Credit Suisse macht die Tochter für den Börsengang schön

Lange Jahre war der Heimatmarkt das hässliche Entlein der Credit Suisse. Doch nach der Finanzkrise ist aus dem einst vernachlässigten Geschäft mit Kleinsparern und KMU ein stolzer Schwan gereift.
21.11.2016 19:25
Eine Schweizer Bank für Schweizer: Credit Suisse hat eine Tochter fürs Heimgeschäft gegründet.
Eine Schweizer Bank für Schweizer: Credit Suisse hat eine Tochter fürs Heimgeschäft gegründet.
Bild: Bloomberg

Daraus will CS-Konzernchef Tidjane Thiam mit einem milliardenschweren Börsengang des Schweizer Geschäfts im kommenden Jahr Kapital schlagen. Die Vorbereitungsarbeiten für die grösste Aktienemission im Land seit mindestens zehn Jahren gehen jetzt in die heisse Phase.

Thiam will das Investmentbanking bei der nach der UBS zweitgrössten Schweizer Bank zurückfahren und stärker auf stabile Bereiche setzen. Dazu gehört das Schweizer Geschäft, dem der Ivorer als selbstständige Einheit mehr zutraut. Also beschaffte sich die Credit Suisse (Schweiz) AG eine Lizenz, übernahm 1,4 Millionen Kunden von der Muttergesellschaft und ging am Montag an den Start. "Der Aufbau der Rechtseinheit ist eine Voraussetzung für den Börsengang", erklärt Projektleiter Frank Schubert.

IPO voraussichtlich ab Mitte 2017

Wenn das Marktumfeld der Credit Suisse nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht, dürfte die Gesellschaft in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres gelistet werden. Thiam will mit der Transaktion den Kurs des Mutterhauses in die Höhe treiben, indem das Schweizer Geschäft von der Börse separat bewertet wird. Für viele Experten steht aber etwas ganz anderes im Vordergrund: Die Credit Suisse kann mit den frischen Mitteln die Bilanz aufpolstern ohne den Anlegern dabei schon wieder eine Kapitalerhöhung zuzumuten.

Der Effekt ist praktisch der gleiche. Credit Suisse will sich mit dem Teil-Börsengang weitere zwei bis vier Milliarden Franken holen. Die Schätzungen für den Wert des gesamten Schweizer Geschäfts reichen von 12 bis 20 Milliarden Franken. Den ganzen Konzern taxiert die Börse zur Zeit lediglich mit knapp 30 Milliarden Franken.

Hohe Profitabilität und Stabilität

Wer sich über die Zahlen beugt, versteht wieso. Fast 60 Prozent des Konzern-Vorsteuergewinns erwirtschaftete in den ersten neun Monaten 2016 die Division Swiss Universal Bank, die in weiten Teilen der neuen Rechtseinheit entspricht. Das Investmentbanking und das Geschäft mit reichen Privatkunden verblassen im Vergleich. "Ich verstehe die Begeisterung für dieses Geschäft", erklärt Jupiter-Fondsmanager Guy de Blonay und verweist auf die hohe Profitabilität und Stabilität.

Auch die Rivalin UBS verdient im Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft prächtig, während etwa die Deutsche Bank weiterhin vor allem vom Investmentbanking lebt. "Die Schweiz ist ein reiches Land", erklärt ein hochrangiger Banker den Unterschied. Der durchschnittliche Erwachsene im Land hat ein Vermögen von deutlich über einer halben Million Franken.

«Eine Dividenden-Story»

Im Überschwang des Booms wurde das lange ignoriert. Vor der Finanzkrise wollten auch Credit Suisse und UBS im Investmentbanking ein grosses Rad drehen, für die armen Verwandten im Massengeschäft schämte sich die Teppichetage am Paradeplatz fast. Mit den schärferen Vorgaben der Regulatoren hat sich das grundlegend geändert. Weltweit sind Institute wie die skandinavischen Banken mit ihren berechenbaren Geschäftsmodellen zu Börsenlieblingen avanciert. Investmentbanker gehen denn auch davon aus, dass Credit Suisse ihre Schweizer Tochter bei den Anlegern genauso positionieren wird: Wenig Risiko, wenig Wachstum, aber eine hohe Ausschüttung. "Das ist eine Dividenden-Story", sagt ein Investmentbanker.

Nicht auszuschliessen ist auch, dass das IPO bei der Credit Suisse weitere Kapitalmarktransaktionen nach sich ziehen könnte. Mit der von den Schweizer Regulatoren geforderten Abkopplung der für das Land systemrelevanten Teile entfällt auch eine Hürde für eine Übernahme der Grossbank. "Die Abtrennung könnte Spekulationen beflügeln, ob es nicht einen besseren Eigner für das Mutterhaus gibt", erklärt EFG-International-Fondsmanager Urs Beck. "Das könnte gerade für ein amerikanisches Haus einen Gedanken wert sein."

(Reuters)