CS-CEO Thiam: «Unser Aktienkurs ist eine Einstiegschance»

Die Credit Suisse hat im dritten Quartal einen kleinen Gewinn erzielt, bei den Anlegern kommt das Resultat jedoch nicht gut an. Was CEO Tidjane Thiam vom Resultat hält, sagt er im Video-Interview.
03.11.2016 11:11
Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse.
Bild: cash

CEO Tidjane Thiam zeigt sich im Video-Interview trotz des spärlichen Reingewinns von 41 Millionen Franken zufrieden mit dem Zwischenergebnis der Grossbank: "Alle fünf Divisionen haben sich profitabel entwickelt". Thiam spielt dabei aber auch auf den Vorsteuergewinn an, dem die Finanzmärkte ebenfalls viel Aufmerksamkeit schenken.

Auf den ersten Blick liegt der Vorsteuergewinn der CS im dritten Quartal auch tatsächlich über den Erwartungen, dies vor allem dank einem starken Ergebnisbeitrag aus der Universalbank Schweiz. Allerdings hätten vor allem einmalige Gewinne aus Immobilienverkäufen dazu beigetragen, heisst es in Expertenkreisen.

Zudem werde das starke Spartenergebnis von einer etwas enttäuschenden Nettoneugeldentwicklung überschattet. Die Bank konnte knapp 12 Milliarden Neugelder anziehen. Im Vorjahr waren es gut 16 Millarden Franken gewesen.

Die CS-Aktie als Schnäppchen für Investoren?

Thiam bezeichnet denn das dritte Quartal als sehr anspruchsvoll, da das ganze Umfeld für Banken generell schwierig gewesen sei. Vorallem das Tiefzinsumfeld sei eine grosse Herausforderung. Einigermassen akzeptabel startete die Grossbank gemäss ihrem Chef nun in das vierte Quartal: "Der Monat Oktober war okay", so Thiam. Dominierend seien weiterhin politische Unsicherheiten.

Diverse wichtige politische Entscheide stehen in den nächsten Wochen und Monaten an: Am 8. November die US-Präsidentschaftswahl, am 4. Dezember das Referendum in Italien und im nächsten Jahr Wahlen in Frankreich und Deutschland. "Das sind Unsicherheits-Quellen, welche das Investorenverhalten beeinflussen", meint Thiam dazu. Anleger würden deshalb auf der Seitenlinie stehen und schauen, wie all diese Ereignisse ausfallen werden.

Nicht sehr hoch in der Investoren-Gunst steht weiterhin die CS-Aktie selbst. Im heutigen Handel fällt diese um 5,4 Prozent (Stand Donnerstagmittag). Dies, nachdem sich die Aktie in den letzten drei Monaten um fast 10 Prozent erholen konnte. Seit Jahresbeginn ist der Verlust mit minus 39 Prozent aber noch immer massiv. "Unser jetzige Aktienkurs ist eine Einstiegschance, da er nicht den wahren Wert der Bank widerspiegelt", so Thiam über den CS-Titel. "Das Aufwärtspotenzial ist entsprechend hoch."

Fortschritte bei der Kapitalbasis

Weiter gespart hat die CS beim grössten Kostenfaktor, dem Personal. Das Ziel, den Personalbestand im Geschäftsjahr 2016 um 6'000 Stellen zu reduzieren, scheint mit einem Abbau von aktuell 5'400 Stellen in Reichweite. Auf das Jahr hochgerechnet seien in den ersten neun Monaten 2016 bereinigte Netto-Kosteneinsparungen von 1,5 Milliarden Franken erzielt worden. Damit sei man auf "gutem Weg", das Kostenreduktionsziel für Ende 2016 zu übertreffen, so eine Mitteilung der CS zum heute präsentierten Ergebnis.

"Einen grossen Teil unseres Kostensenkungsprogramms tun wir, um die Kapitalbasis zu stärken", sagt Thiam im Interview ergänzend. Tiefere Kosten würden helfen, langsam eine Kapitalbasis aufzubauen. Und hier zeigt sich der CS-Chef zufrieden: "Innerhalb von einem Jahr hat die Bank bedeutende Fortschritte gemacht und die harte Kapitalbasis von 10,2 Prozent, was in der Branche ein tiefer Wert war, auf 12,0 Prozent gesteigert".

Ausserdem erläutert Tidjane Thiam im Video-Interview, welche Ideen und Pläne es bezüglich Kostenreduktion bei der IT-Infrastruktur der Bank gibt.

(cash/AWP)