infrastruktur und Immobilien im Ausland, hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Dieser Trend ist ungebremst. Selbst während der Covid-19-Krise haben wir mehrere Vorsorgeeinrichtungen gesehen, die ihre Allokation in Infrastruktur und Immobilien im Ausland erhöht haben. 

Welche Anlageklassen und Sektoren bevorzugen Sie derzeit?

Die gewaltige monetäre und fiskalische Expansion hat zu einer kräftigen Erholung an den Kredit- und Aktienmärkten geführt. Dennoch sollten wir jetzt nicht euphorisch werden, da sich ohne medizinischen Durchbruch kein Ende der Pandemie prognostizieren lässt. Eine neutrale Gewichtung zwischen Aktien und Anleihen scheint momentan angemessen. Bei Aktien setzen wir weiterhin auf Qualität. Die Fähigkeit eines Unternehmens, die Krise mit einer soliden Bilanz und einer stabilen Ertragslage zu überwinden, ist für uns weiterhin der Schlüssel zum Erfolg. Zudem sehen wir grosses Interesse von Investoren an einigen langfristigen Trends und Themen unserer Zeit: Zum Beispiel Gentherapien und Gesundheit sowie Technologie. 

Auch J.P. Morgan Asset Management baut das Angebot an nachhaltigen Anlagen aus. Bankkunden investieren aber kaum in dieses Segment, wie eine Studie der LGT und Uni Linz kürzlich gezeigt hat. Wo liegt das Problem?

Das Engagement für nachhaltiges Anlegen hat bei uns eine sehr hohe Priorität. So haben wir, trotz Krise, unser Global Sustainable Investing Team in den letzten Wochen mit vier Spezialisten verstärkt. Für weiteres Wachstum des Segments ist die Glaubwürdigkeit von zentraler Bedeutung – dass konsequent hohe Standards bezüglich Nachhaltigkeit von allen Vermögensverwaltern angewandt werden. Weiter fordern Kunden ein transparentes Reporting zur Nachhaltigkeit von Anlagelösungen, das noch nicht immer und überall verfügbar ist. Und natürlich muss auch die Investment-Performance stimmen. Wobei uns die letzten Monate gezeigt haben, dass sich der Fokus auf Qualität bei nachhaltigen Anlagelösungen auszahlt.

Der Schweizer Claude Kurzo ist seit März 2018 CEO von J.P. Morgan Asset Management Schweiz. Für den Konzern ist er seit 2012 tätig, unter anderem als globaler Leiter Strategy & Business Transformation und als Mitglied des globalen Asset Management Operating Committee. Zuvor war Kurzo beim Beratungsunternehmen McKinsey in Zürich beschäftigt.