CS droht mit Reduktion ihrer Index-Prognosen

Die Grossbank Credit Suisse droht mit einer Senkung ihrer Jahresendziele für europäische Aktienindizes, sollte Grossbritannien aus der Europäischen Union austreten.
23.06.2016 08:16
Von Lorenz Burkhalter
Die Aktienstrategen der Credit Suisse rechnen im Falle des Brexits mit Verwerfungen an den Finanzmärkten.
Die Aktienstrategen der Credit Suisse rechnen im Falle des Brexits mit Verwerfungen an den Finanzmärkten.
Bild: Bloomberg

Das Warten hat schon bald ein Ende: In Grossbritannien haben die Stimmlokale geöffnet. Dann wird sich entscheiden, ob das Inselreich in der Europäischen Union (EU) verbleibt oder es zum Brexit kommt. So unterschiedlich die Erwartungen an den Ausgang der Abstimmung auch sein mögen - in einem Punkt sind sich die Experten einig: Sollte die Volksinitiative angenommen werden und Grossbritannien aus der EU austreten, drohen den Finanzmärkten grössere Verwerfungen.

Dieser Meinung sind auch die Aktienstrategen der Credit Suisse. Sie erachten den britischen Aktienmarkt aktuell zwar als um rund 10 Prozent unterbewertet. Im Falle eines Austritts sehen sich die Experten jedoch zu einer Reduktion ihres Jahresendziels für den dortigen FTSE-100-Index von 6600 auf 6200 Punkte gezwungen. Mit 6260 Zählern steht das Börsenbarometer schon heute nur geringfügig darüber.

Gefahr eines Domino-Effekts ist nicht zu unterschätzen

Noch stärker träfe es den viel beachteten EuroStoxx-50-Index. Berechnungen der Schweizer Grossbank zufolge müsste sie das Jahresendziel für diesen Benchmark-Index sogar von 3350 auf 2950 Punkte zurücknehmen. Aktuell notiert der EuroStoxx-50-Index bei 2980 Zählern. Die Strategen sehen die Aktienkurse in Europa um 5 bis 10 Prozent stärker fallen als an der Leitbörse in New York, in Anlehnung an die Schuldenkrise Griechenlands vor wenigen Jahren.

Bei der Credit Suisse befürchtet man allerdings einen über die Aktienmärkte hinausgehenden Domino-Effekts eines möglichen Austritts Grossbritanniens aus der EU. An einem solchen lässt auch die Drohung der Ratingagentur Standard & Poor’s keinen Zweifel, dem Inselreich allenfalls die Bestnote "AAA" für dessen Staatsanleihen zu entziehen.

Letzte Umfrageergebnisse sprechen keine eindeutige Sprache

So befürchten die Aktienstrategen beispielsweise, dass der Risikoaufschlag für italienische Anleihen über jene spanischer Schuldtitel klettern und der Euro gegenüber dem Franken auf die Parität von eins zu eins fallen könnte. Letzteres spräche den Experten zufolge für die Swisscom-Aktie und gegen die Valoren der Swatch Group.

Ob das Referendum angenommen wird und es zum Austritt kommt, oder nicht, bleibt weiterhin unklar. Die jüngsten Umfrageergebnisse von COMRES und YouGov/Times sprechen mit 48 respektive 51 Prozent für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU. Das gegnerische Lager kommt hingegen auf 42 beziehungsweise 49 Prozent. Anders eine Erhebung von IPSOS-MORI, in welcher die Befürworter des "Brexit" mit 53 Prozent die Nase vorn haben und sich nur 47 Prozent der Befragten für einen Verbleib in der EU aussprechen.

Damit bleibt der Ausgang der Volksabstimmung zumindest fürs Erste unklar.