«Credit Suisse braucht fünf Milliarden»

Ist das Ergebnis der Credit Suisse so gut, wie es aussieht? Analyst Andreas Brun ordnet die Zahlen ein und sagt, warum der neue CEO Tidjane Thiam eine gute Wahl sein könnte und was den neuen Chef an Themen erwartet.
21.04.2015 14:00
Von Marc Forster
Andreas Brun, Aktienanalyst Zürcher Kantonalbank.
Bild: cash

Beim Quartalsresultat einer Grossbank gebe es immer Licht und Schatten, sagt Brun, Analyst für Schweizer Banken bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), im cash-Video-Interview. Kritisch sieht Brun die hohen Kosten, mit denen die Credit Suisse (CS) immer noch operiert. "Insgesamt überwiegen aber die positiven Aspekte", sagt der Analyst. Vor allem das Investmentbanking hat sich laut Brun in den Monaten Januar bis März gut geschlagen. Positiv sind ihm auch die Mengen Neugeld aufgefallen, die der zweitgrössten Schweizer Bank zugeflossen sind, sowie die Margen in der weltweiten Vermögensverwaltung.

Den Anstieg des Kurses der CS-Aktie erklärt sich der Bankenfachmann zum einen mit der allgemein guten Börsenlage der vergangenen Wochen; bereits die amerikanischen Grossbanken haben in den vergangenen Tagen gute Resultate im Investmentbanking ausgewiesen, was dem Kurs der CS-Aktie Auftrieb gegeben hat.

"Es gibt aber sicherlich auch einen Thiam-Effekt", sagt Brun: Am 10. März war bekannt geworden, dass Tidjiane Thiam, derzeit noch Chef des britischen Versicherers Prudential und Bürger von Côte d'Ivoire, als Nachfolger des seit 2007 amtierenden Brady Dougan Konzernchef wird. Dem künftigen Chef wird einiges zugetraut, und das Ende der Ära Dougan beseitigt ein gewisses Misstrauen der Märkte: "Es ist wichtig, dass kein interner Zögling von Brady Dougan zum neuen CEO ernannt worden ist", lautet das Urteil von Andreas Brun.

«Strategieänderung gut kommunizieren»

Wie viele Beobachter geht der ZKB-Bankenspezialist davon aus, dass die CS unter Thiam das Investmentbanking verkleinern wird. Der neue Bankenchef werde sich aber mit weiteren Massnahmen beschäftigen müssen: "Ich glaube auch, dass die CS eine Kapitalerhöhung von rund fünf Milliarden Franken machen muss." Dies werde dann dazu führen, dass der Bewertungsabschlag der Bank wegen der als verhältnismässig tief angesehenen Kapitalpuffer der Bank wettgemacht werde.

Ohne Strategieanpassung - also Abbau der Investmentbank-Geschäfte und Verstärkung der Vermögensverwaltung - erhalte die Bankführung aber keine Zustimmung für eine Kapitalerhöhung: "Die CS kann nicht teures Geld aufnehmen und es dann über die Dividende wieder ausschütten." Wichtig sei natürlich, dass der Verwaltungsrat die neue Strategie gut kommuniziere.

Im cash-Video-Interview vergleicht Andreas Brun auch die Situation der CS mit jener der UBS und sagt, welche der beiden Schweizer Grossbanken bezüglich der Aktie im Moment besser im Rennen liegt.