CS-CEO glaubt an seine Strategie

Der neue Chef der Credit Suisse sieht sich mit der Grossbank trotz des Aktienrückgangs nach wie vor auf dem richtigen Weg.
09.08.2016 12:05
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse Group.
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse Group.
Bild: cash

"Ich glaube an die Strategie, die wir definiert haben", sagte Tidjane Thiam in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Unerwartete Ereignisse wie das Brexit-Votum müssten zwar immer wieder mit einbezogen werden und eine Strategie müsse entsprechend flexibel sein. Die Hauptbestandteile würden allerdings unverändert bleiben.

In einem Satz laute seine Strategie, ein "führender Vermögensverwalter mit starkem Investment Banking" zu sein, wiederholte er frühere Aussagen. Thiam ist seit Juli 2015 im Amt und hat im Oktober 2015 erstmals seine neue Strategie erläutert.

Aktienkurs eingebrochen

Nicht zuletzt steht die Grossbank vermehrt unter Kritik, weil der Aktienkurs seit August 2015 fast um 60% eingebrochen ist. Wie lange es noch dauert, bis sich die verschärfte Beobachtung am Markt womöglich etwas entspannt, das könne er nicht sagen, so Thiam im Interview weiter. Es sei noch eine Menge Arbeit, den Markt zu überzeugen, dass man ein neues Modell habe.

Im dritten Quartal 2015 war der Value at Risk (VAR) bei der Credit Suisse Thiam zufolge doppelt so hoch gewesen wie bei einer durchschnittlichen europäischen Bank - bei einer gleichzeitig tieferen Kapitalisierung. Man sei auf dem Weg, das zu ändern. Von Ende 2015 bis Ende des ersten Quartals 2016 seien die Risikopositionen denn auch um ein Drittel reduziert worden. "Zu vernünftigen Kosten" habe man die Risiken "schnell" eingedämmt, meinte er.

Oberste Priorität sei zudem im gleichen Zusammenhang zunächst gewesen, die Kapitalposition zu stärken. Erst dann gebe es eine Chance zum Überleben, so Thiam. Und erst danach könne man über die Zukunft nachdenken. Erschwerend kam das "nicht sehr bankenfreundliche Marktumfeld" in den vergangenen zwölf Monaten hinzu.

Kapitalerhöhung kein Thema

Eine weitere Kapitalerhöhung sei derzeit kein Thema, bestätigte er zudem frühere Aussagen. Man könne es zwar nie ausschliessen, aber in den meisten vorhersehbaren Szenarien müsse kein Kapital aufgenommen werden. Die Bank könne sich nun auf das eigentliche Geschäft konzentrieren.

Thiam gibt sich zudem überzeugt, dass sich der Aktienkurs künftig wieder erholen dürfte: Denn der jetzige Preis widerspiegle "absolut nicht" den Wert des Unternehmens.

Die Credit Suisse brauche allerdings eine bessere Erfolgsbilanz ("track record"), so Thiam weiter. In den vergangenen 25 Quartalen seien die Markterwartungen nur sechs Mal erreicht oder geschlagen worden, was bedeute das sie in 75% der Fälle verfehlt wurden. Die Peers hätten dagegen eine positive Statistik. Ohne Glaubwürdigkeit werde auch der Aktienkurs unter Druck bleiben.

Unterdessen sieht der CS-CEO für die Zukunft grosses Wachstumspotential: "Wir sehen überall Chancen". In Asien gebe es grossen Raum für Wachstum, aber auch in Europa und in den USA.

(AWP)