Clinton: FBI soll neue E-Mail-Informationen offenlegen

Nach der Wiederaufnahme von Ermittlungen in der E-Mail-Affäre von Hillary Clinton hat die Präsidentschaftskandidatin die Offenlegung aller neuen Informationen verlangt.
29.10.2016 11:58
Hillary Clinton im Jahr 2013 vor einem Ausschuss nach ihrer Zeit als Aussenministerin.
Hillary Clinton im Jahr 2013 vor einem Ausschuss nach ihrer Zeit als Aussenministerin.
Bild: Bloomberg

"Das amerikanische Volk hat das Recht, alle Fakten sofort und vollständig zu kennen", sagte sie am Freitag im Bundesstaat Iowa. Die Demokratin verwies darauf, dass FBI-Chef James Comey erklärt habe, die Relevanz der neuen Dokumente sei unklar. Clinton zeigte sich zuversichtlich, dass sich gegenüber den früheren Ermittlungsergebnissen nichts ändern würde. Weniger als zwei Wochen vor der Wahl war nicht abzusehen, welche Auswirkungen die Enthüllungen haben werden.

Comey hatte in einem Schreiben an führende Kongressmitglieder erklärt, es seien neue E-Mails aufgetaucht. "In Zusammenhang mit einem anderen Fall hat das FBI Kenntnis über weitere Mails erhalten, die für diesen Sachverhalt sachdienlich erscheinen", erklärte er, ohne Einzelheiten zu nennen.

Ermittlungen gegen Mann von Beraterin

Insider erklärten, die neuen Dokumente seien nicht bei den Ermittlungen gegen Clinton aufgetaucht. Vielmehr stammten sie aus dem Fall des ehemalige Abgeordneten Anthony Weiner, der verdächtigt wird, anzügliche Textbotschaften an eine 15-Jährige geschickt zu haben. Die E-Mails seien in diesem Zusammenhang auf einem Gerät entdeckt worden, sagten zwei den Ermittlungen nahe stehende Personen.

Weiner ist der Ehemann von Clintons Beraterin Huma Abedin, die nach einem vorherigen Sexskandal ihre Trennung von ihm angekündigt hatte. Abedin hat dem FBI erklärt, sie habe regelmäßig berufliche Dokumente an ihre private E-Mail-Adressen geschickt, weil es so schwierig gewesen sei, von den Computern des Außenministeriums aus zu drucken. Stellungnahmen von Abedin und Weiner lagen am Freitag nicht vor.

Clinton hatte als Außenministerin einen privaten Server für dienstliche E-Mails benutzt. Das FBI untersuche den Vorgang rund ein Jahr lang und erklärte im Sommer, sie habe zwar einen "extrem verantwortungslosen Umgang" mit den E-Mails gepflegt und dabei möglicherweise gegen das Gesetz verstoßen. Allerdings seien kein Vorsatz erkennbar. Das Justizministerium verzichtete daraufhin auf eine Anklageerhebung. Clinton hat sich für ihr Verhalten entschuldigt. Ihr republikanischer Herausforderer Donald Trump begrüßte die neuen Ermittlungen am Freitag als Korrektur eines "schrecklichen Fehlers".

«Sex, Skandale, Korruption, e-mails»

Der jüngsten Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge hat Clinton zuletzt ihren Vorsprung vor dem Geschäftsmann ausgebaut. Die Folgen der neuen Enthüllungen für den Ausgang der Wahl am 8. November blieben ungewiss. Experten schätzen, dass bereits 20 Prozent der Stimmen abgegeben wurden. Die Politikwissenschaftlerin Linda Folwer vom Dartmouth College sagte, die E-Mail-Affäre sei bei den Wähler durch: "Sie wissen, dass sie es getan hat, sie wissen, dass es unangebracht war."

Der demokratische Strategie und ehemalige Berater von Bill Clinton, Hank Sheinkopf, erklärte dagegen, durch die Verbindung von Weiners Skandalen zu der Demokratin werde es für sie schwieriger, einen Kontrast zu den Vorwürfen der sexuellen Übergriffe gegen Trump aufzubauen. Der ganze Wahlkampf sei jetzt beschmutzt, erklärte Sheinkopf, der nicht zu Clintons Stab gehört. Die Wähler würden sich am Ende nur daran erinnern, dass Politiker "alle gleich sind: Sex, Skandale, Korruption, E-Mails".

(Reuters)