CS-Aktie vor schmerzhaftem Rückschlag?

Auf dem neuen CEO der Credit Suisse ruhen enorme Hoffnungen. Ein bekannter Analyst hegt allerdings seine Zweifel. Er prognostiziert der Bank-Aktie einen drastischen Rückschlag.
10.06.2015 08:10
Von Lorenz Burkhalter
Urs Rohner, VR-Präsident der CS. Wohin treibt die Aktie der Bank?
Urs Rohner, VR-Präsident der CS. Wohin treibt die Aktie der Bank?
Bild: Bloomberg

Am Dienstag geriet die Aktie der Credit Suisse im späten Handel unter starken Verkaufsdruck. Bei Börsenschluss resultierte ein sattes Minus von 2,2 Prozent. In den letzten vier Handelstagen hat die Grossbank sogar 4 Prozent ihres Börsenwerts eingebüsst. 

Insbesondere im Vergleich mit dem Konkurrenten UBS kommt die Aktie der CS flach heraus. In den letzten zwölf Monaten verlor der CS-Titel 8 Prozent, während die UBS-Aktie im gleichen Zeitraum 10 Prozent zulegen konnte.

Darf man dem für die Berenberg Bank tätigen James Chappell Glauben schenken, dann sind die Kursverluste der CS-Aktie in den letzten Tagen erst ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch folgen könnte. Der bekannte und früher für Goldman Sachs tätige Analyst sieht die CS-Aktie sogar auf 16 Franken fallen. Das entspräche einem Rückschlag von nicht weniger als 37 Prozent.

Es wartet viel Arbeit auf den neuen CEO

Die Aktie der Credit Suisse hatte in den letzten Monaten einiges an Vorschusslorbeeren für den neuen CEO Tidjane Thiam erhalten. Die Bank soll sich vom Investmentbanking lösen und sich vermehrt der weniger kapitalintensiven Vermögensverwaltung zuwenden. so die Hoffnungen der Investoren. Doch so einfach werde das nicht, so heisst es in der Studie der Berenberg Bank. Denn anders als bei seinem bisherigen Arbeitgeber Prudential warte bei der Grossbank eine sehr viel schwierigere Aufgabe auf Thiam.

Der Berenberg-Analyst verweist in diesem Zusammenhang auf die Probleme mit der Leverage Ratio (Verschuldungsgrad), die bestenfalls mittelmässige Wettbewerbssituation sowie auf die schwache Ertragslage. Mit anderen Worten: Es wartet sehr viel Arbeit auf Thiam. Der neue CEO muss eine Kapitalerhöhung durchführen, sich der hohen Kostenbasis annehmen und die Managementstruktur verändern.

Kapitalerhöhung nicht vom Tisch

Auf Basis von Berechnungen der Berenberg Bank steht die Credit Suisse mit einem sogenannten "Pain Leveraged Ratio" von 1,6 Prozent an zweitletzter Stelle unter den amerikanischen und europäischen Banken. Dem Analysten zufolge benötigt die Grossbank Eigenkapital im Umfang von 7,5 Milliarden Franken, um ins Mittelfeld vorzurücken.

Nicht zuletzt aufgrund des Verwässerungseffekts einer solchen Kapitalerhöhung liegen die zukünftigen Gewinnschätzungen des Experten zwischen 25 und 30 Prozent unter den Annahmen seiner Berufskollegen.

Die Berenberg Bank ist eine von fünf Banken, welche die Aktie der Credit Suisse zum Verkauf empfehlen. Weitere 11 stufen sie neutral ein und sieben empfehlen den Titel zum Kauf. Mit dem gerade einmal 16 Franken lautenden Kursziel sticht die Berenberg Bank allerdings hervor. Keine andere Bank ist auch nur annähernd so negativ, was die zukünftige Kursentwicklung anbetrifft.