Credit Suisse muss bei Zielen wohl zurückrudern

Wer CS-Konzernchef Tidjane Thiam nach dem Erreichen der Gewinnziele fragte, erhielt zuletzt meist eine ausweichende Antwort. Auf dem Investorentag von morgen Mittwoch wird er seine Karten auf den Tisch legen müssen.
06.12.2016 11:45
Wird am morgigen Investorentag die Karten auf den Tisch legen müssen: CS-Chef Tidjane Thiam.
Wird am morgigen Investorentag die Karten auf den Tisch legen müssen: CS-Chef Tidjane Thiam.
Bild: ZVG

Die Anleger haben ihre Meinung bereits gemacht: Analysten erwarten, dass die zweitgrösste Schweizer Bank ihren Gewinnausblick für 2018, den sie erst vor gut einem Jahr ausgeben hatte, stutzen wird. Um die bittere Pille leichter schluckbar zu machen, könnte Credit Suisse gleichzeitig ein neues Sparprogramm auflegen. Im Gegensatz etwa zur Deutschen Bank kann sich die CS immerhin eine Strategiedebatte ersparen, denn der Fokus auf reiche Privatkunden ist unumstritten. "Wir erwarten nichts Revolutionäres", erklärt Société-Générale-Analyst Andrew Lim.

Bereits bei ihrer Ankündigung im Oktober 2015 galten die Gewinnziele als überambitiös. Für die drei in der Vermögensverwaltung tätigen Schlüssel-Divisionen hat sich die Bank im Jahr 2018 vor Steuern einen Überschuss von 6,5 Milliarden Franken vorgenommen. Im laufenden Jahr dürften es Analysten zufolge nur gut die Hälfte davon werden. Thiam hat wiederholt herausgestrichen, dass er den schlechtesten Jahresstart der Aktienmärkte seit Jahrzehnten nicht voraussehen konnte. Wegen der mauen Verfassung der europäischen Kapitalmärkte und des Gegenwinds im wichtigen Vermögensverwaltungsgeschäft in Asien dürften die Gebühreneinnahmen auch auf absehbare Zeit weniger üppig sprudeln als zunächst gehofft. "Es ist so gut wie sicher, dass Credit Suisse die gegenwärtigen 2018er Ziele verpasst", sagt Citi-Analyst Andrew Coombs. Statt einer expliziten Senkung der Ziele könnte sich Vontobel-Analyst Andreas Venditti auch vorstellen, dass sich Credit Suisse mehr Zeit zu ihrer Erreichung einräumt oder die Definition ändert.

Weiterer Stellenabbau unumgänglich?

Eine tiefere Vorgabe ist im Aktienkurs, der alleine im laufenden Jahr 37 Prozent an Wert verloren hat, bereits eingepreist, rechnen Händler vor. Schuld an der Enttäuschung sind die ausbleibenden Erträge, die stark von der Zinsentwicklung und anderen äusseren Einflüssen abhängen. "Bei den Kosten hat die Bank über mehrere Quartale zu liefern begonnen", erklärt EFG International -Fondsmanager Urs Beck. Seit dem letzten Investorentag hat die Bank das Sparziel verschärft und peilt nun jährliche Kosten von unter 18 Milliarden Franken an. Doch Credit Suisse könnte Experten zufolge die Schraube weiter anziehen. "Es macht immer Sinn, noch etwas aggressiver zu werden und eine Schippe drauf zu legen", sagt Beck. Ohne einen weiteren Stellenabbau wird das kaum gehen. Einem Bericht der "Schweiz am Sonntag" zufolge will die Bank alleine im Schweizer Geschäft weitere rund 1000 bis 1300 Stellen streichen. Konzernweit hat Credit Suisse für das laufende Jahr bereits einen Abbau von 6000 Jobs angekündigt.

Weitgehend bestätigen dürfte das Institut dagegen ihre Kapitalziele. Eine Schlüsselrolle bei der weiteren Stärkung der Bilanz kommt dem für 2017 geplanten milliardenschweren Teil-Börsengang des Schweizer Geschäfts zu, zu dem sich die Anleger am Mittwoch weitere Einzelheiten erhoffen. Trotz Fortschritten hinkt die Bank bei der Kernkapitalquote dem Erzrivalen UBS immer noch hinterher. Zudem droht der Credit Suisse wie etwa auch der Deutschen Bank eine hohe Busse wegen umstrittener Hypothekengeschäfte in den USA.

(Reuters)