Credit Suisse überrascht mit kleinem Gewinn

Die Credit Suisse hat im zweiten Quartal 2016 wider Markterwartungen einen Gewinn von 170 Millionen Franken erzielt. Im Vorjahr belief sich der Überschuss allerdings auf mehr als eine Milliarde.
28.07.2016 08:46
Die Credit-Suisse-Aktie ist in den vergangenen Monaten am Markt deutlich eingebrochen.
Die Credit-Suisse-Aktie ist in den vergangenen Monaten am Markt deutlich eingebrochen.
Bild: Bloomberg

Anders als von den meisten Experten erwartet, schliesst die Grossbank die Periode mit einem deutlichen Gewinn ab und vermeldet deutliche Fortschritte bei der Restrukturierung. Unter dem Strich bleibt den Aktionären der Credit Suisse im zweiten Quartal ein Gewinn von 170 Mio CHF nach einem Verlust von 302 Mio im Vorquartal und einem Gewinn von 1,05 Mrd CHF im Vorjahr. Der Vorsteuergewinn lag mit 199 Mio ebenfalls wieder im profitablen Bereich nach -484 Mio im ersten Quartal.

Die Grossbank betont in einer Mitteilung am Donnerstag besonders die Rückkehr zur Profitabilität im zweiten Quartal sowie weitere Fortschritte bei der Restrukturierung. Auch eine Verbesserung der Kapitalisierung wird lobend hervorgehoben. "Wir konnten unsere Performance im zweiten Quartal 2016 verbessern und waren trotz der volatilen Märkte profitabel", sagt CEO Tidjane Thiam laut Mitteilung.

Fortschritte in Investmentbank

Gestützt wird das Ergebnis des zweiten Quartals nicht zuletzt durch die Fortschritte bei der Restrukturierung der Division Global Markets (GM) sowie der fortschreitenden Abwicklung nicht profitabler Geschäfte in der Strategischen Abwicklungseinheit. Die Bank spricht von "bedeutenden" Fortschritten bei der beschleunigten Restrukturierung von GM. Das Geschäft wurde entsprechend redimensioniert, die Kosten- und Kapitaleffizienz der Division gesteigert und das Risikoprofil deutlich verringert. So reduzierte sich der erwartete Quartals-Vorsteuerverlust in einem Adverse-Stress-Szenario um 50%.

Geholfen hat Global Markets aber auch das im zweiten Quartal deutlich bessere Marktumfeld. So steigerte die restrukturierte Division ihre Erträge gegenüber dem ersten Quartal dank günstigerer Marktbedingungen und einer Stabilisierung der Kernkundengeschäfte - unter anderem in den Bereichen Prime Services, Emissionsgeschäft, Leveraged Finance und verbriefte Produkte - um 33% auf 1,63 Mrd CHF und erwirtschaftete einen Vorsteuergewinn von 154 Mio CHF.

Insgesamt erreichten alle Kern-Divisionen ein positives Ergebnis. Die Swiss Universal Bank übertraf die Prognosen mit einem Vorsteuerergebnis von 453 Mio. APAC und International Wealth Management verzeichneten ein Vorsteuerergebnis von 206 Mio bzw. 245 Mio. Investment Banking and Capital Markets (IBCM) schliesslich verdiente trotz verhaltener Kundenaktivität vor Steuern 135 Mio CHF.

Starker Zufluss an Neugeld

Im strategischen Fokusbereich der Vermögensverwaltung flossen der Bank im zweiten Quartal Neugelder von netto 11,3 Mrd CHF zu. Die verwalteten Vermögen erhöhten sich per Ende Juni auf 1'218,4 Mrd CHF nach 1'180,8 Mrd Ende März 2016.

In der Abwicklungseinheit (Strategic Resolution Unit, SRU) ergab sich dagegen ein Vorsteuerminus von 759 Mio. Die Einheit habe weitere bedeutende Fortschritte beim Abbau der risikogewichteten Aktiven und der Leverage-Risikoposition, bei der Reduktion des bereinigten Geschäftsaufwands sowie bei der Abwicklung von Geschäftsbereichen erzielt. Zahlreiche Transaktionen hätten zur Reduktion der risikogewichteten Aktiven beigetragen. Dazu gehörten der Abschluss einer Kauf- und Verkaufsvereinbarung über das gesamte Credit-Derivative-Swap-Portfolio sowie die Veräusserung oder die Restrukturierung des Grossteils der Cash Credit Assets.

Leverage Ratio weiter bei 3,3 Prozent

Die Kapitalisierung gemessen an der harten Kernkapitalquote (CET1 nach Basel III, look-through) verbesserte sich insbesondere dank um 9 Mrd verringerten risikogewichteten Aktiven (RWA) auf 11,8% nach 11,4% Ende März. Das sei die höchste von der Credit Suisse je ausgewiesene Quote, schreibt die Bank. Bis zum Jahresende 2016 will sich die CS hier nach wie vor in einer Bandbreite von 11 bis 12% bewegen. Die ungewichtete Leverage Ratio, die immer mehr im Fokus der Regulatoren steht, blieb dagegen stabil bei 3,3%.

Bei den Kosteneinsparungen sei die Grossbank auf Kurs, heisst es weiter. Das Kostensenkungsprogramm werde zügig vorangetrieben, und die Bank setze alles daran, "eine flexiblere, widerstandsfähigere und effizientere Bank zu schaffen, die auch unter den neuen, nach der Krise vorherrschenden regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgreich besteht". Netto seien im zweiten Quartal 580 Stellen abgebaut worden. Die angestrebte operative Kostenbasis von 19,8 Mrd CHF werde bis Ende 2016 erreicht oder gar unterboten, heisst es.

Vorsichtiger Ausblick

Der Ausblick für das zweite Halbjahr 2016 bleibt indes vorsichtig: Geopolitische Spannungen und makroökonomische Bedenken hätten sich vor einigen Wochen durch das Ergebnis des Referendums in Grossbritannien noch verstärkt, so Konzernchef Thiam. Durch das Brexit-Votum hätte sich die Situation an den Märkten insbesondere gegen Ende des zweiten Quartals 2016 verschärft.

Eine "umsichtige" Planung und Koordination der Handels-, Risiko- und Supportfunktionen hätten sich allerdings im Vorfeld des Referendums und am Abstimmungstag selbst bewährt. "Wir konnten die am Abstimmungstag bedeutend höheren Handelsvolumen erfolgreich bewältigen und für unsere Kunden eine einwandfreie Abwicklung sicherstellen", heisst es. In den kommenden Quartalen will die Grossbank stetig weiter auf die längerfristigen Ziele hinarbeiten.

Die CS-Aktie ist auf 12 Monate zurückblickend mit einen Kursverfall von 55 Prozent die am schlechtesten perfomende Aktie im SMI. Seit Anfang Jahr ist der Wert um 43 Prozent zurückgegangen. Vor drei Wochen schloss die Aktie erstmals unter 10 Franken.

(AWP/cash)