CS-Aktie nach Zahlen unter Verkaufsdruck

Das Quartalsergebnis der Credit Suisse liegt leicht über den Erwartungen. Begeisterungsstürme löst es im Analystenlager dennoch nicht aus. Die Aktie gerät unter Verkaufsdruck.
21.04.2015 11:53
Von Lorenz Burkhalter
Bei den Zahlen der Credit Suisse liegt der Teufel im Detail.
Bei den Zahlen der Credit Suisse liegt der Teufel im Detail.
Bild: Bloomberg

(Aktualisiert um den Kommentar von J.P. Morgan und den aktuellen Kurs)

Die Credit Suisse verdient ihr Geld vor allem im ersten Quartal. Kein Wunder, gilt es doch als das saisonal stärkste des ganzen Jahres.

Auf den ersten Blick wird der Zahlenkranz den Analystenerwartungen denn auch gerecht. Sowohl beim Vorsteuergewinn als auch beim Reingewinn übertrifft die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken die Konsensschätzungen leicht.

Doch wie gewohnt liegt der Teufel im Detail: Nicht nur der Gewinnbeitrag aus dem Investment Banking, auch jener aus dem Wealth Management bleibt hinter den jeweiligen Erwartungen zurück. Und das, obschon der SNB-Entscheid von Mitte Januar zu deutlich mehr Kundenaktivitäten hätte führen müssen.

Einziger Lichtblick ist der milliardenschwere Nettoneugeldzufluss. Dieser scheint allerdings nicht auszureichen, um die Anleger versöhnlich zu stimmen. Die CS-Aktie gerät an der Schweizer Börse SIX unter Verkaufsdruck. Zur Stunde fällt sie um 3,1 Prozent auf 25,98 Franken.

Kerngereiche wissen nicht zu überzeugen

Der für Exane BNP Paribas tätige Analyst bringt es auf den Punkt: In den wichtigen Geschäftsbereichen ist der Zahlenkranz schwächer als erwartet, in den weniger wichtigen Bereichen hingegen über den Erwartungen ausgefallen.

Im Investment Banking seien die höher als erwarteten Erträge von gestiegenen Kosten absorbiert worden. Mit den amerikanischen Rivalen verglichen habe die Credit Suisse im Handel mit Festverzinslichen, Devisen und Rohstoffen (FICC) brilliert, nicht aber im für das Unternehmen wichtigen Aktienhandel.

Nettoneugeldentwicklung überraschend stark

Auch die Entwicklung beim Eigenkapital bezeichnet der Analyst als durchzogen. Er empfiehlt die Aktie weiterhin mit "Underperform" und einem Kursziel von 19,80 Franken zum Verkauf.

Ebenfalls eher vorsichtige Töne schlägt sein Berufskollege von Baader Helvea an. Seiner Einschätzung zufolge deckt sich das Resultat weitestgehend mit den Erwartungen. Positiv hebt er die Nettoneugeldentwicklung hervor. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass das Nettoneugeldwachstum allerdings nur 3,2 Prozent betragen habe. Der Analyst hält sowohl am "Hold" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 23 Franken fest.

In einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank schreibt der Verfasser, dass das um alle Sonderfaktoren bereinigte Vorsteuerergebnis wegen höheren Kosten unter den Erwartungen liege. Zudem würden die reduzierten Kosteneinsparziele auf die Stimmung drücken. Doch vor allem die Investmentbank habe wie erwartet ein sehr gutes Ergebnis präsentiert und habe von einem positiven Verlauf des Aktien- und FICC-Geschäfts profitiert (siehe auch heutiges Interview).

Probleme der Credit Suisse bleiben die alten

Der Analyst rechnet bei der Credit Suisse weiterhin mit einer Kapitalerhöhung im Umfang von 5 Milliarden Franken bei einem gleichzeitigen Abbau der Investmentbank. Vorerst würden die alten Probleme bestehen bleiben und der Aktienkurs werde vorwiegend von der vorweggenommenen Hoffnung auf Veränderungen getrieben. Die Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank weiterhin nur mit "Marktgewichten" eingestuft.

Der für Kepler Cheuvreux tätige Berufskollege zeigt sich vom Zahlenkranz selber positiv überrascht. Die Probleme rund um die Eigenkapitalbasis seien allerdings noch immer dieselben, so schreibt er. Die Kernkapitalquote sei im vergangenen Quartal sogar leicht gefallen. Dadurch bleibe eine gewinnverwässernde Kapitalerhöhung weiterhin sehr wahrscheinlich. Der Analyst hält sowohl am "Hold" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 22,50 Franken fest.

Auch bei der UBS Investmentbank heisst es, dass die Debatte rund um die Eigenkapitalbasis der Credit Suisse noch lange nicht vom Tisch sei. Die Kernkapitalquote sei schwächer als erwartet ausgefallen und mache einen weiterhin tiefen Eindruck. Die Aktie wird bei der grösseren der beiden Schweizer Grossbanken mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 26 Franken eingestuft.

Für J.P. Morgan ist unbestritten: Unter dem neuen CEO wird sich die Credit Suisse der schwachen Kapitalbildung annehmen müssen. Zunehmenden Leidensdruck erwarten die Amerikaner im Zusammenhang mit strengeren regulatorischen Auflagen und dadurch steigenden Risikoaktiven. In der Hoffnung auf eine strategische Neuausrichtung wird die Aktie bei J.P. Morgan weiterhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 28 Franken zum Kauf empfohlen.