CS-Aktie gewinnt zeitweise 10 Prozent

Die Dividendenpolitik der Credit Suisse tröstet über den enttäuschenden Zahlenkranz hinweg. In Analystenkreisen zeichnet sich ein Umdenken ab. Die Aktie verbucht zeitweise zweistellige Kursgewinne.
12.02.2015 15:58
Von Lorenz Burkhalter
Die CS-Aktie reagiert mit einem Kurssprung auf die Dividendenpläne.
Die CS-Aktie reagiert mit einem Kurssprung auf die Dividendenpläne.
Bild: cash

(Ergänzt um Berichte aus dem Handel und um den aktuellen Kurs)

Die Ergebnisenttäuschung der Erzrivalin UBS ist noch nicht richtig verdaut, da legt auch schon die Credit Suisse mit ihrem Zahlenkranz für das Schlussquartal des Geschäftsjahres nach. Und dieser hat sich gewaschen: Trotz einem deutlich tiefer als erhofften Beitrag aus dem Investment Banking übertrifft die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken die Erwartungen sowohl beim Vorsteuergewinn als auch beim Konzerngewinn sehr deutlich.

Der Teufel liegt allerdings wie gewohnt im Detail. So liegen die Ergebnisbeiträge aus dem Private Banking und insbesondere aus dem Investment Banking deutlich hinter den Analystenschätzungen zurück. Dass diese auf Konzernebene dennoch deutlich übertroffen werden, deutet das Ergebnis aufblähende Einmalerträge an.

Für eine kleinere Sensation sorgt die Schweizer Grossbank bei der geplanten Dividende. Diese wird nicht nur auf Vorjahreshöhe beibehalten, sondern allen Unkenrufen zum Trotz auch bar und nicht in Form neuer Aktien ausbezahlt.

Folglich legt die CS-Aktie an der Schweizer Börse SIX deutlich zu. Im Laufe des Nachmittags klettert sie vorübergehend um gut 10 Prozent auf 21,78 Franken. Händlern zufolge wurden namhafte Baissiers vom Dividendenentscheid auf dem falschen Fuss erwischt, was aggressive Deckungskäufe nach sich zieht.

Starker Anstieg bei den Kosten

Einem Kommentar aus dem Investment Banking der Erzrivalin UBS ist zu entnehmen, dass der Vorsteuergewinn um Sonderfaktoren bereinigt bestenfalls im Rahmen der Markterwartungen liegt. Zumindest die bankeigenen Schätzungen seien jedoch um nahezu 20 Prozent übertroffen worden.

Obschon die Bruttoerträge im Schlussquartal rund 12 Prozent besser ausgefallen seien, habe ein starker Kostenanstieg diese wieder zunichte gemacht, so der Verfasser des Kommentars.

Enttäuscht zeigt sich der Analyst vom Gewinnbeitrag aus dem Private Banking sowie vom überraschenden Nettoneugeldabfluss in diesem Bereich. Das bereinigte Ergebnis im Investment Banking sei hingegen besser als erwartet ausgefallen.

Die im Jahresvergleich stabile Dividende wird im Kommentar als auf kurze Sicht wegfallender Unsicherheitsfaktor bezeichnet und begrüsst. Allerdings gebe es in Bezug auf die Eigenkapitalbasis noch immer unbeantwortete Fragen.

Gewinn durch Sonderfaktoren aufgebläht

Der Analyst stuft die CS-Aktie vorerst mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 20 Franken ein.

Bei Kepler Cheuvreux wird auf die zahlreichen Sonderfaktoren verwiesen. Der Konzerngewinn sei im Schlussquartal aufgrund von Veräusserungserträgen für Immobilien und Gewinnen auf eigenen Verbindlichkeiten künstlich aufgebläht worden. Unter Ausklammerung dieser Faktoren sei das Resultat nicht allzu beeindruckend, so der Analyst. Er hält am Anlageurteil "Hold" und am Kursziel von 20 Franken fest.

In dieselbe Kerbe schlägt der Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Wie diese schreibt, liegt der bereinigte für das Schlussquartal ausgewiesene Vorsteuergewinn um rund 9 Prozent unter den Markterwartungen. Enttäuschend sei vor allem das Ergebnis im Private Banking ausgefallen. Die Bruttomarge sei stärker als befürchtet gefallen. Dasselbe gelte für die Generierung von Nettoneugeld. Die Dividende werde einen deutlichen Absturz jedoch verhindern. Der Analyst nimmt die "Marktgewichten" lautende Anlageempfehlung in Revision.

In Aussicht gestellte Bardividende überrascht

Sein für die Bank Vontobel tätiger Berufskollege hält die gegenüber dem Vorjahr unverändert hohe und in bar entrichtete Dividende für positiv. Er selber habe nie daran gezweifelt, dass die Grossbank ihre bisherige Ausschüttungspolitik aufrecht behalten könne.

Wie auch bei der UBS müsse auch die Credit Suisse im Private Banking auf ein schwaches Schlussquartal zurückblicken. Auch der tiefe Ergebnisbeitrag aus dem Investment Banking erschrecke auf den ersten Blick. Allerdings hätten Sonderbelastungen ihre Spuren hinterlassen, so gibt der Analyst zu bedenken. Er hält sowohl am "Hold" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 21 Franken fest.

Bei Baader Helvea heisst es, dass das Hauptinteresse der Eigenkapitalsituation und der Dividendenpolitik gegolten habe. In diesem Zusammenhang seien die heutigen Neuigkeiten beruhigend. Ausserdem decke sich die operative Entwicklung mit den unternehmenseigenen Zielsetzungen und den Markterwartungen. Der verantwortliche Analyst geht deshalb von einer positiven Kursreaktion aus. Er stuft die Aktie mit "Hold" und einem möglicherweise etwas gar hohen Kursziel von 28,40 Franken ein.

Neubeurteilung der verschmähten CS-Aktie zu erwarten

Neben der Zürcher Kantonalbank, welche ihre "Marktgewichten" lautende Anlageempfehlung überprüfen wird, lassen weitere Banken eine Neubeurteilung der CS-Aktie erahnen. Gemäss Statistiken der Nachrichtenagentur awp empfehlen von 22 Analysten nur gerade 7 den Titel zum Kauf und sogar 4 zum Verkauf. In 11 Fällen wird die Aktie neutral eingestuft. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 24,50 Franken.