CS-Chef Thiam: «Wir bleiben vorsichtig»

Die CS trägt schwer an den Lasten der Vergangenheit. Konzernchef Tidjane Thiam kann nicht versprechen, dass das laufende Jahr schon das Licht am Ende des Tunnels bringt. Operativ zeigt er sich aber klar optimistisch.
04.02.2016 10:40
Tidjane Thiam will mit der Vergangenheit aufräumen.
Bild: cash

Goodwill-Wertberichtigung sowie Umstrukturierungskosten haben der Credit Suisse einen hohen Milliardenverlust im vierten Quartal 2015 beschert und lösen einen Stellenabbau aus. Daher bleibt für das laufende Geschäftsjahr die Restrukturierung der Grossbank eine riesige Aufgabe, wie Thiam im Video-Interview erklärt.

"Wir stellen uns der Vergangenheit", sagt Thiam zum Abschreiber, der auf den Investmentbank-Zukauf der amerikanischen Donaldson, Lufkin & Jenrette im Jahr 2000 zurückgeht. Nach der Bereinigung dieser Belastungen kämen noch für zwei oder drei Jahre weitere Restrukturierungen mit hohen Kosten auf die Bank zu, was 2016 zu einem weitern schwierigen Jahr für die zweitgrösste Bank der Schweiz machen dürfte. 2016 dürfte nach Einschätzung Thiams auch an den Finanzmärkten weiterhin schwierig bleiben: "Wir sind ziemlich vorsichtig."

Für diese Situation habe sich die Bank aber im Dezember frisches Kapital besorgt, um "genügend Munition für die weitere, fundierte Restrukturierung zu haben", so der CEO weiter. Insgesamt sollen gemäss dem Plan, dem die CS-Aktionäre Ende 2015 zugestimmt hatten, über 6 Milliarden Franken in die Kassen der Credit Suisse fliessen. Die CS will damit nicht nur ihr Wachstum finanzieren, sondern auch ihre im Vergleich zur Konkurrentin UBS dünnen Kapitalpolster aufbessern.

CS kann in Asien punkten

Operativ zeigt sich Thiam, der die CS seit Mitte 2015 führt, optimistischer. Der Konzernchef zeigt sich sehr zufrieden mit der Performance der Bank speziell in Asien. "Wir haben 17,8 Milliarden an Neugeldern - das ist der höchste Zufluss aller Banken in Asien. Und das ist in diesem anspruchsvollen Umfeld aussergewöhnlich."

Im Hinblick auf die Schweiz zeigt sich der Bankchef hochmotiviert. "Seit meinem Antritt spreche ich von der Schweiz als Schlüssel zu unserer Strategie. Wir haben die Swiss Universal Bank gegründet - und allen, die meinen, wir hätten keine Geschäfts-Perspektive hier, wage ich zu widersprechen." Auch die Investmentbank, die entgegen wiederholter Verkaufsgerüchte weiterhin zum Kernbestand der CS-Gruppe gehören werde, habe zwischen Oktober und Dezember das beste Quartal in fünf Jahren erlebt, was die Zahl der verbuchten Geschäfte betreffe.

Thiam beantwortet im Video-Interview auch die Frage, weshalb er nach dem Milliardenabschreiber die Mitarbeiter bei den Bonus-Zahlungen nicht für Vorkommnisse aus der Vergangenheit bestrafen will.

(AWP/cash)