Credit Suisse erkauft sich Ende im Steuerstreit

Die Credit Suisse kann im US-Steuersreit zwar das Schlimmste vermeiden. Aber sie zahlt zur Beilegung des Streits die höchste Geldstrafe der Schweizer Bankengeschichte. Die CS-Aktie zieht zu Handelsbeginn deutlich an.
20.05.2014 09:12
Darf im Amt bleiben: Brady Dougan, CEO Credit Suisse.
Darf im Amt bleiben: Brady Dougan, CEO Credit Suisse.
Bild: cash

Die zweitgrößte Bank des Landes willigte ein, insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Dollar auf den Tisch zu legen. Die Strafe ist für das Geldhaus zwar schmerzhaft, aber verkraftbar. Zudem darf die Credit Suisse ihre für die Weiterführung des Geschäfts wichtige Lizenz in New York behalten. Noch nicht aufatmen können dagegen die anderen Schweizer Banken im Visier der USA. Institute wie Julius Bär und die Kantonalbanken von Zürich und Basel müssen sich ebenfalls auf hohe Strafen gefasst machen.

Die Anleger sind über den Entscheid erleichtert. Die Aktie der Credit Suisse legt am Dienstagmorgen um rund 2,3 Prozent auf 26,70 Franken zu. In den letzten vier Wochen büssten die Titel 5 Prozent an Wert ein.

Nach einer drei Jahre laufenden Strafuntersuchung bekannte sich Credit Suisse in der Nacht zu Dienstag schuldig, reichen Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Die Bank habe den Ermittlern zufolge über Jahrzehnte geholfen, Gelder in geheimen Konten zu verbergen.

Credit Suisse sei die größte Bank in den vergangenen 20 Jahren, die sich strafrechtlich schuldig bekannt habe, erklärte US-Justizminister Eric Holder auf einer Pressekonferenz. Nachdem die Banken aus Angst vor Auswirkungen auf das gesamte Finanzsystem jahrelang mit Samthandschuhen angefasst worden waren, bekam Credit Suisse nun als erstes großes Institut die härtere Gangart der US-Behörden zu spüren.

"Dieser Fall zeigt, dass kein Finanzinstitut, gleich welcher Größe oder globalen Reichweite, über dem Gesetz steht", stellte Holder auf einer Pressekonferenz klar. Mit Credit Suisse wird er sich wohl nicht zufrieden geben. Insidern zufolge droht wegen eines anderen Vergehens auch der französische BNP Paribas eine Milliarden-Strafe.

UBS mit vergleichsweise geringer Strafe

Die USA wollen Schweizer Banken ein für allemal klarmachen, dass das einst lukrative Geschäft mit dem Bankgeheimnis und amerikanischem Schwarzgeld keine Zukunft mehr hat. Gegen 13 weitere Schweizer Geldhäuser laufen Ermittlungen.

Als erste hatten sich die Amerikaner die UBS vorgeknöpft. 2009 konnte sich die größte Schweizer Bank mit der Zahlung von 780 Millionen Dollar aus der Affäre ziehen. Das Institut erhielt damals eine vergleichsweise geringe Strafe, weil es selbst angeschlagen war und die Behörden nach Lehman den Zusammenbruch einer weiteren Großbank verhindern wollten. Credit Suisse muss nun an das US-Justizministerium, das Steueramt, die amerikanischen Notenbank Fed sowie den Bankenregulator des US-Bundesstaates New York insgesamt rund drei Mal so viel bezahlen wie die UBS.

Die UBS war es auch, die die bisher höchste Strafe einer Schweizer Bank bezahlen musste. 2012 verdonnerten die Aufsichtsbehörden der USA, Großbritanniens und der Schweiz die Bank wegen Verstrickung in Manipulationen von Referenzzinssätzen zu einer Zahlung von rund 1,5 Milliarden Dollar. Der größte Vergleich in der Branche überhaupt sind die 13 Milliarden Dollar, die JP Morgan 2013 für Fehler beim Verkauf von US-Hypothekenkrediten bezahlt hatte.

Credit Suisse hat für den Steuerstreit bisher erst 892 Millionen Franken beiseitegelegt. Entsprechend wird die Geldstrafe den Gewinn des zweiten Quartals mit rund 1,6 Milliarden Franken belasten. Angesichts eines von Analysten bisher erwarteten Jahresgewinns von rund vier Milliarden Franken kann sich Credit Suisse dies zwar leisten. Allerdings dürfte die Bank beim Aufbau einer starken Bilanz gegenüber dem Erzrivalen UBS und nach der Kapitalerhöhung auch gegenüber der Deutschen Bank ins Hintertreffen geraten.

Credit Suisse ist erleichtert

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma erklärte in einer Stellungnahme, Credit Suisse habe ihre Pflichten im grenzüberschreitenden Geschäft mit US-Kunden von 2000 bis 2008 zwar verletzt. Inzwischen habe die Bank die geforderten Verbesserungen aber umgesetzt, so dass keine weiteren Maßnahmen notwendig seien.

Credit Suisse äußerte sich angesichts der Einigung erleichtert. "Die Beilegung dieser Angelegenheit ist für uns ein wichtiger Schritt vorwärts", erklärte Konzernchef Brady Dougan. "Das verstärkte Medieninteresse der letzten Wochen in diesem Zusammenhang hatte keine wesentlichen Auswirkungen auf unser Geschäft."

Auch Analysten zufolge hatte es keine Anzeichen gegeben, dass andere Banken Geschäfte mit Credit Suisse zurückgefahren hätten. Dougan dürfte noch aus einem anderen Grund erleichtert sein. Trotz Aufforderungen einflussreicher Schweizer Politiker hat die Handhabung des Steuerstreits auf höchster Ebene keine personellen Konsequenzen. Dougan und Präsident Urs Rohner können ihre Ämter einer Credit Suisse nahestehenden Person zufolge behalten.

(Reuters/cash)