Credit-Suisse-Aktie am Investorentag mit einem Kursfeuerwerk

Die Credit Suisse reduziert am Investorentag ihre Mittelfristziele und kündigt weitere Kosteneinsparungen an. Grössere Überraschungen bleiben aus. Dennoch oder gerade deswegen legt die Aktie kräftig zu.
07.12.2016 11:43
Von Lorenz Burkhalter
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Bild: cash

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, als sich die Credit Suisse unter ihrem damals noch frischen Konzernchef Tidjane Thiam ambitiöse Mittelfristziele gab. Am diesjährigen Investorentag sieht sich die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken diesbezüglich nun gezwungen zurückzukrebsen. Sowohl im Internationalen Wealth Management (IWM) als auch in der Geschäftseinheit Asien-Pazifik (APAC) wird bis Ende 2018 neuerdings ein geringerer Vorsteuergewinn angestrebt als bisher.

Für Analysten kommt die Reduktion der Mittelfristziele allerdings nicht überraschend, hat sich das Umfeld in den vergangenen 12 Monaten doch spürbar eingetrübt. Auch die zum Stellenabbau und zu den Kosten gemachten Aussagen bewegen sich mehr oder weniger innerhalb der Erwartungen.

Und obschon die Aktie der Credit Suisse im Vorfeld des Investorentages schon in den Genuss von Vorschusslorbeeren gekommen ist, wird sie an der Schweizer Börse SIX von Anschlusskäufen erfasst und weiter nach oben getragen. Zur Stunde haussiert sie noch um 8 Prozent auf 15,45 Franken. Zeitweise wurden sogar Kurse von bis zu 15,55 Franken bezahlt. Beobachter berichten von einem guten Kaufinteresse aus dem Ausland.

Wie der für die Citigroup tätige Analyst schreibt, bergen die Vorabinformationen zum Investorentag keine grösseren Überraschungen. Er weist jedoch darauf hin, dass die gesenkten Mittelfristziele noch immer deutlich über den Konsensschätzungen liegen.

Mittelfristige Zielsetzungen sind nun realistischer

Beim Kerngeschäft errechnet er einen angestrebten Vorsteuergewinn von 7,2 bis 8,4 Milliarden Franken und auf Gruppenebene eine Zielbandbreite für den Vorsteuergewinn von 5,8 bis 7 Milliarden Franken. Die jeweiligen Konsensschätzungen für 2018 liegen hingegen bei 5,5 respektive 4,6 Milliarden Franken, wie der Experte durchblicken lässt.

Kursentwicklung der CS-Aktie in den Tagen vor dem Investorentag; Quelle: www.cash.ch

Er empfiehlt die erst vor wenigen Tagen auf die "Most Preferred List" für den europäischen Bankensektor gesetzte Aktie weiterhin mit einem Kursziel von 18,20 Franken zum Kauf.

In Kommentaren von Goldman Sachs und Barclays Capital werden hingegen die zusätzlichen Kosteneinsparmassnahmen als eigentlicher Lichtblick des diesjährigen Investorentages bezeichnet. Die Massnahmen werden unisono als glaubwürdig bezeichnet. Die alles entscheidende Frage sei nun, in welchem Umfang hierfür Erträge geopfert werden müssen, so ergänzt der für Barclays Capital tätige Autor.

Einzig die Aussagen zur Höhe und zur Dauer der erwarteten Verlusten bei der Strategic Resolution Unit (SRU), quasi der Bad-Bank innerhalb der Credit Suisse, wird als negativ beurteilt. Der Analyst von Goldman Sachs sieht bei seinen Schätzungen diesbezüglich negativen Anpassungsbedarf.

Vieles beruht auf dem Börsengang der Universalbank Schweiz

Wie der für die UBS Investmentbank tätige Berufskollege schreibt, sind die um 28 Prozent nach unten angepassten Zielsetzungen für den Vorsteuergewinn realistischer als die vorangegangenen Ziele. Seinen Berechnungen zufolge liegen die Konsensschätzungen für den Vorsteuergewinn im Jahr 2018 allerdings nicht weniger als 36 Prozent unter den neuen Mittelfristzielen. Auch bei der UBS Investmentbank wird die CS-Aktie mit "Buy" und einem 12-Monats-Kursziel von 14,50 Franken eingestuft.

Von den vor einem Jahr definierten Mittelfristzielen hält die Credit Suisse nur bei der Universalbank Schweiz unverändert fest. Bis Ende 2018 wird ein Vorsteuergewinn von 2,3 Milliarden Franken angestrebt. Dass dieses Ziel beibehalten wird, ist vor allem im Hinblick auf das in der zweiten Hälfte nächsten Jahres vorgesehene Teil-IPO der Tochtergesellschaft wichtig.

Wie es bei der Bank Vontobel heisst, lässt sich die Credit Suisse in diesem Zusammenhang im Rahmen der vorliegenden Vorabinformationen noch nicht so richtig in die Karten schauen.